Alles wie gehabt. Das kleine, aber reiche Land am Golf lässt sich bisher vom Embargo einiger arabischer Staaten nicht sonderlich beeindrucken. Foto: Karim Jaafar/AFP
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Embargo gegen das Emirat Katars Außenminister: "Wir werden uns nicht unterwerfen"

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Ein Gespräch mit Mohammed bin Abdulrahman al Thani über die Blockade gegen sein Land, Saudi-Arabiens Machtkampf mit dem Iran und mangelnde Weisheit.

Herr Außenminister, seit mehreren Monaten ist Katar durch ein Embargo Saudi-Arabiens fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Wie kommt Ihr Land mit der Situation zurecht?

Wir sind gar nicht komplett isoliert! Nur vier Staaten haben eine Blockade verhängt: Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Ägypten. Sie verlangen, dass wir uns ihrem Willen unterwerfen und kapitulieren. Doch das wird nicht passieren.

Die Blockade zeigt keine Wirkung?

Ökonomisch fällt dieser illegale Schritt nicht sonderlich ins Gewicht. Wirtschaftlich geht es mit Katar sogar wieder bergauf, wir können die Bevölkerung problemlos versorgen. Es gibt keine Engpässe. Was uns allerdings sehr große Sorgen macht, sind die humanitären Folgen. Tausende Familien sind durch die geschlossenen Grenzen auseinandergerissen worden. Viele Menschen haben deshalb keine Einkünfte mehr oder können nicht studieren. Das trifft nicht nur uns, sondern auch jene Länder, die das Embargo beschlossen haben. Und, nicht zu vergessen: Die Blockade hat erhebliche Folgen für die Sicherheit und Stabilität in der Region.

Inwiefern?

Der Golfkooperationsrat soll eigentlich dazu dienen, die kollektive Sicherheit zu gewährleisten. Aber wenn mit Katar ein wichtiges Mitglied isoliert wird, kann das nicht richtig funktionieren. Dabei müsste doch ein möglichst effektiver Kampf gegen den Terrorismus im Vordergrund stehen. Die Maßnahmen, die gegen mein Land ergriffen wurden, stellen dieses Vorhaben allerdings ernsthaft infrage.

Wie das?

In Katar befindet sich der größte US-Militärstützpunkt der Region: die Luftwaffenbasis Al Udeid mit mehr als 12000 stationierten US-Soldaten. Durch die Blockade ist es logistisch sehr viel schwieriger geworden, die Truppe mit Notwendigem zu versorgen und den Nachschub zu organisieren. Das erschwert die Arbeit der internationalen Anti-Terror-Allianz erheblich.

Mohammed bin Abdulrahman al Thani (37) ist seit Anfang 2016 Katars Chefdiplomat. Foto:Karim Jaafar/AFP
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Das Herrscherhaus in Riad und andere arabische Staaten werfen Katar vor, militante islamistische Gruppen wie die Muslimbruderschaft oder die Hamas zu unterstützen. Wie gehen Sie mit den Anschuldigungen um?

Diese Vorwürfe sind nur ein billiger Vorwand, um Katar auf Linie zu bringen. So wollen Saudi-Arabien und die anderen Boykotteure sich beim Westen und den USA einschmeicheln. Es gibt aber bisher nicht einen einzigen Beweis für diese Lügen und Unterstellungen. Und unsere Verbündeten wissen das ganz genau.

Sigmar Gabriel hat frühzeitig für Katar Partei ergriffen und erst vor wenigen Tagen Saudi-Arabien gefährliches „Abenteurertum“ in der Region vorgeworfen. Hat Deutschlands Chefdiplomat recht?

Gabriel hat sich nicht auf Katars Seite gestellt, sondern schlicht von Anfang an klargemacht, dass gegen mein Land illegale Maßnahmen ergriffen wurden. Dafür sind wir dankbar. Übrigens: Viele andere Regierungen sehen das genauso. Und sie sind wegen der möglichen Folgen beunruhigt. Das hat auch US-Außenminister Rex Tillerson betont.

Warum geht Saudi-Arabien so hart gegen Katar vor und greift jetzt in Libanons innere Angelegenheiten ein?

Wir werden gerade Zeugen eines Machtkampfes. Es geht darum, Krisen zu schüren, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Das Gefährliche daran: Es gibt offenkundig keine vernünftige Exit-Strategie. Das gilt für den Jemen-Konflikt ebenso wie für den um Katar und jetzt im Libanon. Und all diese Krisen bedrohen die Stabilität in der gesamten arabischen Welt.

Kommentatoren erklären Saudi-Arabiens rigiden außenpolitischen Kurs mit der Furcht vor dem wachsenden Einfluss des Iran. Sieht Katar das auch so?

Iran und Saudi-Arabien sind einflussreiche Mächte in der Region. Deshalb kann niemandem an einer weiteren Eskalation gelegen sein. Es gibt keine andere Lösung als den Dialog. Wir müssen kommunizieren, auch wenn die Interessen ganz unterschiedlich sind. Anderenfalls droht das Ganze, völlig aus dem Ruder zu laufen.

Wie gefährlich ist der Kampf zwischen den Rivalen Riad und Teheran um die Vormachtstellung in der arabischen Welt?

Sehr gefährlich! Denn es mangelt an Weisheit. Die Abwesenheit dieser Tugend ist wiederum das perfekte Umfeld für Terrorismus und Extremismus. Wollen wir das? Sicherlich nicht. Wer Krisen lösen will, braucht eine kluge, eine pragmatische Herangehensweise.

Das Gespräch führte Christian Böhme.

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