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Tanks von Colonial Pipeline stehen in Woodbridge in New Jersey. Foto: dpa/Seth Wenig
© dpa/Seth Wenig

„Es ist mir nicht leicht gefallen“ Colonial Pipeline-Chef räumt Lösegeldzahlung in Millionenhöhe an Hacker ein

Nach dem Hackerangriff stand die größte Benzin-Pipeline in den USA für Tage still. Es kam zu zahlreichen Panik-Käufe von Autofahrern.

Der Betreiber der größten US-Benzin-Pipeline Colonial hat erstmals öffentlich eine millionenschwere Lösegeldzahlung an Computer-Hacker eingeräumt. Er habe die Zahlung in Höhe von 4,4 Millionen Dollar (3,6 Mio Euro) autorisiert, sagte Colonial-Chef Joseph Blount dem „Wall Street Journal“ (Mittwoch). „Ich weiß, dass es eine hochkontroverse Entscheidung war.“

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Die Colonial Pipeline war vor rund eineinhalb Wochen Ziel eines Angriffs mit einem Erpressungstrojaner geworden. Die vom Volumen her größte Pipeline der USA, die von Houston im Bundesstaat Texas bis in den Großraum New York führt, wurde deswegen vorübergehend stillgelegt.

Durch die Pipeline laufen etwa 45 Prozent aller an der US-Ostküste verbrauchten Kraftstoffe. Das führte zu Benzin-Versorgungsengpässen im Osten der USA, die durch Panik-Käufe zahlreicher Autofahrer noch verschlimmert wurden. Inzwischen wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Das Unternehmen sei sich über das Ausmaß der verursachten Systemschäden unsicher gewesen und habe nicht einschätzen können, wie lange es dauern würde, bis die Pipeline wieder ans Netz gehen könne. Die Lösegeldzahlung sei deshalb im Interesse des Landes richtig gewesen. „Es ist mir nicht leicht gefallen“, erklärte Blount.

Lösegeldzahlung in der Digitalwährung Bitcoin

Er habe die Entscheidung zur Lösegeld-Zahlung nicht „leichtfertig“ getroffen, betonte der Colonial-Pipeline-Chef: „Ich gebe zu, dass ich mich nicht gut dabei fühlte zu sehen, dass Geld an solche Leute geht.“

Die Lösegeldzahlung erfolgte nach Informationen des „Wall Street Journal“ am 7. Mai in der Digitalwährung Bitcoin. Die im Gegenzug von den Hackern bereitgestellten Entschlüsselungs-Tools hätten jedoch nicht ausgereicht, um das System wieder voll herzustellen. US-Behörden raten Unternehmen dringend davon ab, Lösegeld zu zahlen, um Cyber-Kriminellen keine Anreize für Erpressungen zu bieten.

Die US-Behörden haben die Hackergruppe Darkside für den Cyberangriff verantwortlich gemacht. Die Angreifer nutzten eine sogenannte Ransomware, mit der Computersysteme gesperrt oder verschlüsselt werden, um von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen. (dpa, AFP)

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