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Protest gegen die wechselnden Corona-Maßnahmen an Frankreichs Schulen in Straßburg Foto: AFP/Patrick Hertzog
© AFP/Patrick Hertzog

Update Corona-Maßnahmen an Schulen Frankreichs Lehrer und Eltern protestieren gegen Regel-Chaos

Frankreichs Regierung verwirrt mit immer neuen Corona-Maßnahmen für den Schulunterricht. Das treibt Lehrer, Eltern und Oppositionspolitiker auf die Straße.

Aus Protest gegen die als chaotisch empfundene Corona-Politik an Schulen sind Lehrer, Eltern und Oppositionspolitiker in Frankreich auf die Straße gegangen. Nach Gewerkschaftsangaben war landesweit jede zweite Grundschule am Donnerstag geschlossen. „Die Regierung kündigt Regeln an, ohne darüber nachzudenken, was das in der Praxis bedeutet“, sagte Olivier Flipo, ein Schuldirektor in Val d'Oise, der Nachrichtenagentur AFP

Tatsächlich wurde das Protokoll für die Schulen seit dem Ende der Weihnachtsferien bereits mehrfach geändert.

Etwa 75 Prozent der Grundschullehrer beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben am Streik. Die Behörden gehen von etwa 39 Prozent aus. In zahlreichen französischen Städten gab es zudem Demonstrationen. Im Unterschied zu früheren Lehrer-Streiks hatten sich dieses Mal fast alle Gewerkschaften verbündet. Sie wurden zudem von Verbänden der Elternvertreter und von Schulleitern unterstützt.

Für Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer und Staatschef Emmanuel Macron ist der Streik angesichts der großen Mobilisierung brisant.

Der Streik birgt politischen Zündstoff, weil nicht nur die Lehrer, sondern auch die Eltern in Frankreich angesichts der ständig wechselnden Corona-Vorschriften die Nase voll haben. Anders als in Deutschland wurde in Frankreich während der Pandemie alles dafür getan, um die Schulen möglichst lange offen zu halten.

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Allerdings änderten sich zuletzt die geltenden Vorschriften permanent. Innerhalb einer Woche verkündete die Regierung zu Jahresbeginn drei unterschiedliche Regelungen für den Schulbetrieb.

Das Maß war für viele Lehrerinnen und Eltern endgültig voll, als Premierminister Jean Castex am Montagabend in den 20-Uhr-Nachrichten unvermittelt Erleichterungen für den Fall verkündete, dass ein Kind in einer Klasse corona-positiv getestet wird. Hier reicht es künftig aus, dass die als Kontaktpersonen geltenden Mitschüler pro Woche drei Selbsttests zu Hause durchführen. Zudem müssen Eltern ein corona-positiv getestetes Kind nicht mehr sofort vom Unterricht abholen, sondern können am betreffenden Tag den Schulschluss abwarten.

Castex' Ankündigung ging nach hinten los

Die Ankündigung von Castex war als Besänftigung der Bürger angesichts langer Warteschlangen vor den Apotheken gedacht. Dort werden in Frankreich Corona-Tests durchgeführt, und dort wollten sich zu Jahresbeginn viele Schüler überprüfen lassen. Allerdings ging Castex‘ Ankündigung nach hinten los. So beschwerte sich die wichtigste Lehrer-Gewerkschaft SNUIPP-FSU, dass Schüler, Lehrpersonal und Eltern nun angesichts der Lockerungen bei den Test-Anforderungen der Omikron-Variante schutzlos gegenüberstünden.

Zudem kritisierte die Gewerkschaft, dass man entgegen den Beteuerungen der Regierung keineswegs davon sprechen könne, dass die Schulen offengehalten würden. Vielmehr mache der Wechsel aus Präsenz- und Hybridunterricht sowie die ständig fluktuierende Schülerzahl einen geregelten Unterricht unmöglich, kritisierte die SNUIPP-FSU.

Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer steht im Zentrum der Kritik. Foto: Thomas Coex/AFP Vergrößern
Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer steht im Zentrum der Kritik. © Thomas Coex/AFP

Als Sündenbock gilt dabei vor allem Jean-Michel Blanquer. Seit dem Wahlsieg Macrons vor knapp fünf Jahren ist er Bildungsminister. In dieser Zeit gelang es Blanquer unter anderem zwar, an den Oberschulen eine überfällige Reform des Abiturs mit einem neuen Kurssystem durchzuführen. Bei einer Fragestunde der Regierung zeigte sich allerdings diese Woche im Parlament, dass die Omikron-Welle zunehmend zum Problem für den 57-Jährigen wird. Aus der Opposition kamen Rücktrittsforderungen.

Die sozialistische Abgeordnete Sylvie Tolmont kritisierte, dass die Schulen durch die wechselnden Anordnungen der Regierung in ein „völliges Chaos“ gestürzt worden seien. Auch in der inzwischen fünften Corona-Welle tue die Regierung so, als mache das Virus einen Umweg um die Schulen, sagte Tolmont.

Angesichts der hohen Infektionszahlen – Frankreich verzeichnete zuletzt am Dienstag 368.149 neue Ansteckungen – setzt Macron auf eine rasche Einführung einer flächendeckenden 2G-Regelung. Demnach könnten nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Cafés oder Restaurants erhalten. Nach dem Willen des Präsidenten soll die Neuregelung, die noch den Senat passieren muss, am kommenden Montag in Kraft treten.

Dämpfer für Macron in Umfrage

Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass sich Macron mit seinen drastischen Ansagen an die Adresse von Ungeimpften keinen Gefallen getan hat. Der Hausherr im Elysée-Palast hatte erklärt, er wolle die Ungeimpften „nerven“ („emmerder“).

In den jüngsten Umfragen wirkte sich die drastische Wortwahl negativ für Macron aus, der im April als Präsident wiedergewählt werden will. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Elabe liegt der Staatschef mit einem Anteil von 23 Prozent im ersten Wahlgang immer noch vorne; dies sind allerdings drei Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage im Dezember. An zweiter Stelle liegen nun die Kandidatin der konservativen Républicains, Valérie Pécresse, und die Rechtsextreme Marine Le Pen mit jeweils 17 Prozent gleichauf.

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