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„Bitte bleiben Sie daheim“: Aufforderung in Melbourne Foto: Reuters/Sandra Sanders
© Reuters/Sandra Sanders

No-Covid-Strategie in Australien „Wir wollen einen Schritt voraus sein und das Virus zerquetschen“

Australien reagiert auf einen überschaubaren Corona-Ausbruch. Wegen 19 Infektionen müssen fast sieben Millionen Menschen in einen kurzen strikten Lockdown.

Fünf Tage müssen Millionen Menschen in Melbourne und im Rest des australischen Bundesstaates Victoria zu Hause bleiben. Gerade mal fünf Neuinfektionen haben einen Lockdown ausgelöst. Doch Dan Andrews, Regierungschef von Victoria, will nichts riskieren.

Eine zweite Covid-Welle war dem Politiker im Juli entglitten und hatte einen über hundert Tage andauernden Lockdown zur Folge. „In den letzten 24 Stunden wurden dem Gesundheitsministerium fünf Fälle von Coronavirus gemeldet“, sagte Andrews am Freitag. Ein Cluster, das in einem Quarantänehotel am Flughafen ausgebrochen war, sei damit auf 19 aktive Fälle angewachsen.

Brisant sind zwei Faktoren: Zum einen ist das Hotel am Flughafen und ein Infizierter hielt sich in einem Café im Terminal auf, zum anderen handelt es sich bei dem Ausbruch um die hoch ansteckende britische Virusmutation. Es ginge darum, nicht darauf zu warten, dass das Problem sich auswachse, sagte Martin Foley, der Gesundheitsminister Victorias. „Wir wollen einen Schritt voraus sein und es zerquetschen.“ Dafür baue er auf die Unterstützung aller Bürger.

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Wie auch schon während des harschen, fast viermonatigen Lockdowns, den Melbourne von Juli bis Oktober durchstand, dürfen die Menschen ihr Haus in den kommenden fünf Tagen nur für essenzielle Tätigkeiten oder zum Sport im Freien verlassen.

Dabei sollen sich alle nicht mehr als maximal fünf Kilometer von ihrem Zuhause entfernen. Privatbesuche sind vorübergehend verboten, auch die Maskenpflicht ist zurück. Die Australian Open sollen weitergehen, allerdings ohne Zuschauer. Internationale Flüge nach Melbourne werden pausiert.

Drastische Maßnahmen

Nur Geschäfte wie Supermärkte, Apotheken und Tankstellen sind geöffnet. Laut Jennifer Westacott, Geschäftsführerin des Business Council of Australia, werde die Ausgangssperre „enorme soziale und wirtschaftliche Kosten“ mit sich bringen. Besitzer von Blumenläden, die wegen des Valentinstages am Sonntag viele Blumen bestellt hatten, zeigten sich am Boden zerstört.

Andrews betonte, man müsse so schnell reagieren, da die britische Covid-Variante so extrem ansteckend sei und sich deswegen enorm schnell ausbreite. „Das ist eine sehr reale Herausforderung für den Status, die Sicherheit, das offene Land und all das Kostbare, das wir uns im Laufe des Jahres 2020 aufgebaut haben.“

Trotz strenger Isolationsregeln für Reisende und Rückkehrer haben sich nun zum wiederholten Male Mitarbeiter in australischen Quarantänehotels mit Covid-19 angesteckt. Im vergangenen Monat musste deswegen bereits eine dreitägige Ausgangssperre für Brisbane verhängt werden. Ein ähnlicher Vorfall löste Anfang Februar einen kurzen Lockdown in Perth aus. Zuletzt wurde deswegen immer wieder über eine zentrale Quarantänestation diskutiert, wie es sie früher für Neuankömmlinge in Australien gab, um Krankheiten wie Masern, Typhus und Pocken aus dem Land fernzuhalten.

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Geschlossene Außengrenzen

Dass Australien bereits auf wenige Fälle so drastisch reagiert, hat bisher den Erfolg des fünften Kontinents in der Pandemiebekämpfung sichergestellt. Bisher zählte das Land knapp 29 000 Infektionen und etwas über 900 Tote. Neben dem schnellen Abschotten ganzer Städte und Bundesstaaten gehören auch geschlossene Außengrenzen, das Quarantäneprogramm für Rückkehrer sowie die Kontaktverfolgung zu den Strategien des Landes.

Damit die Behörden wie jetzt im Fall von Melbourne in kürzester Zeit Hunderte oder sogar Tausende Kontakte von Infizierten kontaktieren können, scannen Australier an allen Orten einen QR-Code mit der Kamera ihres Mobiltelefons ein.

Stellt sich später heraus, dass jemand, der zur selben Zeit vor Ort war, ein positives Covid-Ergebnis hat, können die Gesundheitsämter die Menschen schnell informieren, testen und isolieren. Aufgrund der bisher 19 bestätigten Fälle in Victoria müssen sich bisher etwa tausend Menschen in Melbourne in Quarantäne begeben.

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