Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Deutschland hinkt dem ursprünglichen Impfplan hinterher. Foto: Sergio Perez/REUTERS
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Deutschlands löchriger Impfplan 300 Millionen Dosen versprochen – und wie viele kommen an?

Vollmundig klingen die Ankündigungen der Bundesregierung über die Menge der Impfdosen. Doch Lieferprobleme gibt es nicht nur bei AstraZeneca.

Und „wusch“ – da sind es plötzlich viele Millionen Impfdosen weniger: Der Hersteller Astrazeneca, auf dem insbesondere in Deutschland große Hoffnungen ruhen, wird im ersten Quartal nun nur noch 31 Millionen Dosen an die 27 EU-Staaten liefen. Dabei waren bis zum Sommer eigentlich 80 Millionen geplant. Der Grund für die Verzögerung? Probleme in der europäischen Lieferkette.

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Auch bei Biontech/Pfizer läuft es nicht so wie geplant. Vergangene Woche kündigte das Unternehmen an, dass ab Ende Januar zunächst weniger Dosen geliefert werden könnten als ursprünglich vereinbart. Der Grund für die Verzögerung? Eine Produktionsumstellung.

So hinkt Deutschland dem ursprünglichen Impfplan hinterher. Laut dem interaktiven Impfrechner des Tagesspiegel haben mit Stand 24. Januar 2021 gerade einmal rund 1,9 Prozent der Bevölkerung eine Corona-Impfdosis erhalten. Dabei sind zwei Impfdosen pro Person nötig. Bleibt es bei der aktuellen Impfrate, würde es noch mehr als vier Jahre dauern, bis alle Personen in Deutschland geimpft wären.

Trotzdem verspricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass das Impfangebot Zug und Zug verlässlicher und besser werde. Er geht auch weiterhin davon aus, dass bereits im Sommer allen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden kann. „Denn wir haben genug, mehr als genug Impfstoff bestellt, und zwar nicht nur von einem, sondern gleich von mehreren Herstellern.“

Die Hoffnungen in Berlin sehen so aus:

  • AstraZeneca: 56 Millionen Dosen über die EU
  • Biontech/Pfizer: mindestens 60 Millionen Dosen über die EU sowie eine Option auf weitere 30 Millionen Dosen national
  • Moderna: 50,5 Millionen Dosen über die EU, zusätzlich wird hier über weitere Dosen national verhandelt

Zu diesen knapp 200 Millionen Dosen sollen noch einmal rund 100 Millionen Dosen von Johnson&Johnson sowie von CureVac kommen. Das Problem: Die Unternehmen haben noch nicht einmal eine Zulassung beantragt.

Und so lässt sich ungeachtet vollmundiger Ankündigungen für die kommenden Monate tatsächlich gar nicht so einfach sagen, wann genau wieviel Impfdosen nach Deutschland kommen werden. Lapidar heißt es, die Bundesregierung bemühe sich „auf mehreren Ebenen darum, die Verfügbarkeit der Impfstoffe auch kurzfristig zu erhöhen.“

Klar ist indes, dass Spahn aktuell mit diesen Impf-Großbaustellen zu kämpfen hat:

  • Von AstraZeneca soll Deutschland bis Ende Februar mindestens drei Millionen Impfdosen erhalten. Was die Lieferkettenprobleme für diese Mengen bedeuten? Völlig unklar.
  • Von Biontech/Pfizer wird für das gesamte erste Quartal mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen gerechnet. Was die Produktionsumstellung für diese Mengen bedeuten? Diese Woche werden knapp 180.000 Dosen weniger geliefert, ab Anfang Februar dann zunächst zwei Prozent mehr als geplant, dann elf Prozent mehr und ab dem 22. Februar mit gut 900.000 gleich 36 Prozent mehr. Aber: Die Hersteller haben – anders als bislang öffentlich von Spahn kommuniziert – bislang keine festen Zusagen gemacht, 30 Millionen zusätzliche Impfdosen zu liefern. Es gibt nur Vorverträge.
  • Von Moderna schließlich soll Deutschland im ersten Quartal voraussichtlich knapp zwei Millionen Dosen erhalten. Und wie viele sind es bisher? Mitte Januar waren gerade einmal 60.000 Dosen des Corona-Impfstoffs hierzulande angekommen.

Unter dem Strich bleiben die Zahlen des Robert-Koch-Instituts: Demnach sind bis zum 25. Januar rund 1,9 Millionen Dosen verschiedener Mittel verimpft worden.

Diese Zahlen stehen im krassen Gegensatz zu den offiziellen Ankündigungen der Bundesregierung. Die verweist bislang auf die Anzahl von Dosen, die Deutschland aus den Verträgen der EU erhält und den Impfstoffdosen, die mit deutschen Herstellern vereinbart seien. Auf der Website wird behauptet: „Wenn alle Impfstoff-Kandidaten zugelassen werden sollten, erhält Deutschland voraussichtlich insgesamt 300 Millionen Dosen.“

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