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Der ehemalige US-Präsident Donald Trump will noch im August zurück ins Oval Office. Foto: Mandel Ngan/AFP
© Mandel Ngan/AFP

Im August will er wieder US-Präsident sein So plant Donald Trump seine Rückkehr ins Weiße Haus

Ex-Präsident Trump bleibt dabei, dass ihm die Wahl gestohlen wurde. Und er ist überzeugt davon, die Wahlergebnisse in wichtigen Staaten bis August zu kippen.

Im August wieder US-Präsident sein und Kurznachrichten für Millionen von Menschen verbreiten: Für Donald Trump würde ein Traum in Erfüllung gehen. Ein Traum, den er seit einigen Wochen sehr intensiv verfolgt.

Zunächst erfuhr die Öffentlichkeit von seinem Plan, einen eigenen Blog zu starten – nachdem er wegen seiner Anstachelung zum Sturm auf das Kapitol und der Behauptung, ihm sei die Präsidentschaftswahl 2020 gestohlen worden, von sämtlichen wichtigen sozialen Medien verbannt wurde. Allein auf Twitter hatte er mehr als 80 Millionen Abonnenten.

Stattdessen also ein Blog auf seiner Homepage mit dem Titel „Vom Schreibtisch von Donald J. Trump“. Der Aufbau war dem von Twitter sehr ähnlich, nur wollte seine Beiträge niemand so recht lesen. Anfang Mai gestartet, ist der Blog vier Wochen später Geschichte. Das bestätigte Trumps Mitarbeiter Jason Miller auf Twitter.

Trump soll allerdings geplant haben, eine große eigene Online-Plattform aufzubauen, über die er seine Anhänger informieren kann. Schließlich sieht es so aus, als ob es wieder häufiger Berichtenswertes aus seiner Sicht geben könnte.

Vom neuesten Plan Trumps erfuhr die Öffentlichkeit Anfang Juni. Ein Plan, den er noch nicht offen ausgesprochen hat, über den aber mittlerweile mehrere Medien unter Berufung auf seriöse Quellen berichten: Trump plant, die Wahl durch Überprüfungen von Stimmzetteln doch noch zu kippen und schon im August wieder als US-Präsident eingesetzt zu werden.

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Was klingt wie ein schlechter Scherz, brachte Maggie Haberman, Journalistin der „New York Times“, als Erste ans Tageslicht. „Trump hat einer Reihe von Leuten erzählt, dass er bis August wieder eingesetzt wird“, schrieb Haberman am 1. Juni auf Twitter. Dazu verlinkte sie ein Video von CNN, auf dem Trump-Anhänger einen Putsch wie in Myanmar vorschlagen.

Doch wie kommt Trump darauf, dass es nur wenige Wochen braucht, bis der gewählte US-Präsident Joe Biden ihm das Oval Office im Weißen Haus wieder überlassen muss? Erstens: An seiner Meinung, dass seine Wahlniederlage nur auf Betrug fußen kann, hat sich nichts geändert. Zweitens: Daran, dass er nur Leute um sich scharrt, die ihn in den Verschwörungen bestärken, hat sich ebenfalls wenig geändert.

Zwar gibt es Berater Trumps, die ihn vor weiteren juristischen Schritten bewahren wollen, weil die Wahl selbst dann, wenn er jetzt noch Beweise für Unregelmäßigkeiten finden sollte, längst verloren ist. Doch Trump hat über die republikanische Verwaltung eine Firma namens „Cyber Ninjas“ beauftragt, die in Arizona Wahlzettel prüft. Genauer gesagt: in Maricopa County.

In anderen Wahlbezirken, wie Fulton County in Georgia, darf das Unternehmen zumindest Briefwahlstimmen prüfen. Arizona und Georgia sind deshalb die Herzstücke seines Plans, weil er sich davon am meisten verspricht. Und Trump glaubt offensichtlich, dass Maricopa und Fulton County die ersten Dominosteine sind, die fallen – und viele andere danach mit ihnen. So beschreibt es die „Washington Post“.

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Das wirklich Erstaunliche ist allerdings gar nicht mal Trumps Plan, sondern das Ergebnis einer CNN-Umfrage unter republikanischen Wählern: 70 Prozent glauben auch ein halbes Jahr nach der Wahl, dass Joe Biden sie nicht rechtmäßig gewonnen hat.

Zwar berichten Berater Trumps der „Washington Post“ auch, dass sie den Eindruck haben, dass Trumps Rückkehrpläne ins Oval Office unvorbereitete Träumereien sind. Doch hat Trump sogar schon ein kleines Team hinter sich versammelt, das ihm auf dem Weg helfen soll.

Dabei überrascht es nicht, dass auch das One America News Network (OAN) wieder eine Rolle spielt. Der TV-Sender samt Internetplattform ist so etwas wie der Nachfolger von „Fox News“ als Haussender Trumps. Nur ist OAN deutlich unbedeutender und hetzerischer. Eine Moderatorin, die ihre eigene Sendung bei OAN hat, Christina Bobb, gilt als eine der Hauptunterstützerinnen Trumps bei dessen Vorhaben. Sogar ein republikanischer Senator, Doug Mastriano aus Pennsylvania, steht offensiv hinter Trump.

Trump: „Die Linken haben Angst davor, was gefunden werden könnte“

Am vergangenen Montag äußerte sich Trump öffentlich zumindest zur Überprüfung der Stimmzettel. „Es wird gerade große Arbeit verrichtet, die den Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl 2020 ans Licht bringt“, sagte der Ex-Präsident der „Washington Post“ zufolge in North Carolina. „Die Linken reden über die Sicherheit von Wahlen, aber halten nicht, was sie versprechen, weil sie Angst davor haben, was gefunden werden könnte.“

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Seine Berater berichten, dass Trump in den vergangenen Tagen und Wochen alles gelesen hat, was die Überprüfung der Stimmzettel betrifft. Ob er dabei auch solche Stimmen vernimmt, die ihm den Wind aus den Segeln nehmen, ist nicht übermittelt.

Ein republikanischer Offizieller aus Trumps hoffnungsträchtigsten Wahlbezirk in Arizona, Maricopa County, sagte unlängst, dass die republikanischen Vorsitzenden des Bundesstaates allem Anschein nach wissen, dass die Betrugsvorwürfe „lächerlich“ sind. „Wir können diese verrückten Lügen nicht mehr länger dulden. Als Partei. Als Bundesstaat. Als Land“, twitterte Stephen Richer.

Die Präsidentin des Senats in Arizona, die Republikanerin Karen Fann, sagte gar, dass es bei der Neuauszählung nicht darum gehe, Bidens Sieg rückgängig machen zu wollen. Es gehe darum, Wege zu erkennen, wie die Wahlgesetze des Bundesstaates verbessert werden könnten.

Bis zum 1. Juni wurden bereits 1,2 Millionen der 2,1 Millionen Stimmzettel in Maricopa County per Hand neu ausgezählt. Seit April läuft die Mission bereits. Die Überprüfung dauere noch bis Ende Juni, gaben die „Cyber Ninjas“ bekannt.

Wann die Firma seine Ergebnisse zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung im November veröffentlicht, ist noch nicht bekannt. Trump wird also noch bis Juli warten müssen. Und dann bleiben ihm auch keine vier Wochen mehr, bis die Vorbereitungen auf die zweite Amtszeit als US-Präsident beginnen müssten – vom Einrichten der neuen Online-Plattform ganz zu schweigen.

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