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Wie sehr leiden die Menschen?

Der IS in Syrien und Irak Offensive der Dschihadisten: Über alle Grenzen

Angst, Schrecken und Not: Das sind die täglichen Begleiter für all jene, die versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Schon während der Schlacht um Ramadi waren Zehntausende aus der Region geflohen. Nach der Einnahme der Stadt haben nochmals schätzungsweise 25.000 Menschen – vor allem Frauen, Kinder und Ältere – ihr Zuhause verlassen. Viele müssen Hilfsorganisationen zufolge unter freiem Himmel auf der Erde schlafen, haben weder ausreichend Nahrung noch Trinkwasser und sind dennoch oft gezwungen, kilometerweit zu marschieren. Das Welternährungsprogramm der UN (WFP) stellt nach eigenen Angaben für tausende Familien Lebensmittel bereit - auch in Form von verzehrfertigen Dreitagesrationen.

Die Lage sei sehr kritisch, heißt es bei den Vereinten Nationen. Nicht zuletzt, weil den Schutzsuchenden anscheinend der Weg vor allem nach Bagdad oft versperrt wird. Die Sunniten werfen der Zentralregierung vor, die Menschen dürften nicht den Euphrat überqueren. Offenbar befürchtet Bagdad, unter die Flüchtlinge könnten sich IS-Kämpfer gemischt haben, um unbemerkt in die irakische Hauptstadt zu gelangen. Im gesamten Land sind inzwischen drei Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit dem irakischen Bürgerkrieg 2006 und 2007 nicht mehr.

Im benachbarten Syrien ist die Lage der Zivilisten noch verzweifelter. Zwischen elf und zwölf Millionen Menschen sind dort schätzungsweise auf der Flucht und somit dringend auf Hilfe angewiesen. Etwa vier Millionen Frauen, Kinder und Männer haben mittlerweile Zuflucht in den Anrainerstaaten gefunden.

Im Bürgerkriegsland selbst mangelt es vor allem an Lebensmitteln und Trinkwasser. Das einst gut funktionierende Gesundheitswesen ist weitgehend zusammengebrochen. Nur ein kleiner Teil der Kinder kann zur Schule gehen. Und: Wer flieht, kann keineswegs darauf vertrauen, dass er tatsächlich Schutz findet. Viele Menschen mussten sich bereits mehrfach eine neue provisorische Bleibe suchen – weil die Orte der Kämpfe ständig wechseln.

Welchen Rückhalt hat der IS?

Ideologisch ist die Attraktivität der Extremisten-Truppe fast ungebrochen, die sich parallel zu ihrem sogenannten Kalifat in Syrien und Irak inzwischen zu einem transnationalen Terrorimperium entwickelt. Nach Schätzungen der EU kämpfen 6000 Europäer in den Reihen der Dschihadisten, darunter auch mindestens 25 Ex-Bundeswehrsoldaten. Aus den arabischen Staaten stammen 15.000 Kämpfer, die größten Kontingente aus Tunesien, Saudi-Arabien und Marokko. Allein 3000 Tunesier zogen in den vergangenen Monaten nach Mesopotamien. 12.500 IS-Anhänger konnte die Polizei des kleinen Mittelmeer-Anrainers nach eigenen Angaben an der Ausreise hindern.

Geworben werden die "Gotteskrieger" vor allem im Internet und in Moscheen. Nach einer Studie der renommierten Brookings Institution verfügt der "Islamische Staat" über 46.000 bis 70.000 Twitterkonten, die jeweils im Durchschnitt 1000 Follower haben.

Wie groß ist der Einfluss des IS auf die internationale Terrorszene?

Mehr als ein Dutzend Terrorbrigaden haben dem "Kalifen" Abu Bakr al Baghdadi inzwischen die Treue geschworen, darunter Gruppen in Libyen, Tunesien, Ägypten und Jordanien sowie jüngst im Jemen. In der Hauptstadt Sanaa bekannte sich eine "Grüne Brigade" zu den beiden verheerenden Selbstmordanschlägen auf zwei Huthi-Moscheen, bei denen im März 142 Menschen getötet wurden.

Auch in Afrika und Asien beginnen sich erste IS-Ableger zu etablieren – Boko Haram in Nigeria, das "Emirat Kaukasus", Abu Sayyaf auf den Philippinen sowie das "Emirat Khurasan", wie Teile von Afghanistan, Pakistan und Zentralasien historisch genannt wurden. Selbst die gefürchteten Schahab-Milizen in Somalia debattieren darüber, ob sie von Al Qaida zum IS wechseln sollten. "Alle Muslime müssen sich gegen den Feind zusammenschließen", erklärte ein Kommandeur. "Darum wären wir überglücklich, wenn wir unsere Kräfte bündeln könnten, um noch härter zuzuschlagen."

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