Will auch die Budgets für Kassenärzte auf den Prüfstand stellen: Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Foto: Susanne Asenkerschbaumer
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Bessere Patientenversorgung SPD-Politikerin stellt Kassenarzt-Budgets in Frage

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Wenn Arztpraxen und Kliniken kooperieren, kommt das den Patienten zugute. Das war Konsens bei einer Tagesspiegel-Veranstaltung. Doch der Weg zur integrierten Versorgung ist noch weit.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks hat die Budgets für Kassenärzte in Frage gestellt. Bei einer Veranstaltung des Berliner „Tagesspiegel“ sagte die SPD-Politikerin, dass die übliche Quartalsabrechnung für eine gute Patientenversorgung „eher hinderlich sei“ und dass auch die Honorarbudgets zur Behandlung gesetzlich Versicherter „auf den Prüfstand“ gehörten.

Prüfer-Storcks: Unterschiedliche Honorare sind ein Problem

Gleichzeitig drängte Prüfer-Storcks auf eine bessere Vernetzung von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Um bestehende Sektorengrenzen zu überwinden, seien aber auch Honorarangleichungen nötig, betonte die Hamburgerin, die für die SPD an den Koalitionsverhandlungen mit der Union beteiligt war – und zwar nicht nur Angleichungen bei den Arzthonoraren für gesetzlich und privat Versicherte, sondern auch für vergleichbare Leistungen in Arztpraxis und Klinik. „Solange sich der Preis für gleiche Leistungen um ein bis zu Vierfaches unterscheidet, ist es nicht zu schaffen, dass sich die Versorgung allein am Bedarf orientiert.“

Gesundheitspolitisch sei dieses Thema für die kommende Wahlperiode ganz zentral, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch bei der Tagesspiegel-Veranstaltung „Ausgezeichnete Gesundheit 2018“, bei der es um Innovationen und herausragende Beispiele ambulanter Patientenversorgung ging. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD bildet die sektorenübergreifende Versorgung ein eigenes Kapitel.

„Die Zusammenarbeit und Vernetzung im Gesundheitswesen müssen ausgebaut und verstärkt werden“, heißt es darin. Die Behandlungsverläufe müssten sich „ausschließlich am medizinisch-pflegerischen Bedarf der Patientinnen und Patienten ausrichten“. Dafür wird nun eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet, die bis 2020 zu Potte kommen und dabei nicht nur bessere Kooperation der Gesundheitsberufe, sondern auch Honorar, Bedarfsplanung und Qualitätssicherung auf dem Schirm haben soll. Gleichzeitig soll eine Wissenschaftler-Kommission (Stichwort Zwei-Klassen-Medizin) Vorschläge zur hochumstrittenen Reform der Honorar- und Gebührenordnungen für Kassen- und Privatpatienten machen.

Getrennte Behandlungsblöcke behindern gute Patientenversorgung

Prüfer-Storcks begrüßte diese Offensive. Innovation im Gesundheitswesen beziehe sich ja nicht nur auf neue Arzneimittel und Operationstechniken, sondern auch auf ein besseres Zusammenspiel bei der Patientenversorgung, sagte sie. Obwohl man zwischen der strikt getrennten Behandlung in Arztpraxis und Klinik inzwischen mehr als 20 Sonderbehandlungsformen eingezogen habe, sei es bisher nicht gelungen, die Blöcke zu überwinden. Dazu komme der Pflegesektor, der ebenfalls „sehr abgeschottet“ agiere.

"Das Gefühl, das manche Kritiker in einer Parallelwelt leben": der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Foto: Susanne Asenkerschbaumer
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert das seit langem. Bei der Tagesspiegel-Veranstaltung pries ihr Vorsitzender dennoch den Status Quo. Es gebe zwar nichts Gutes, das sich nicht verbessern ließe, sagte Andreas Gassen. Doch erstens funktioniere das nicht mit „Federstrichen vom grünen Tisch“ aus. Und zweitens habe er angesichts der heftig gewordenen Kritik an angeblicher Zwei-Klassen-Medizin das Gefühl, „dass manche in einer Parallelwelt leben“. Die Deutschen profitierten von einer „Versorgung der Spitzenklasse“. Obwohl hierzulande statistisch jeder im Jahr 18mal pro Jahr zum Arzt gehe, gebe es für die Patienten weder Selbstbeteiligung noch Zugangsbeschränkung. Es gelte freie Arztwahl – „ein seltenes und hohes Gut“, mit dem man aber auch „pfleglich umgehen“ müsse.

KBV: Ärzte von berufsfremden Tätigkeiten befreien

So sei es wichtig, die Ärzte von berufsfremden Tätigkeiten zu befreien, betonte Gassen. Union und SPD hätten es für nötig befunden, die vorgeschriebene Mindest-Sprechstundenzeit der Mediziner für Kassenpatienten via Koalitionsvertrag von 20 auf 25 Stunden pro Woche zu erhöhen. Gleichzeitig habe die Politik „keine Skrupel, die Ärzte mit 54 Millionen Bürokratiestunden im Jahr zu überziehen“. Ohne solche Zusatzbelastung, rechnete der Funktionär vor, hätte jeder Mediziner pro Woche sieben Stunden mehr Zeit für seine Patienten.

Bei der Tagesspiegel-Veranstaltung mit mehr als 200 Besuchern in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland präsentierten Praktiker aus ganz Deutschland neue Ansätze für die Patientenversorgung. Dabei ging es um Modelle für eine bessere Notfallversorgung, für Telemedizin, effektivere Vernetzung und Nachwuchsförderung sowie für mehr medizinische Sicherheit.

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