Friedrich Merz (CDU) beim Forum Mittelstand Foto: dpa/Kay Nietfeld
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Merz und die CDU-Krise „Die Union hat nicht mehr viele Würfe frei, vielleicht nur noch einen“

Der K-Frage weicht Friedrich Merz bei einem Auftritt in Berlin aus. Doch als möglicher Retter der CDU fühlt er sich schon. Merkel sei „ein Stück Vorbild“.

Nein, Friedrich Merz erklärt sich nicht. Parteivorsitzender? Kanzlerkandidat? Kanzler? Am Donnerstagabend im Ballhaus Berlin, ein bisschen viel Plüsch und rotes Licht vielleicht für einen wie ihn, gibt sich der CDU-Mann betont verantwortungsvoll und auf die Gesamtheit der Partei hin ausgerichtet. Also sagt er nicht ja und er sagt nicht nein, auch als der Moderator – Merz scheint mitgezählt zu haben - den siebten Versuch macht, die Schlagzeile aus Merz herauszulocken.

Aber er steht bereit, so viel lässt der frühere Fraktionschef im Bundestag und spätere Manager beim Finanzgiganten Blackrock natürlich durchblicken.

Er sei kein Zauderer, betont er, er habe auch 2018 nicht gezaudert, als es um den Parteivorsitz gegangen war, weil Angela Merkel darauf verzichtet hatte.

Seine 48 Prozent damals, als Verlierer gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, nennt er „nicht das schlechteste Ergebnis“, das jetzt nachwirke. Schöner reden kann er es ja nicht.

Und weil er noch nicht ganz sicher sein kann, ob es jetzt mehr Prozente würden, geht Merz auf Nummer sicher. Es gehe in der CDU nun ganz klar um Sachthemen, sagt er den versammelten Fans, viel Junge Union darunter, dazu Mitarbeiter aus dem Bundestag. Viel Außenpolitik prägt die Rede, Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik. Da kritisiert er die Grünen, aber eher so, als ob man mit ihnen in einem produktiven Wettstreit der Ideen liege.

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Merz will „einen Beitrag leisten“

Aber natürlich liegen die Personalfragen in der Luft. Die Personalsituation sei ja durch den angekündigten Rückzug Kramp-Karrenbauers nicht besser geworden, meint er und spricht von einem „Prozess, der am Montag eruptiv begonnen hat“. Daher sei es jetzt richtig, sich einfach mal ein paar Tage Zeit zu nehmen und die Sache in Ruhe zu durchdenken. Nächste Woche habe er ein Gespräch mit AKK, und dass „zwei oder drei von uns“ nun Verantwortung übernehmen wollten, das spreche doch für die CDU.

Der bisherige Zeitplan – Parteitag im Dezember – sei allerdings über den Haufen geworfen worden, Merz spricht von einem vorgezogenen Parteitag noch vor dem Sommer, in zwölf oder sechzehn Wochen. Nun gehe es darum, dass die Partei gestärkt aus diesem Parteitag gehe, man müsse zudem sorgfältig abwägen, wie man dann in die nächste Bundestagswahl gehe. „Ich will einen Beitrag dazu leisten“, sagt Merz.

Aus solchen Sätzen kann man sich vorerst herauslesen, was man gerne hätte – sein „Umfeld“ neigt dazu, ihn schon als Parteichef und Kanzlerkandidaten zu betrachten. Aber Merz hält sich zurück. „Die Union hat nicht mehr viele Würfe frei, vielleicht nur noch einen einzigen. Und der muss sitzen.“

Will heißen: Die CDU braucht jetzt Geschlossenheit. Da muss der Ehrgeiz gezügelt werden. Es gelte, dafür zu sorgen, dass die Union zusammenbeliebt. Denn sie sei in einer „ähnlichen Gefährdungslage wie die SPD“, ohne die CSU liege die CDU gerade auch nur noch bei 22 Prozent. Sie müsse wieder authentisch werden, fügt er noch hinzu.

Lob für die Kanzlerin

Aber Merz, der sich nach seiner Niederlage gegen Angela Merkel vor vielen Jahren erst grämte und dann zurückzog, fühlt sich schon als der potenzielle Retter der CDU, deren Teamleader er sein möchte.

Kein Blick zurück im Zorn auf die vergangenen 15 Jahre, betont er. Und um das Signal noch zu verstärken, kommt sogar Lob für Merkel über seine Lippen, recht locker sogar, als Geschenk ans gegnerische Lager. Die Kanzlerin habe die Herausforderungen in der Finanzkrise doch ganz gut bestanden, sagt Merz. Und ja, er habe großen Respekt vor ihrer Nervenstärke, Uneitelkeit, Professionalität.

„Merkel ist auch ein Stück Vorbild“, der Satz klingt fast wie von Merkel selbst. Und Merz weiß natürlich, dass die Kanzlerin seit Montag in der CDU möglicherweis wieder ein bisschen wichtiger geworden ist. Ob nun als Mitspielerin im eruptiv begonnenen Prozess oder einfach nur als die Ikone, die man bis auf Weiteres zu achten und zu ehren hat.

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