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Um für eine ausreichende Grundimmunität zu sorgen, braucht es noch deutlich mehr gehobene Daumen. Foto: Rober Solsona/dpa
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Impfverweigerer drohen Gesellschaft zu spalten Eine neue Katastrophe können wir nur gemeinsam vermeiden

Dass die Impfquote sinkt, ist schwer nachvollziehbar. Deshalb braucht es jetzt die offene, durchaus auch kontroverse Ansprache des Themas. Ein Zwischenruf.

Manchmal ist es zum Verzweifeln in diesem Land. Da gibt es Erfolge beim Impfen, gibt es die Chance, die Kinder – nicht zuletzt die, die ja auch brutal gelitten haben in der Pandemie – zu schützen, und was geschieht? Die Impfquote sinkt. Das nachzuvollziehen, fällt schon schwer. Dafür Verständnis zu haben, noch viel schwerer.

Zu Jahresbeginn war das Impfen die Rettung, da konnten es die Menschen in ihrer Mehrheit nicht erwarten, die lebensschützende Spritze zu bekommen. Inzwischen bleiben beispielsweise die Hausärzte massenhaft auf den Impfdosen sitzen.

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Dabei ist das Impfrisiko nach allen Studien weltweit vertretbar. Und ein vollständiger Impfschutz für so viele wie möglich die einzige Chance, Corona zurückzudrängen, abzuwehren und die Freiheit zu sichern. Es ist doch klar: Einen neuen Lockdown können nur wir alle gemeinsam vermeiden. Zumal er eine Katastrophe wäre für die Gesellschaft, die Wirtschaft, alle Lebensbereiche.

Und immer an die Jugend denken! Von der der Kita bis zur Uni – besonders Bildungseinrichtungen bedürfen des Schutzes. Weitere, neue und damit noch längere Einschränkungen rufen noch mehr Schäden hervor, psychisch, physisch und was die Lebenschancen betrifft. Schon jetzt übersteigen die Konsequenzen der Bildungsverluste eine Jahreswirtschaftsleistung der Bundesrepublik, mehr als 3,3 Billionen Euro.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat sich jetzt für mehr sozialen Druck ausgesprochen: Jeder Einzelne solle sich stärker mit der Frage auseinandersetzen, welche Folgen eine Impfverweigerung für die Mitmenschen hätte. Recht so. Neben einer Verbreiterung des Impfangebot – also überall dort, wo Menschen zusammenkommen, ob im Stadion oder Einkaufszentrum – braucht es die offene, durchaus auch kontroverse Ansprache des Themas.

Wenn keine Impfpflicht, dann muss das zu Sanktionen führen

Sonst kommt es noch zur Spaltung der Gesellschaft. Denn das ist, was bei den Impfbefürwortern – der Mehrheit der Bevölkerung –, als Meinung bereits grassiert: Wenn keine Impfpflicht, dann muss das zu Einschränkungen, ja Sanktionen führen.

[Zutrittsverbote und Einkommensverlust: Das droht Impfverweigerern in den einzelnen Bundesländern]

Wie diesen: Wenn die Leute meinen, Corona sei doch mehr oder weniger nur eine Erfindung, oder wenn sie denken, ihr eigenes Risiko sei größer als das Risiko für die Mitmenschen (falls die angesteckt werden, weil sich Leute nicht impfen lassen) – dann sollten die Verweigerer wenigstens die eigenen Kosten für die Behandlung tragen, erkranken sie wider Erwarten doch. Und wenn sie deshalb berufsunfähig werden, dann sollte die Gemeinschaft, die sie nicht zu schützen bereit waren, auch nicht für deren Rente aufkommen müssen.

Zu hart? Zu scharf? So groß ist der Unmut, auch die Verzweiflung über das Sinken der Einsicht wie auch der Impfquote schon, dass solche Überlegungen aufkommen. Umso wichtiger wird es, in dieser Lage Verständnis dafür zu schaffen, dass jeder Impfschutz für einen einzelnen zugleich einer für die Gesellschaft ist.

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