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In Glasgow ringen rund 200 Staaten für zwei Wochen darum, wie das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, noch erreicht werden kann. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa
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COP26 in Glasgow Elf Gründe zur Hoffnung fürs Klima

Niemals zuvor gab es so viele freiwillige Initiativen bei einer Klimakonferenz wie in Glasgow. Wenn sie tatsächlich umgesetzt werden, besteht Hoffnung.

Die große Zahl der freiwilligen Initiativen zum Klimaschutz bei der Konferenz in Glasgow findet Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth bezeichnend für den Stand der Verhandlungen. In den Gesprächen müssen nur noch weniger Punkte zur Umsetzung des Paris-Abkommens geklärt werden. „Je mehr wir sie hinter uns lassen, desto mehr wird es das neue Normal der Klimagipfel sein, solche Prozesse zu beschleunigen“, sagte er zu den vielen Bündnissen und Aktionen.

1. Ausstieg aus der Kohle

Erklärtes Ziel des Konferenz-Präsidenten Alok Sharma ist, die Kohle beim Treffen in Glasgow „der Geschichte zu überantworten“. Chile, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Montenegro, Sri Lanka und Großbritannien haben im September die Zusage unterzeichnet, keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen.

Bei der Konferenz in Glasgow verpflichteten sich 23 Länder, aus der Kohle auszusteigen. Polen allerdings machte kurz darauf einen Rückzieher. Große internationale Banken aber verpflichteten sich in Glasgow, die Finanzierung neuer Kohlekraftwerke bis Ende 2021 einzustellen.

2. Initiativen für Stahl und Wasserstoff

40 Regierungen haben sich im Rahmen der sogenannten Breakthrough Agenda verpflichtet, klimaneutralen Technologien in Sektoren mit hohen Emissionen schnell zur Marktreife und Wettbewerbsfähigkeit zu verhelfen. Dabei geht es um die fünf Bereiche Strom, Straßenverkehr, Stahl, Wasserstoff und Landwirtschaft.

In der Umsetzung der offiziellen Klimapläne sollen die „Breakthroughs“ Klimaschutz durch Innovation und Public Private Partnerships beschleunigen. Es ist das erste Mal, dass Wasserstoff und schwer zu dekarbonisierende Sektoren wie die Stahlindustrie auf einer Klimakonferenz so im Zentrum stehen.

3. Infrastruktur für kleine Inselstaaten

Indien und Großbritannien haben die Initiative „Infrastructure for Resilient Island States“ gegründet.

Kleine Inselstaaten seien der größten Bedrohung durch den Klimawandel ausgesetzt, sagte der indische Premier Narendra Modi. Die indische Weltraumbehörde werde einen speziellen Datensatz erstellen, um diese Staaten zeitnah über Wirbelstürme zu informieren sowie Korallenriffe und Küstenlinien per Satellit zu überwachen.

4. Pakt gegen Methan

Offiziell am vergangenen Dienstag gestartet ist das Global Methane Pledge, zu dem die EU und die USA den Anstoß gegeben hatten. Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, ihre Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Diese Zielmarke sei an sich etwas zu gering, sollte aber wohl dazu dienen, große Emittenten an Bord zu holen, sagte die Energie- und Klimaexpertin Rachel Kyte.

Die Hoffnungs-Statue des Künstlers Steuart Padwick in der Nähe des Konferenzzentrums. Foto: Andy Buchanan/AFP Vergrößern
Die Hoffnungs-Statue des Künstlers Steuart Padwick in der Nähe des Konferenzzentrums. © Andy Buchanan/AFP

5. Kohleausstieg in Südafrika

Deutschland, Großbritannien, die USA, Frankreich und die EU haben eine neue Partnerschaft mit Südafrika angekündigt, um das Land beim Ausstieg aus der Kohle zu unterstützen. Dazu sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller: „Bei den Ländern, die Kohle verstromen, liegt Südafrika weltweit auf Platz sechs.

Die Partnerschaft unterstützt die Dekarbonisierung der südafrikanischen Stromproduktion und den Einstieg in erneuerbare Energien sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze.“ Bundesumweltministerin Svenja Schulze teilte mit: „Ein erfolgreicher Kohleausstieg in Südafrika hat das Potenzial, eine Blaupause für andere Regionen zu werden.“ Die Geberländer werden dafür Mittel in Höhe von 8,5 Milliarden Euro bereitstellen.

