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Auf die Wäscheleine? Die Politik debattiert zurzeit über ein Ende der Maskenpflicht. Foto: imago images/photonews.at
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Debatte über Mund-Nasenschutz-Tragepflicht Können die Masken wirklich schon weg?

Die Politik diskutiert über das Ende der Maskenpflicht. Sind Masken bei niedrigen Inzidenzen noch sinnvoll – und wo sollte man nicht auf sie verzichten?

Sie ist zum Symbol der Coronakrise geworden: die Maske. Schutz und zugleich ständige Erinnerung an die Gefahr. Mit sinkenden Inzidenzen werden nun aber die Rufe nach einer Abschaffung der Maskenpflicht lauter.

Zahlreiche Politiker meldeten sich in den vergangenen Tagen zu Wort. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) rief die Länder dazu auf, die Verhältnismäßigkeit der Maskenpflicht zu prüfen – auch für die Schulen. FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderte ein Ende der Pflicht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürwortet eine schrittweise Aufhebung – zunächst könne die Pflicht im Freien grundsätzlich entfallen.

Gesundheitsexperten wie der SPD-Politiker Karl Lauterbach warnen allerdings vor zu viel Leichtsinn: Bis mindestens 70 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft seien, sei in Innenräumen die Maskenpflicht weiter sinnvoll. Die Debatte dürfte in den kommenden Tagen noch an Fahrt aufnehmen.

Was spricht für das Maskentragen?

Masken sind ein Teil der Strategie zur Vermeidung einer Sars-CoV-2-Übertragung. Der einfache Mund-Nasen-Schutz hält bei richtiger Anwendung vor allem Keime des Trägers zurück und schützt so andere Personen. Zertifizierte und sachgemäß enganliegend getragene FFP-2-Masken reduzieren die Zahl der Keime im Vergleich zur Umgebungsluft massiv. Sie bieten so zwar keinen kompletten, aber einen signifikanten Schutz vor Ansteckung und Erkrankung. Der infektionsvermeidende Effekt potenziert sich, wenn Masken – sachgerecht – von allen in einem Raum Anwesenden getragen werden.

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Zur Effektivität gibt es detaillierte wissenschaftliche Daten. Aber auch die Tatsache, dass viele Personen, die sicher oder wahrscheinlich mit infektiösen Personen eng zusammengekommen sind, oft nicht erkrankten und auch oft keine Zeichen einer Infektion vorweisen – Verkaufs- oder Gesundheitspersonal etwa – unterstreicht diese.

Wie sinnvoll sind Masken im Freien?

Hier sind zwei Situationen zu unterscheiden: Wer sich normal auf der Straße, im Park oder dergleichen bewegt, hat, so zeigte es etwa schon eine sehr frühe Studie aus China, auch ohne Maske ein sehr geringes Infektionsrisiko. Er oder sie senkt es aber mit Maske weiter. Wenn Personen dagegen eng und auch über längere Zeit zusammenkommen, steigt auch im Freien die Infektionswahrscheinlichkeit.

Ein Beispiel ist eine Feier im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington am 26. September 2021, nach welcher bei den Anwesenden zahlreiche Infektionen festgestellt wurden. Maskentragen wird in solchen Situationen also auch im Freien sinnvoller. Infektiösere Varianten des Virus sind ebenfalls ein Faktor. Hier sind im Mittel weniger Virenpartikel für eine Infektion notwendig als bei der ursprünglichen Variante. In manchen Situationen kann dies dann bedeuten, dass die Verdünnung der Viren an der freien Luft nicht mehr ausreicht.

Wo kann eine Aufrechterhaltung der Maskenpflicht auch bei niedrigen Inzidenzen sinnvoll sein?

In schlecht oder nicht zu lüftenden Räumen kann eine einzelne infizierte Person – besonders, wenn sie keine Maske trägt und besonders, wenn sie mit einer stark infektiösen Variante infiziert ist – alle anderen Anwesenden bedeutsam gefährden.

Der Grund hierfür ist, dass die Virenpartikel als Aerosole lange in der Luft verbleiben und sich im Raum verbreiten können. Auch in Räumen, in denen sich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Infizierte aufhalten– entsprechende Ambulanzen etwa – könnte eine Aufrechterhaltung der Maskenpflicht sinnvoll sein.

