Die Erweiterungen sind nötig, um Windenergie aus dem Norden im ganzen Land zu verteilen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
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Exklusiv Netzbetreiber und Bundesregierung Zwei weitere Höchstspannungstrassen von Nord- nach Süddeutschland geplant

Jakob Schlandt

Um Windenergie zu transportieren, müssen große neue Stromleitungen aus Norddeutschland durchs Land gebaut werden.

Die Betreiber der Höchstspannungsleitungen planen bis 2030 den Bau von zwei zusätzlichen großen Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland. Damit würde sich der Zahl der entsprechenden neuen Trassen von drei auf fünf erhöhen. Dies ist aus Sicht der Übertragungsnetzbetreiber notwendig, um dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Entwicklung des europäischen Strommarkts gerecht zu werden. Dem Fachdienst "Tagesspiegel Background Energie & Klima" liegen Dokumente aus Netzbetreiberkreisen vor, deren Inhalt am Montag der Öffentlichkeit bei der Vorstellung des „Netzentwicklungsplans 2030“ (NEP) präsentiert werden soll.

Die Leitungen haben eine Gesamtlänge von 1160 Kilometern

Demnach wird im Hauptszenario („B 2030“) vorgeschlagen, „zwei über den Bundesbedarfsplan hinausgehende“ Gleichstromverbindungen (HGÜ) mit einer Kapazität von insgesamt vier Gigawatt (GW) zu bauen. Die Leitungen mit einer „Gesamtlänge von rund 1160 Kilometern“ sollen in einem Korridor von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg verlaufen. In welcher Form im Detail die beiden neuen Leitungen auf einer gemeinsamen Trasse verlegt werden, geht aus den Unterlagen nicht hervor, die Strecken unterscheiden sich aber. So soll ein Strang von Heide/West in Schleswig-Holstein über Hamm-Uentrop (NRW) bis nach Altbach (Baden-Württemberg) verlaufen, der andere von Wilhelmshaven bis in den Süden.

Die SuedOstLink-Leitung erhält zunächst Leerrohre

Bis 2035 ist darüber hinaus noch die Verstärkung einer bereits beschlossenen Trasse geplant. Die SuedOstLink-Leitung von Ostdeutschland nach Bayern soll zunächst mit Leerrohren versehen werden und dann um zwei Gigawatt auf vier Gigawatt Kapazität ausgebaut werden. Bislang sind drei große Nord-Südtrassen geplant, die bis 2025 fertiggestellt werden sollen. Die Planung kommt aber nur zögerlich voran.

Die Leitungen sollen unter der Erde verlegt werden

Für die neuen Trassen ist eine quasi vollständige Erdverkabelung vorgesehen. Dies sei „im Sinne einer höheren Akzeptanz“, wie es in den Dokumenten heißt. Der Entwurf für den Netzentwicklungsplan wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, TransnetBW, 50Hertz und Amprion vorgelegt. Verteilnetzbetreiber, Bundesregierung und die zuständige Bundesnetzagentur waren in die Erstellung einbezogen. Mit dem zusätzlichen Netzausbau soll der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Stromverbrauch bis 2030 auf 65 Prozent gesteigert werden; zudem führen neue EU-Regeln für den Strommarkt dazu, dass mehr Elektrizität aus dem Ausland durch deutsche Netze fließt.

Die Kosten steigen auf 52 Milliarden Euro

Die Kosten für den Ausbau der Höchstspannung steigen durch das neue Vorhaben deutlich an. Statt 34 bis 36 Milliarden Euro an Kosten wie vor zwei Jahren geschätzt wird nun für das Szenario B 2030 von rund 52 Milliarden Euro ausgegangen.

Die Bundesnetzagentur wollte auf Anfrage der Vorstellung am Montag nicht vorgreifen. Ein Sprecher sagte aber Tagesspiegel Background: „Es wird zusätzlicher Netzausbau erforderlich sein, selbst bei optimaler Ausnutzung des Bestandsnetzes und Einsatz innovativer Technologien. Einzelne Maßnahmen bewerten wir, wenn uns der Netzentwicklungsplan vorgelegt wurde.“ Bundesnetzagentur und Bundeswirtschaftsministerium waren in den Vorschlagsentwurf der Netzbetreiber eingebunden.

https://background.tagesspiegel.de/energie-klima

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