6. Solarkraftwerk für Asien

Modi war ebenfalls beteiligt, als eine neue Koalition für saubere Energie angekündigt wurde. Sie nennt sich „Green Grids Initiative – One Sun One World One Grid“. In Anwesenheit von Regierungschefs wie US-Präsident Joe Biden stellten Modi und der britische Premier Boris Johnson die von mehr als 80 Ländern gebilligte „One Sun“-Erklärung vor.

Sie soll den Bau großer Solarkraftwerke und Windparks an Standorten in Asien beschleunigen und durch Stromnetze über nationale Grenzen hinweg miteinander verbinden. Später sollen Standorte in Afrika hinzukommen.

7. Finanzierung für ein grünes Afrika

Bauern in Afrika will die „Africa Green Finance Coalition“ unterstützen, indem sie mehr saubere Investitionen auf dem Kontinent möglich macht. Die Initiative ist Teil der „Race to Zero“-Kampagne des UN-Klimasekretariates, die noch andere Projekte gestartet hat: Etwa eine neue Einheit zur Finanzierung von erneuerbaren Energien auf kleinen Inselstaaten in der Karibik bei der Bank of America. Oder die Initiative „Regen 10“, die es 500 Millionen Bauern weltweit ermöglichen soll, regenerative Arten der Landwirtschaft zu praktizieren. Der „Race to Zero“-Kampagne angeschlossen haben sich mehr als 1300 Unternehmen, teilte das Bundesumweltministerium mit.

8. Schutz für Wasser und Klima

Die Koalition für Wasser und Klima will strategisch daran arbeiten, Synergien zwischen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel zu schaffen. Grundidee ist, Wasser- und Klimaprobleme gemeinsam zu lösen.

9. CO2-Preise für die Schifffahrt

Mehr als 50 Länder des „Climate Vulnerable Forum“ verlangten von der International Maritime Organization, einen CO2- Preis in der Schifffahrt einzuführen. Außerdem sollen andere Staaten aufgefordert werden, einem „Climate Emergency Pact“ zuzustimmen und die Maßnahmen zur Erreichung des 1,5-Grad- Ziels zu beschleunigen. Das Maß voll machte die „High Ambition Coalition“, die das 1,5-Grad-Ziel ins Abkommen von Paris brachte, mit einem Statement für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz.

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10. Unabhängigkeit von Öl und Gas

Über den Kohleausstieg hinaus geht die „Beyond Oil and Gas Alliance“. Angeführt von Costa Rica und Dänemark, will die Allianz Regierungen dabei unterstützen, einen geordneten und gerechten Ausstieg aus der Öl- und Gasförderung zu schaffen.

11. Schluss mit der Abholzung

Energie-Expertin Rachel Kyte ging in Glasgow auf die neue Initiative zur Beendigung von Abholzung ein. „Damit stecken wir unser Geld endlich dorthin, wo der gesunde Menschenverstand ist“, sagte sie. 19 Milliarden Dollar stehen demnächst dafür zur Verfügung. Allerdings gab es auch viel Zweifel an dem Anti-Entwaldungsplan: „Die Unterzeichnung der Erklärung ist der einfache Teil. Es ist wichtig, dass sie jetzt für die Menschen und den Planeten umgesetzt wird“, twitterte UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Ähnlich äußerte sich die Umweltschutzorganisation WWF: „Die Ankündigung der Staats- und Regierungschefs zeigt in die richtige Richtung, droht jedoch zu verpuffen, wenn sie nicht zügig mit verbindlichen Abkommen abgesichert wird.“ Die Kinderhilfsorganisation World Vision wertete den Beschluss, die Abholzung erst bis zum Jahr 2030 zu beenden, als „viel zu zaghaft“. Dies werde zu einer weiteren Beschleunigung des Klimawandels führen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Völlig zu Recht kam bei der Klimakonferenz die Frage auf, wie diese vielen Versprechen kontrolliert werden sollen. Hier wird eine von UN-Generalsekretär Antonio Guterres einberufene Arbeitsgemeinschaft tätig werden. Darüber informierte der politische Geschäftsführer der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Germanwatch, Christoph Bals. Die Arbeitsgemeinschaft soll Transparenz bei den Zusagen von nicht-staatlichen Akteuren schaffen und dafür in sechs Monaten ein Rahmenwerk vorlegen.

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