Unter anderem in Arztpraxen bleibt das Tragen von Masken sehr sinnvoll. Foto: imago images/Westend61 Vergrößern
Unter anderem in Arztpraxen bleibt das Tragen von Masken sehr sinnvoll. © imago images/Westend61

In Arztpraxen und deren Wartezimmern kommt noch der Faktor hinzu, dass sich hier mit höherer Wahrscheinlichkeit Personen mit akut oder chronisch geschwächtem Immunsystem oder mit Vorerkrankungen aufhalten. Diese profitieren dann doppelt vom Maskentragen, weil auch andere Keime dann weniger in Umlauf geraten. Eine Studie, die bereits aus Zeiten vor der Pandemie stammt, ergab, dass Kinder nach Besuch in einer Kinderarztpraxis – wo sie sich im Wartezimmer mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in der Nähe anderer infektionskranker Kinder aufhielten – besonders häufig selbst eine solche Erkrankung bekamen.

Welche Erfahrungen gibt es in anderen Ländern?

Maskentragen und Maskenpflichten sind nur ein Faktor bei der Vermeidung der Virenübertragung. Die Datenlage, wie sich die Aufhebung – oder gar nicht erst Verhängung – einer Maskenpflicht auf das Infektionsgeschehen auswirkt, ist unterschiedlich. Andere Faktoren wie etwa die Jahreszeit oder, wie eng Personen an einem Ort leben, ob viele von ihnen öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder eng an in Produktionsstätten arbeiten, spielen ebenso eine Rolle wie das Ausmaß der Bereitschaft, freiwillig Mund-Nasen-Schutz oder FFP-2 zu tragen.

Man kann versuchen, die anderen Einflussfaktoren so gut es geht gleichsam „herauszurechnen“. Dann ergibt sich aus Erhebungen vor Beginn der Impfungen in Abwesenheit einer Maskenpflicht meist ein höheres Infektionsgeschehen.

Ein warnendes Beispiel ist Indien: Hier war man im Februar zu einem weitgehend normalen Leben zurückgekehrt. Das Land galt als – weitgehend rätselhaftes – Positivbeispiel. In einem Report der BBC etwa sprachen Bürger davon, die Masken seien weitestgehend aus dem öffentliche Leben verschwunden gewesen.

Nur wenig später stiegen die Fallzahlen massiv. Das Land erlebte wenig später eine wahre Corona-Katastrophe, inklusive fehlender Krankenhausbetten, fehlenden Sauerstoffs und hohen Sterbeziffern an und mit Corona. Auch hier waren die Masken, oder deren Abwesenheit - aber nur einer von mehrerer Einflussfaktoren.

Wie gehen die einzelnen Bundesländer mit der Maskenpflicht um?

Vor gut einem Jahr, Ende April 2020, hatte die Maskenpflicht begonnen. Länder und Kommunen konnten sie auf der Basis des Infektionsschutzgesetzes verfügen. Die Bundesregierung hatte zuvor eine allgemeine Empfehlung abgegeben. Auch im vorigen Sommer wurde über ein Ende der Maskenpflicht debattiert, aber sie blieb.

Vor allem im öffentlichen Nah- und Fernverkehr und bei Einkäufen in Geschäften gilt sie seither bundesweit. Zudem in Arztpraxen, Betrieben, Räumen mit Publikumsverkehr, Schulen. Unterschiede zwischen den Ländern gab es allenfalls bei den Geboten für Kinder – oder bei Auflagen im Freien, wie etwa die Maskenpflicht in bestimmten Einkaufsstraßen oder öffentlichen Plätzen.

Einzelne Lockerungen haben schon begonnen. In Mecklenburg-Vorpommern etwa wurde unlängst die Pflicht zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes während des Unterrichts aufgehoben. In Sachsen wird das Tragen der Maske in Schulen nur noch empfohlen.

Aber eine allgemeine Aufhebung der Maskenpflicht ist wohl so schnell nicht zu erwarten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rät zur Zurückhaltung. Er will noch abwarten, welche Folgen die gerade beschlossenen Lockerungen im öffentlichen Leben haben. Auch der niedersächsische Regierungschef Stephan Weil (SPD) ist skeptisch, was eine zügige Aufhebung betrifft. Am ehesten kann er sich ein Ende der Maske im Freien vorstellen – da dürften wohl die meisten Länderkollegen folgen.

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