Angela Merkel und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen beim Empfang vor dem Kanzleramt. Foto: Wolfgang Kumm, AFP
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Nach Merkels Zitter-Vorfällen Wie Präsidenten mit Informationen über ihre Fitness umgehen

Bundeskanzlerin Merkel beantwortet Fragen zu ihrem Gesundheitszustand nur vage. Wie halten es Trump, Macron und Putin?

Nun sitzt sie also. Angela Merkel hat, entgegen der sonstigen Gepflogenheiten bei Staatsempfängen, am Donnerstag auf einem weißen Stuhl platzgenommen, während die Nationalhymnen von Dänemark und Deutschland ertönten. Ihre Sitznachbarin die neue Regierungschefin, Mette Frederiksen. Nach dem Abweichen vom Protokoll wird erst recht über den Gesundheitszustand der Kanzlerin spekuliert. Am Donnerstag sagte sie selbst dazu: „Sie dürfen davon ausgehen, dass ich erstens um die Verantwortung meines Amtes weiß und deshalb auch dementsprechend handele – auch was meine Gesundheit anbelangt.“ Wie andere Spitzenpolitiker mit Informationen über ihre Fitness umgehen.

Donald Trump, USA

Über Donald Trumps Geisteszustand gibt es ständig Spekulationen. Hat der US-Präsident eine gespaltene Persönlichkeit, Demenz oder Alzheimer, wird gefragt, wenn eine Rede besonders wirr klingt. Dabei hielt sein Leibarzt beim Gesundheitscheck 2018 fest, keine Bedenken mit Blick auf seine geistigen Fähigkeiten zu haben. In diesem Jahr ließ Trump, der sich selbst ein „sehr stabiles Genie“ nennt, diese jedoch nicht untersuchen. Er unterzog sich lediglich diversen körperlichen Untersuchungen, etwa der Augen, Ohren, Zähne, Organe und Blutwerte. Ergebnis: Vieles gut, aber er ist fettleibig.

Solch ein Routine-Check ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber viele Präsidenten haben ihn regelmäßig vorgenommen. Die offizielle Untersuchung, deren Ergebnis der zuständige Arzt mal mehr mal weniger umfassend veröffentlicht, hat vor allem ein Ziel: dem Volk einen leistungsfähigen Präsidenten zu präsentieren. Alles andere wäre für viele Amerikaner eine Gefahr für die nationale Sicherheit – und ein willkommenes Thema für die politischen Gegner. Nicht immer kommt dabei die volle Wahrheit ans Licht: Es gab Amtsinhaber mit Schlaganfall, Krebs, Herzinfarkt, Demenz – und die amerikanische Öffentlichkeit erfuhr erst viel später davon. Illegal sind solche Vertuschungen durch das Weiße Haus nicht. Zwar gibt es den 25. Zusatzartikel der US-Verfassung, der regelt, wie eine Präsidentschaft bei Amtsunfähigkeit vorzeitig beendet werden kann. Aber wie diese „Unfähigkeit“ genau feststellbar ist, ist unklar.

Emmanuel Macron, Frankreich

Ärztliche Untersuchungen werden in Frankreich nicht veröffentlicht. Die Gesundheit des Präsidenten ist ein Tabuthema. Diskutiert wird in der Öffentlichkeit trotzdem. Warum ist Emmanuel Macron so dünn, sieht so blass aus, fragten die Medien Ende des vergangenen Jahres, als die Krise der Gelbwesten auf dem Höhepunkt war. Er sei schrecklich gestresst, würde nicht mehr richtig essen, hieß es. Macron selbst hat nichts Preis gegeben, ebenso wenig wie seine Vorgänger.

Als François Mitterrand, von 1981 bis 1995 im Amt, in seiner zweiten Amtszeit war, wurde immer wieder über seine Gesundheit spekuliert. Es blieb ein Staatsgeheimnis. Angeblich soll er seine Nation fast seit Beginn seiner Präsidentschaft über seine Prostata-Krebserkrankung getäuscht haben. Der Elysée veröffentlichte Gesundheitsberichte, der Krebs wurde ausgelassen. Erst 1992, als eine Operation notwendig wurde, erfuhren die Franzosen davon, aber nicht, wie schwer er krank war. Er starb im Jahr 1996.

Die Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande achteten darauf, in der Öffentlichkeit fit zu wirken. Sarkozy zeigte sich regelmäßig beim Jogging oder Radfahren, und Hollande nahm vor der Wahl zum Präsidenten ab. Die französische Öffentlichkeit beobachtet aber weniger genau als die amerikanische.

Wladimir Putin, Russland

Der Gesundheitszustand des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist eine Staatsangelegenheit – über die kaum noch jemand redet. Das war anders: Viele Jahre wurde unablässig darüber spekuliert. Kaum ein Leiden, das ihm nicht angedichtet wurde. Oft war es etwas mit Krebs. Eine Krankheit Putins träfe den bürokratischen Apparat Russlands hart. Der Kreml-Chef bestimmt nicht nur die strategischen Linien der Politik. Fast täglich zeigt ihn das Fernsehen, wie er sich dem widmet, was man „Mikromanagement“ nennt. Er trifft sich mit Ministern und Regionalfürsten, um zu zeigen: Er allein hat alles im Blick und entscheidet.

Als Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor längerer Zeit nach Verlautbarungen über den Gesundheitszustand Putins gefragt wurde, antwortete der: „In unserer Gesetzgebung sind irgendwelche obligatorischen Veröffentlichungen der Angaben über den Gesundheitszustand des Präsidenten nicht vorgesehen.“

Stattdessen gibt es die inszenierten Demonstrationen von Putins robuster Körperlichkeit. Der Präsident wird beim Judo abgelichtet, oder er lässt oben ohne die Muskeln spielen. Putin spielt Eishockey, angelt, jagt, reitet, taucht. Seine Dynamik soll zeigen, dass die Zeiten der siechenden Generalsekretäre Breshnew, Androw und Tschernenko vorbei sind, wie auch die bizarren Auftritte eines Boris Jelzin.

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