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Migranten stehen an der Mole der Hafenstadt Arguineguín im Südwesten von Gran Canaria. Immer mehr Migranten wagen die Überfahrt aus Afrika auf die Kanaren. Foto: Manuel Navarro/dpa
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Flucht aus Westafrika Immer mehr Flüchtlinge erreichen die Kanaren

Die Kanarischen Inseln sind ein neuer Hotspot für Geflüchtete. Spaniens Regierung will dort jetzt Notlager einrichten.

Nahezu im Stundentakt landen die Boote auf den Kanaren. Allein im Oktober und November wurden dort mehr als 12.000 Geflüchtete und Migranten registriert. Zuweilen drängelten sich mehr als 2000 Schutzsuchende gleichzeitig auf dem Kai des Hafens Arguineguín im Süden Gran Canarias. Dort müssen sie oftmals tagelang wie Vieh zusammengepfercht unter freiem Himmel ausharren, weil das Rote Kreuz und die Behörden mit der Erstversorgung überfordert sind.

Nach heftigem Protest der Inselbevölkerung und von Menschenrechtsgruppen gegen den „Hafen der Schande“ versprach Spaniens Regierung nun Abhilfe: Migrationsminister José Luis Escriva sagte zu, bis Ende des Jahres 7000 provisorische Notunterkünfte auf den Kanarischen Inseln zu schaffen. Sie sollen vor allem in leerstehenden Militärkasernen eingerichtet werden und den Ankommenden eine würdige Unterbringung garantieren.

Eine der größten Aufnahmeeinrichtungen wird auf Teneriffa entstehen. Dort ist zum Beispiel in dem Ort El Rosario, nicht weit von der Inselhauptstadt Santa Cruz entfernt, ein riesiges Zeltcamp mit 1500 Schlafplätzen geplant. Weitere Notlager sollen auf Gran Canaria und Fuerteventura installiert werden.

Regierung plant keine Überführung auf das Festland

Doch eine andere Forderung schmetterte die spanische Regierung ab. Es werde keine Überführung der gestrandeten Migranten auf das Festland geben, signalisierte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Stattdessen sollen die Migranten auf den Inseln bleiben, bis über ihr Schicksal entschieden ist. Das diene auch der Abschreckung, ließ der Minister durchblicken. Es müsse vermieden werden, „dass sich Wege der illegalen Einreise nach Europa etablieren“.

Für viele Bootsmigranten könnten die Kanaren somit zur Endstation werden. Denn die meisten Ankommenden stammen derzeit aus Marokko und können nicht mit der Anerkennung als politische Flüchtlinge rechnen, sie gelten als Wirtschaftsflüchtlinge. Ihnen droht die Abschiebung. In Marokko haben die jungen Leute immer weniger Perspektiven, weil Corona die ohnehin schon andauernde wirtschaftliche Krise weiter vertieft. Der Tourismus, die wichtigste Einnahmequelle, steht auch in dem nordafrikanischen Land still.

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"Last der Migration solidarisch zu verteilen"

„Neun von zehn Menschen, die wir derzeit aufnehmen, werden in ihre Heimatländer zurückkehren müssen“, kündigte Migrationsminister Escriva an. Das ist leichter gesagt als getan. Mit Marokko und anderen westafrikanischen Herkunftsländern wie Senegal bestehen zwar Rückführungsabkommen. Wegen der Corona-Pandemie, die sich auch in Afrika ausbreitet, sind die Abschiebungen jedoch ausgesetzt. Escriva: „Die Grenzen sind wegen Covid geschlossen.“

Die Perspektive, dass tausende Migranten nun monatelang in Lagern festsitzen, heizt die sozialen Spannungen auf den Kanaren an. Die Situation erinnert zunehmend an die Krise auf der griechischen Insel Lesbos. „Wir werden nicht akzeptieren, dass sich die Kanaren in ein Gefängnis verwandeln“, sagt Luis Campos, Sprecher der einflussreichen Inselpartei „Nueva Canarias“. Der regionale Regierungschef der Inseln, der Sozialist Ángel Víctor Torres, unterstützt den Protest, der in der Bevölkerung immer lauter wird. Torres fordert, dass Brüssel eingreift: „Die EU hat die Pflicht, die Last der Migration solidarisch zu verteilen.“ Die Kanaren könnten diese Krise nicht alleine meistern.

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