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Oft wird nicht dokumentiert, welche Taten aus frauenfeindlichen Motiven begangen werden. (Photo by Daniel MIHAILESCU / AFP) Foto: Daniel Mihailescu / AFP
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Gewalt gegen Frauen „Eifersuchtsdramen“? Es ist der Frauenhass!

Noch wird nicht dokumentiert, wie viele Straftaten aus frauenfeindlichen Motiven begangen werden. Das muss sich ändern. Ein Kommentar.

Für viele Frauen ist es Alltag. Sie ertragen unerwünschte Berührungen oder Sprüche, bekommen hasserfüllte Nachrichten zugeschickt, die sie als Menschen degradieren. Oder schlimmer: Sie werden vergewaltigt, körperlich bedroht oder psychisch fertiggemacht. Sie erfahren Hass und Gewalt, weil sie Frauen sind.

Diese Erfahrung machen auch Politikerinnen. Bei einer „Spiegel“-Befragung von 64 weiblichen Abgeordneten im Bundestag haben 69 Prozent angegeben, sie hätten „frauenfeindlichen Hass“ erlebt. Die Hälfte der Befragten musste schon einmal die Bundestagsverwaltung, die Polizei oder den Staatsschutz einschalten. Damit wird frauenfeindliche Gewalt endlich einmal sichtbar.

Meist bleibt sie unsichtbar. Denn frauenfeindliche Vorfälle oder Gewalt gegen Frauen tauchen in polizeilichen Statistiken zumeist unter der Rubrik „partnerschaftliche Gewalt“ oder unter „Onlinehass“ auf. Es wird also nicht eindeutig dokumentiert, welche und wie viele Taten aus frauenfeindlichen Motiven begangen werden. Und so kann auch die Politik das Problem ignorieren.

Das muss sich ändern. Frauenfeindlichkeit findet sich als Ideologie auch in Manifesten rechter Terroristen wieder. Frauen, die Rassismus erleben, sind noch häufiger Hass und Gewalt ausgesetzt. Diese Realität in Deutschland muss besser dokumentiert werden; die Verbindungen zwischen digitaler und analoger Gewalt müssen aufgezeigt werden.

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Frauenfeindlichkeit als eigene Rubrik erfassen

Nun gibt es Bewegung. Eine parteiübergreifende Koalition von Politikerinnen fordert, dass Straftaten aus frauenfeindlichem Motiv als eigene Rubrik in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst werden. Den Stein ins Rollen hatte CSU-Digitalstaatsministerin Dorothee Bär gebracht, die SPD schloss sich an und auch die Frauen Union der CDU. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hält es „für sinnvoll“.

Sichtbar machen. Politikerinnen fordern die Aufnahme von Frauenfeindlichkeit in die polizeiliche Kriminalstatistik. Foto: imago stock&people (Archiv) Vergrößern
Sichtbar machen. Politikerinnen fordern die Aufnahme von Frauenfeindlichkeit in die polizeiliche Kriminalstatistik. © imago stock&people (Archiv)

Der Haken: Zuständig wäre das CSU-geführte Bundesinnenministerium von Horst Seehofer. In seiner Zeit als Ministerpräsident hatte die CSU 2018 einen entsprechenden Antrag der Grünen für Bayern abgelehnt. Aber in anderen Fragen hat sich Seehofer ja lernfähig erwiesen.

Was durch ein Frauenhass-Register erreicht werden kann, zeigt sich in Frankreich. Seit 2017 gilt dort Sexismus sogar als strafverschärfendes Motiv. Die Schwelle zur Anzeige ist seither gesunken: 2019 gab es laut französischem Gleichstellungsbericht 46 Prozent mehr Beschwerden wegen sexueller Belästigung als im Vorjahr. Und die Statistik zeigt klar: 87 Prozent der Opfer sexistischer Straftaten waren Frauen, 91 Prozent der erfassten Täter Männer.

Riesiges Dunkelfeld verringern

Auch hierzulande könnte eine Erfassung das riesige Dunkelfeld der Sexualdelikte verkleinern: Bislang werden nur geschätzt zehn Prozent der Taten tatsächlich angezeigt. Wirkungsvoll wäre eine Dokumentation des Motivs „Frauenfeindlichkeit“ bei Straftaten, wenn sie dazu führt, spezifischere und bessere Hilfsangebote zu schaffen. Gerade in der Coronakrise wurde sichtbar, wie unterfinanziert Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen deutschlandweit sind.

Aber auch die Medien sind gefragt. Noch zu häufig verharmlosen sie dieses Motiv – etwa wenn Morde an Frauen als „Beziehungstaten“ oder „Eifersuchtsdramen“ bezeichnet werden. Auch das hält Frauen davon ab, Anzeige zu erstatten. Dabei hat Frauenhass – viel zu oft – sogar tödliche Folgen. Statistisch stirbt jeden dritten Tag eine Frau in Deutschland durch die Gewalt ihres Partners oder Ex-Partners.

Wir müssen diese Gewalt beim Namen nennen. Macho-Gehabe, Hasskommentare oder Taten, die aus Eifersucht passieren, basieren auf einem frauenfeindlichen Weltbild. Das müssen wir durch gezieltes Erfassen sichtbar machen, um es besser zu bekämpfen.

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