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Michael Müller SPD kandidiert gegen Sawsan Chebli - das hätte sich anders lösen lassen. Foto: imago images/Jens Jeske
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Ramponiertes Ansehen eines SPD-Regierungschefs Michael Müller hätte sich früher als Kandidat bewerben müssen

Das Duell Müller gegen Chebli zeigt: Die Sozialdemokraten sind echte Spezialdemokraten im Demolieren eines Images. Wieder einmal. Ein Kommentar.

Man mag es kaum glauben, aber es geht immer noch schlimmer in der Berliner SPD. Also der SPD Berlin, Berlin; es gibt ja auch noch eine SPD Berlin, Bund. Da hat sich auch immer wieder etliches verschlimmert.

Doch besteht bei ihr Hoffnung. Bei der Landesvariante auch? Sagen wir so: Die Sozialdemokraten sind echte Spezialdemokraten im Demolieren eines Images, das ohnehin schon Dellen trägt.

Michael Müller voran, so leid es einem tut. Leid deshalb, weil er empfindlich auf alles reagiert, was auch nur im entferntesten als Kritik aufgefasst werden könnte.

Also, Müller: Seit 2016 ist er wieder Landesvorsitzender der SPD, dann insgesamt zwölf Jahre, seit 2014 ist er Regierender Bürgermeister, vorher war er – seit Dezember 2011 – Stadtentwicklungssenator. Außerdem ein Jahrzehnt Fraktionschef und vieles andere noch in dieser Stadt, meist verbunden mit seinem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg. So gesehen und alles in allem eine stolze Karriere. Wenn er es nur so sehen wollte.

Umgeben von Missgünstige

Er aber sieht sich umgeben von Missgünstigen. Insofern, um auf das Aktuelle zu kommen, ist es kaum zu glauben, dass er die Gegenkandidatur der Staatssekretärin für Bundesangelegenheiten, Sawsan Chebli, im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf „gelassen“ sieht. Wer’s glaubt. Müller nimmt übel. Seine Gefolgsleute aus der Senatskanzlei tun es auch; und die sind an der Spitze in ChaWi.

Das alles, weil Müller sich nicht recht entscheiden konnte, den Weg in den Bundestag offensiv anzugehen. Deshalb verlor er schon Tempelhof- Schöneberg – man stelle sich vor. Jetzt aber kann er sogar in Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Auseinandersetzung mindestens so blessiert werden, dass es wie eine Niederlage aussieht. Wenn es nicht sogar eine wird.

Früher als Kandidat bewerben

Dabei war die Verlockung Bundestag schon im vergangenen Jahr da, zu 50 Jahre Willy Brandt als Kanzler. Der war auch für Berlin im Bundestag, als Kreisvorsitzender in Wilmersdorf. Danach befragt, ob ihn das Berliner Bundesparlament reizen könne, sagte Müller auffällig nicht Nein.

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Spätestens von da an hätte er tätig werden und für sich als Kandidat werben müssen. Zumal bei der anschwellenden internen Diskussion. Hat er aber nicht. So kam in Tempelhof-Schöneberg SPD-Bundesvize Kevin Kühnert nach vorn, so kommt in Charlottenburg-Wilmersdorf Sawsan Chebli auf. Die wollte bekanntermaßen schon länger (als er) dort antreten.

Angemessenen Platz für Chebli finden

Einen angemessenen Platz für Chebli zu suchen, wäre das eine gewesen; das andere, bessere: Müller hätte sich vorher einen gesucht. Anstatt sich wieder in die alte Westberliner Seilschaft fallen zu lassen, hätte er seinen Gesamtberliner Anspruch deutlich machen können. Wie? Indem der gebürtige Westler in Marzahn-Hellersdorf kandidiert. Da ist die SPD nicht die stärkste. Gerade deshalb hätte damit Müller Haltung und Einstellung gezeigt und womöglich nicht nur Genossen imponiert.

Stattdessen ist das Ansehen eines SPD-Regierungschefs ramponiert. Das ist schlimm für die SPD Berlin und die SPD im Bund. Für Müller sowieso.

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