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Die Skyline von Dubai. Foto: imago
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Das Mekka der Oligarchen Dubai zieht immer mehr reiche Russen an

Die Metropole in den Emiraten erlebt nicht nur einen Immobilien-Boom. Russische Millionäre wollen dort an vielen Stellen ihr Geld in Sicherheit bringen.

Dubai boomt. Die Nachfrage nach Immobilien in der Glitzerstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist so steil nach oben geschossen, dass in einigen Vierteln die Villen knapp werden.

Der Trend dürfte sich in diesem Jahr noch verstärken, denn Dubai wird zum Mekka für wohlhabende Russen, die ihr Vermögen vor westlichen Sanktionen oder ihre Familien vor den Auswirkungen des Krieges auf den russischen Alltag in Sicherheit bringen wollen.

Das lässt viel Geld in die VAE fließen. erregt aber auch die Aufmerksamkeit internationaler Ermittler, die den Golf-Staat wegen des Verdachts auf Geldwäsche ins Visier nehmen.

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Die VAE haben sich als regionales Zentrum der Finanzwirtschaft und des Fremdenverkehrs etabliert, um sich aus der Abhängigkeit von Ölexporten zu lösen. Investoren werden mit günstigen Geschäftsbedingungen und einer liberalen Auslegung islamischer Regeln angelockt. Auf einem Index der Weltbank rangieren die Emirate auf Platz 16 der wirtschaftsfreundlichsten Staaten der Welt, weit vor anderen Ländern der Region und auch vor Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Reiche Russen haben die VAE und besonders Dubai schon lange für sich entdeckt. Mehr als 20 Kreml-nahe Unternehmer und Politiker besitzen laut der „New York Times“ Luxusanwesen auf einer palmenförmigen künstlichen Halbinsel vor der Küste der Stadt. Sie können sich trotz des russischen Krieges gegen die Ukraine in Dubai sicher fühlen.

Die VAE sind zwar ein wichtiger Partner des Westens – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besuchte die Emirate erst vor wenigen Tagen – und Standort eines US-Luftwaffenstützpunkts.

Sie beteiligen sich aber nicht an den westlichen Sanktionen gegen Moskau und halten ihren Luftraum für russische Flugzeuge geöffnet.

Investition gegen Aufenthaltsrecht

Das macht Dubai zum idealen Zufluchtsort für Russen, die ihre Vermögen bisher in London, Paris oder anderen westlichen Städten angelegt hatten.

Die VAE gewähren Ausländern, die sich ein Haus oder eine Wohnung für mindestens 185 000 Euro kaufen, ein dreijähriges Aufenthaltsrecht für sich und ihre Familien. Der Russische Wirtschaftsrat in Dubai schätzt, dass rund 40 000 Russen in den VAE leben. Eine Million Urlauber aus Russland und der früheren Sowjetunion kamen zuletzt jährlich in die Emirate.

Schon vor dem Ukraine-Krieg stiegen die Kaufpreise für Villen in Dubai nach Angaben der Immobilien-Beratungsfirma Core um 22 Prozent im Jahresvergleich. „Das Angebot in zentral gelegenen und etablierten Villensiedlungen wird knapp“, hieß es kürzlich in einem Bericht des Unternehmens.

Seit Kriegsbeginn drängen noch mehr Interessenten auf den Markt. Privatjets bringen reiche Russen auf der Suche nach einem sicheren Platz für ihr Geld nach Dubai. Immobilienmakler in Dubai verzeichnen viel mehr Anfragen als vor Kriegsbeginn, wie die „Financial Times“ unter Berufung auf die Branche berichtet.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, in Dubai würden derzeit Milliardensummen aus Kryptowährungen in Dollar umgewandelt, damit sich die russischen Besitzer Häuser kaufen oder ihr Geld von Dubai aus in andere Weltgegenden transferieren können.

Was ist legal? Was ist es nicht?

Dubai profitiere davon, dass viele Russen in der Stadt „ihre Probleme lösen“, sagte der prominente Immobilienunternehmer Hussain Sajwani dem US-Sender CNBC. Die westlichen Sanktionen machten „viele Leute nervös“. Er selbst werde mit jedem Interessenten Geschäfte machen, der sein Geld legal in die VAE bringe.
Doch es ist ein Problem, was legal ist und was nicht. Das könnte der Regierung der VAE noch Kopfschmerzen bereiten. Fragwürdige Finanzpraktiken in den Emiraten seien international bisher weitgehend ignoriert worden, sagen Experten.

Der Wohlstand von Dubai basiere zum Teil auf einem „steten Strom illegaler Gewinne aus Korruption und Verbrechen“, stellte die US-Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace in einem Bericht im vergangenen Jahr fest.

Viele Fragen zu der Herkunft ausländischer Gelder werden bisher von den VAE-Behörden nicht gestellt. Nun wirft die Ankunft der Oligarchen ein Schlaglicht auf diese Missstände. Die internationale Geldwäsche-Ermittlungsstelle FATF setzte die Emirate jetzt auf eine „graue Liste“ von Staaten, die unter Verdacht stehen und genauer beobachtet werden sollen. Die Ermittlungen könnten dem Image der VAE schaden.

Die Preise werden wohl weiter steigen

Nach Angaben der FATF haben die Emirate zugesagt, ihre Gesetze gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung zu verschärfen. Die Ermittler haben den VAE eine Reihe von Hausaufgaben gegeben, zu denen auch der Kampf gegen Sanktionsbrecher gehört. Noch müssen sich russische Reiche aber keine Sorgen machen, auch wenn sie vom Westen mit Sanktionen belegt werden.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich die VAE in absehbarer Zeit dem Druck westlicher Länder beugen und den Russen die Tür weisen. Der Boom in Dubai dürfte also weitergehen. Die Immobilienpreise in der Stadt könnten dieses Jahr die historische Höchstmarke erreichen.

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