Margarete Stokowski ist Autorin und Kolumnistin Foto: Gregor Fischer / dpa
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Margarete Stokowski Quarantäne für rechte Bücher?

Regina Wank
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Die Münchner Buchhandlung Lehmkuhl verkauft auch rechte und umstrittene Texte. Die Autorin Margarete Stokowski will deshalb dort keine Lesung mehr halten.

Die Schriftstellerin Margarete Stokowski, Kolumnistin bei Spiegel-Online und regelmäßige Autorin für die taz und die Zeit, hat eine Lesung bei der renommierten Münchner Buchhandlung Lehmkuhl abgesagt. Begründet hat sie die Absage später in einer Stellungnahme auf der Rowohlt-Verlagsseite damit, dass in der Buchhandlung auch rechte Texte aus dem umstrittenen Antaios-Verlag verkauft werden.

Sie halte es für „sehr falsch“, diese Titel im Angebot zu haben, gerade wenn man sich gegen Rechts engagieren wolle. Michael Lemling, der Geschäftsführer der Buchhandlung, erklärte seinerseits: „Wer sich gegen Rechts engagiert, sollte wissen, was Rechte denken und lesen, wie sie argumentieren.“ Aus diesem Grund gebe es in der Buchhandlung eine Rubrik „Neue Rechte, altes Denken“.

Klar ist: Es steht Margarete Stokowski frei, zu lesen, wo sie möchte und gegebenenfalls Lesungen abzusagen. Die Absage wirft jedoch die Frage auf, wie mit rechtem Gedankengut umgegangen werden soll. Stokowskis Argument, man dürfe rechtes Denken nicht normalisieren, indem man es in der Buchhandlung neben anderen Büchern anbietet, überzeugt nur auf den ersten Blick. Zwar lässt Lehmkuhl durch Buchverkäufe Autoren wie Alexander Gauland oder dem Antaios-Verlag Geld und Aufmerksamkeit zukommen und trägt womöglich zu einer Gewöhnung bei.

Doch kann die Alternative nicht sein, solche Texte nur in Büchereien und Archiven anzubieten, wie Margarete Stokowski vorschlägt. Zum einen gibt man den Anhängern rechten Gedankenguts, die sich ohnehin oft zensiert fühlen, nur noch mehr Munition und macht die betreffenden Werke attraktiver. Außerdem verrät diese Ansicht auch ein merkwürdiges Verständnis vom Leser: Stokowski scheint zu fürchten, dass die „Laufkundschaft“ über die Bücher stolpert und sie für gut befindet, traut ihnen aber offenbar nicht die intellektuelle Fähigkeit zu, diese Texte richtig einzuordnen.

In einer Demokratie muss man andere Meinungen, seien sie auch noch so verabscheuungswürdig, aushalten können, solange sie nicht den Gesetzen widersprechen. Das kann schmerzhaft sein. Allerdings heißt Aushalten nicht, dass man keine Haltung zeigen soll. Indem Stokowski eine Buchhandlung meidet, weil darin Texte anderer Meinung verkauft werden, zeigt sie jedoch keine Haltung, sondern verschließt die Augen vor anderen Ansichten. Schließlich ist Meinungsfreiheit auch die Freiheit der irrigen Meinung.

Margarete Stokowski ist eine furchtlose Journalistin, die sich mit ihrem Einsatz für den Feminismus regelmäßig mit unbequemen Haltungen auseinandersetzt. Gerade von ihr hätte man mehr Courage erwartet.

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