Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Wartende an einem Impfzentrum in München (am 28.11.2021) Foto: dpa/Sven Hoppe
© dpa/Sven Hoppe

Ein Jahr Impfkampagne in Deutschland Langsamer Start – aber viel Tempo beim Boostern

Die Impfquote ist insgesamt zu gering. Ist die Impfkampagne deshalb ein Misserfolg? Die wichtigsten Zahlen und Daten im Überblick.

Olaf Scholz hat die Impfkampagne zur Chefsache gemacht – wie seine Vorgängerin, aber mit noch mehr Nachdruck. Schon als Regierungschef in spe hat er im November ein Ziel von 30 Millionen Impfungen bis Jahresende formuliert. Später dann, nach der Runde mit den Ministerpräsidenten am 21.Dezember, gab er als Marke aus, bis 7. Januar eine Erstimpfquote von 80 Prozent zu erreichen. Offenkundig will der neue Bundeskanzler mit dieser Methode Schwung in das Impfen bringen.

Nur ist es mit der Zielerfüllung immer so eine Sache. Beim 30-Millionen-Projekt variierte Scholz seine Erwartungen – erst meinte er nur Booster-Impfungen, Mitte Dezember dann alle, konnte aber kurz vor Weihnachten das Zieldatum vorziehen auf die Festtage. Am zweiten Weihnachtstag meldete Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dann: Ziel erfüllt.

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Der 7. Januar als angepeilte Marke beim zweiten Vorhaben ist dagegen nicht zu halten: Jetzt soll Ende Januar die Erstimpfungsquote bei 80 Prozent liegen. Nur zwei Länder haben das schon geschafft: Bremen und das Saarland. Hamburg liegt kurz davor. Bundesweit sind 73,9 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft.

Schlusslicht in allen drei Disziplinen – Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfung – ist Sachsen. Die regionalen Unterschiede sind beträchtlich – siehe Karte. Die Ost-Länder hinken durchweg hinterher. Dabei begann die Impfkampagne vor einem Jahr medienwirksam dort: In Halberstadt in Sachsen- Anhalt bekam am 26. Dezember 2020 Edith Kwoizalla die allererste Spritze – demnächst will sich die mittlerweile 102-Jährige eine Auffrischungsimpfung geben lassen. Es ging vor einem Jahr vor allem darum, Heimbewohner schnell zu schützen.

Durchwachsene Bilanz nach einem Jahr

Ein Jahr später ist die Bilanz der Impfkampagne durchwachsen. Die Erstimpfungsquote gilt mittlerweile, schon vor dem Auftreten der Omikron-Variante, als zu gering, um die Pandemie zu stoppen. 70 Prozent lautete eine frühe Marke, nun liegt sie deutlich höher. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte der Deutschen Presse- Agentur am Montag eine Quote von „deutlich über 90 Prozent“ bei den Erwachsenen als Voraussetzung, um „perspektivisch mit der Pandemie klarzukommen“. Von den gut 69 Millionen Deutschen über 18 Jahren haben laut Robert-Koch-Institut (RKI) 81,5 Prozent den Schutz einer doppelten Impfung. Über alle Altersgruppen hinweg sind es 70,8 Prozent.

Die Kampagne startete langsam, es fehlte zu Beginn der Impfstoff. Das Präparat von Biontech war gerade erst zugelassen, die Wirkstoffe von Moderna und Astrazeneca folgten im Januar. Die Marke von einer Million Impfungen war am 14. Januar erreicht, also nach knapp drei Wochen. Dann zog das Tempo an, vor allem nach Ostern, als die Hausärzte in das Impfen einbezogen wurden. Mehr als 35.000 Praxen waren nun Teil der Kampagne. Mobile Impfteams waren von Beginn an Teil der Lösung.

Von April bis Juni lagen die täglichen Impfzahlen fast immer im hohen dreistelligen Bereich, der lange gültige Rekordwert wurde am 12. Mai mit 1,4 Millionen Impfungen erreicht. Diese Marke wurde erst in der Booster-Phase überboten: Am 15. Dezember konnten 1,6 Millionen Impfungen verabreicht werden.

Stets mehr Vorrat als Bedarf

Zuletzt hat es Streit gegeben zwischen Lauterbach und seinem Vorgänger Jens Spahn: Sind zu wenige Impfstoffe bestellt worden? Im ersten Jahr der Impfkampagne gab es zumindest bundesweit keinen Mangel. Nach den Daten des RKI lag die Zahl der gelieferten Dosen stets über der Zahl der Impfungen. Bis dato sind demnach 89 Prozent der insgesamt gelieferten 164,3 Millionen Impfdosen verimpft worden. Knapp 120 Millionen davon stammten von Biontech, 26 Millionen von Moderna, der Rest entfällt auf Astrazeneca und Johnson & Johnson.

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Ein massiver Erfolg ist zweifellos das Boostern. Erstmals wurde im September das Auffrischen des Impfschutzes in Pflegeheimen angeboten. 30 Millionen Personen (36 Prozent der Bevölkerung) haben nun binnen weniger Wochen die dritte Impfung erhalten – es zeigt, wie stark die Impfkampagne bei der Mehrheit der Bevölkerung angenommen wird. Die Impfzentren spielen nun auch wieder eine größere Rolle – in manchen Ländern (nicht in Berlin) waren sie zwischenzeitlich geschlossen worden.

Bund und Länder hatten beschlossen, die Impfkampagne über die Feiertage nicht zu unterbrechen. Die Zuspruch war nicht riesig, aber immerhin 174.000 Impfungen kamen an Heiligabend und den Weihnachtstagen zusammen.

Schwere Nebenwirkungen sehr selten

Bei Impfgegnern spielen Nebenwirkungen der Impfungen eine große Rolle. Allerdings weist das für Impfstoffbewertungen zuständige Paul-Ehrlich-Institut in einer Datensammlung für die ersten elf Monate der Impfkampagne darauf hin, dass schwerwiegende Nebenwirkungen „sehr selten“ seien. Die Rate liegt bei 0,02 Prozent. Die Quote für alle, also auch leichtere Verdachtsfälle: 0,16 Prozent.

Zu den sehr seltenen schwerwiegenden Reaktionen gehören Entzündungen am Herzen, allergische Reaktionen oder Thrombosen. Die Melderaten für Verdachtsfälle bei den eingesetzten Impfstoffen unterscheiden sich leicht: Sie reichen von 0,12 Prozent beim Biontech-Präparat bis zu 0,36 Prozent beim Mittel von Astrazeneca.

In 1919 Verdachtsfällen mit Nebenwirkungen wurde über einen tödlichen Ausgang berichtet, teils Monate später. Die Quote liegt damit bei 0,002 Prozent. Das Paul-Ehrlich-Institut sieht in nur 78 Fällen einen „ursächlichen Zusammenhang“ mit der Impfung als möglich oder wahrscheinlich an. Es gebe damit „kein Risikosignal für eine erhöhte Sterblichkeit“ bei allen Impfstoffen.

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