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Jeremy Corbyn am frühen Morgen nach der Wahlpleite Foto: Tom Nicholson/REUTERS
© Tom Nicholson/REUTERS

Reaktion auf Wahlpleite in Großbritannien Jeremy Corbyn kündigt Rückzug als Labour-Chef an

Er fuhr ein extrem schlechtes Ergebnis der Labour-Partei ein. Nun kündigt Parteichef Corbyn an, sein Amt aufgeben zu wollen – allerdings nicht sofort.

Labour-Chef Jeremy Corbyn hat als Reaktion auf seine Pleite bei der britischen Parlamentswahl seinen Rückzug als Parteichef angekündigt. Er werde die Partei nicht mehr in einen weiteren Wahlkampf führen, sagte der Parteichef am frühen Freitagmorgen in London. Es sei jedoch nach der Niederlage ein Reflektionsprozess für die Partei notwendig, den er als Parteichef begleiten wolle.

Corbyns oppositionelle Sozialdemokraten verfehlten ihr Wahlziel deutlich: Nach der Auszählung von fast allen Wahlkreisen liegen sie bei 203 Sitzen im Parlament, das sind 59 weniger als bei der letzten Wahl 2017. Labour damit eines der schlechtesten Ergebnisse der jüngeren Geschichte ein und verlor die vierte Parlamentswahl in Folge gegen die Konservativen.

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Jahrzehntelang von Labour gehaltene Wahlkreise, etwa im walisischen Wrexham oder im nordenglischen Blyth Valley, gingen den Sozialdemokraten verloren und wanderten zu den Tories.

Premierminister Boris Johnson dagegen gelang bei der Wahl ein Erdrutschsieg: Seine Tories bekamen mindestens 361 Sitze im Unterhaus – ein Zuwachs von 43 Stimmen. Johnson bekommt damit eine komfortable Mehrheit im Unterhaus.

Der 70 Jahre alte Corbyn hatte bis zuletzt keine klare Haltung zum Brexit eingenommen. Er hatte den Wählern angeboten, das von Premierminister Boris Johnson mit der EU geschnürte Brexit-Paket noch einmal neu zu verhandeln. Das Ergebnis sollte dann in einem neuen Referendum dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden.

Jeremy Corbyn: „Sehr enttäuschender Abend für die Labour Partei“

Seinen eigenen Londoner Wahlkreis Islington Nord holte Corbyn allerdings souverän und zum zehnten Mal in Folge. „Dies ist offensichtlich ein sehr enttäuschender Abend für die Labour Partei“, sagte er nach seiner Wiederwahl als Abgeordneter, aber der Niederlage als Parteichef. Die von Labour in den Vordergrund gerückten Themen wie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit blieben unter Premierminister Johnson mit Sicherheit aktuell, sagte Corbyn.

Im Wahlkampf hatte Corbyn vor allem auf Themen wie Gesundheitsversorgung gesetzt – konnte damit aber nicht punkten. Die Brexit-Debatte habe alles überschattet, bekannte Corbyn.

Von Anfang an umstritten

Corbyn hatte nach der Wahlniederlage Ed Milibands und einem anschließenden Flügelstreit im Jahr 2015 den Labour-Vorsitz übernommen und die Partei anschließend stark nach links ausgerichtet. Er galt von Anfang an als umstritten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, antisemitische Tendenzen in der Labour-Partei nicht entschieden genug bekämpft zu haben.

Auch gegen ihn selbst gab es Antisemitismusvorwürfe, vor allem wegen seiner als einseitig wahrgenommenen Unterstützung palästinensischer Interessen im Nahostkonflikt. (dpa/Tsp)

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