Demonstranten halten vor einem Carrefour-Supermarkt ein Banner mit der Aufschrift „Schwarze Leben zählen“ hoch. Foto: Ricardo Moraes/Reuters
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Update Nach gewaltsamem Tod von Schwarzem Proteste in vielen Städten Brasiliens -Aufruf zum Boykott von Supermarktkette

Die Proteste gegen Rassismus in Brasilien dauern an. Der Anlass: Zwei Sicherheitsleute hatten einen Schwarzen in einem Supermarkt zu Tode getreten.

Nach dem Tod eines Schwarzen bei einer Prügelattacke weißer Wachmänner vor einem Carrefour-Supermarkt in Brasilien haben Demonstranten am Sonntag in mehreren Städten erneut gegen Rassismus protestiert.

In Rio de Janeiro versammelt sich rund hundert Menschen vor einem Einkaufszentrum, in dem sich eine Filiale der französischen Supermarktkette befindet, wie AFP-Journalisten berichteten. Die Demonstranten trugen Schilder mit der Aufschrift „Mörderischer Carrefour“ und „Das Leben von Schwarzen zählt“.

Auch in mehreren anderen Städten wie Salvador de Bahia und Santos kam es zu Protesten. Die Demonstranten riefen zum Boykott der Supermarktkette auf.

Der gewaltsame Tod von João Alberto Silveira Freitas hatte bereits am Freitag wütende Proteste ausgelöst und eine Rassismus-Debatte in Brasilien entfacht. Vor dem Tatort in Porto Alegre hatte sich eine kleine Gruppe von Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

Einer der Wachleute war für die Militärpolizei tätig

In São Paulo marschierten die Demonstranten zu einem Laden der betroffenen französischen Supermarktkette und schlugen mit Steinen das Schaufenster ein. Danach stürmten sie das Geschäft und verwüsteten es, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben, wie ein örtlicher Fernsehsender berichtete.

Sicherheitsleute hatten am Donnerstag einen Schwarzen in einem Supermarkt in Brasilien getötet. Deshalb verwüsteten Demonstranten den Tatort nun. Foto: Amanda Perobelli/Reuters Vergrößern
Sicherheitsleute hatten am Donnerstag einen Schwarzen in einem Supermarkt in Brasilien getötet. Deshalb verwüsteten Demonstranten den Tatort nun. © Amanda Perobelli/Reuters

João Alberto Silveira Freitas war am Donnerstagabend (Ortszeit) vor einem Supermarkt in Porto Alegre im Süden des Landes von zwei Sicherheitsmännern niedergerungen und brutal geschlagen worden. Die weißen Sicherheitsleute traten ihm dabei wiederholt auf den Kopf und ins Gesicht.

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Ein Video von der Tat verbreitete sich rasch in Online-Netzwerken und brasilianischen Medien. Durch die Schläge der zwei Wachleute verlor der 40-Jährige das Bewusstsein und starb trotz Wiederbelebungsversuchen von Sanitätern noch vor Ort.

Demonstranten setzen den Tatort, einen Supermarkt in Brasilien, in Brand. Foto: Amanda Perobelli/Reuters Vergrößern
Demonstranten setzen den Tatort, einen Supermarkt in Brasilien, in Brand. © Amanda Perobelli/Reuters

Die Militärpolizei im Bundesstaat Rio Grande do Sul erklärte, der Mann habe eine Mitarbeiterin des Supermarkts in Porto Alegre bedroht, die daraufhin den Wachschutz gerufen habe. Die zwei Wachleute wurden festgenommen. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen Militärpolizisten, der Teilzeit in dem Supermarkt arbeitete.

Verwandte und Freunde des getöteten Joao Alberto Silveira Freitas kommen auf seiner Beerdigung zusammen. Foto: SILVIO AVILA/AFP Vergrößern
Verwandte und Freunde des getöteten Joao Alberto Silveira Freitas kommen auf seiner Beerdigung zusammen. © SILVIO AVILA/AFP

Der Betreiber des Supermarktes bedauerte den Vorfall und sagte der Familie des Opfers Unterstützung zu. Die Kette kündigte an, den Vertrag mit der Sicherheitsfirma zu beenden, den Filialleiter zu suspendieren und den Supermarkt vorübergehend zu schließen. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei einem der Tatverdächtigen um einen Mitarbeiter der Militärpolizei außer Dienst.

Präsident Bolsonaro sieht kein Rassismus-Problem

Die Gewalttat ereignete sich einen Tag vor dem sogenannten Tag des Schwarzen Bewusstseins am Freitag, an dem an den Beitrag der Schwarzen zu Kultur und Identität Brasiliens erinnert wird. Allerdings ist die Diskriminierung von Schwarzen auch in dem größten Land Lateinamerikas weit verbreitet.

Brasiliens rechtsextremer Staatschef Jair Bolsonaro schrieb im Onlinedienst Twitter, ohne die tödliche Prügelattacke konkret zu nennen, Brasiliens Probleme lägen „jenseits von Rassenfragen“. Das „große Übel“ im Land sei vielmehr die „moralische, soziale und politische Korruption“.

Vizepräsident Hamilton Mourão bedauerte den Vorfall, stritt aber ab, dass Brasilien unter Rassismus leide. „Für mich existiert in Brasilien kein Rassismus“, sagte er am Freitag. „Das ist etwas, dass sie hier in Brasilien importieren wollen. Das gibt es hier nicht.“ (dpa, AFP)

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