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Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj Foto: Ukraine Presidency/Ukraine Presi/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa
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Nach Vorschlag Henry Kissingers Selenskyj lehnt Gebietszugeständnisse an Russland entschieden ab

Politiker und Zeitungen aus den USA sehen nur einen Ausweg aus dem Ukraine-Krieg: territoriale Zugeständnisse. Selenskyj kritisiert den Vorschlag scharf.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weist Vorschläge scharf zurück, die Regierung in Kiew solle zur Beendigung des Krieges Russland territoriale Zugeständnisse machen. "Was auch immer der russische Staat tut, es wird sich immer jemand finden, der sagt: Lasst uns seine Interessen berücksichtigen", sagt Selenskyj in einer Videoansprache am späten Abend.

Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger hatte diese Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgeschlagen, die Ukraine solle Russland die 2014 annektierte Krim überlassen. "Man hat den Eindruck, dass Herr Kissinger nicht das Jahr 2022 auf seinem Kalender stehen hat, sondern das Jahr 1938, und dass er glaubt, er spreche nicht in Davos, sondern in München zu einem Publikum von damals."

1938 schlossen Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland in München einen Pakt, der Adolf Hitler Land in der damaligen Tschechoslowakei zusprach, um ihn zum Verzicht auf weitere Gebietserweiterungen zu bewegen. "Diejenigen, die der Ukraine raten, Russland etwas zu geben, diese 'großen weltpolitischen Figuren', sehen nie die gewöhnlichen Menschen, die gewöhnlichen Ukrainer, die Millionen, die auf dem Gebiet leben, das sie für einen illusorischen Frieden eintauschen wollen."

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Ukrainische Zeitung kritisiert Konflikt-Einschätzung der "New York Times"

Auch die ukrainische Zeitung "The Kyiv Independent" weist Vorschläge zurück, dass die Ukraine "schmerzhafte territoriale Entscheidungen fällen" müsse, um den Konflikt zu beenden. Die Zeitung "The New York Times" hatte am 19. Mai einen Leitartikel veröffentlicht, in dem ein "entscheidender militärischer Sieg" der Ukraine, bei dem das Land die von Russland besetzten Territorien zurückgewinnt, als unrealistisch eingeschätzt wird.

"Als Nachrichtenredaktion, die den Krieg in der Ukraine miterlebt hat, wollen wir die Dinge richtig stellen", schreibt "The Kyiv Independent". "Der Glaube der Ukraine an ihren Sieg beruht nicht auf Selbstüberschätzung." Er beruhe auf "Notwendigkeit".

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Russische Angriffe auf über 40 Städte im Donbass

Die Kämpfe im Osten der Ukraine laufen unterdessen weiter. Russische Truppen haben nach ukrainischen Angaben mehr als vierzig Städte im Donbass angegriffen und bedrohen damit den letzten großen Fluchtweg für die Zivilbevölkerung aus dem Osten der Ukraine.

In den Regionen Donezk und Luhansk seien mehr als 47 zivile Einrichtungen zerstört oder beschädigt worden, teilten die ukrainischen Streitkräfte am Donnerstag auf Facebook mit. Darunter seien 38 Wohnhäuser und eine Schule. "Als Folge des Beschusses wurden fünf Zivilisten getötet und zwölf verletzt."

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die russischen Soldaten seien den eigenen Truppen in einigen Teilen des Ostens "zahlenmäßig weit überlegen". Russland konzentriert seine Offensive auf den Donbass, nachdem es ihm nicht gelungen ist, die ukrainische Hauptstadt Kiew oder die zweitgrößte Stadt Charkiw einzunehmen. Nun versuchen seine Truppen, den Donbass vollständig zu erobern, wo bereits seit 2014 pro-russische Separatisten die dortigen Regionen Donezk und Luhansk weitgehend unter Kontrolle haben.

Russland hat Tausende Soldaten in das Gebiet geschickt und greift von drei Seiten an. Ziel ist es, die ukrainischen Streitkräfte einzukesseln, die sich in Siewierodonezk und Lysytschansk aufhalten. Fielen die Zwillingsstädte, erhielte Russland die Kontrolle über die gesamte Region Luhansk. Für die Führung in Moskau wäre damit ein wichtiges Kriegsziel erreicht. Das ukrainische Militär teilte jedoch mit, es seien zehn Angriffe abgewehrt worden. Vier Panzer und vier Drohnen seien zerstört sowie 62 feindliche Soldaten getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich die Angaben nicht. (mit Reuters)


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