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Revival für einen totgesagten Brennstoff. Transformatoren am Kohlekraftwerk im niedersächsischen Stöcken. Foto: dpa
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Update Antwort auf russische Gasdrosselungen Es ist höchste Zeit für einen Energiegipfel

Putins Drosselung der Gaslieferungen ist für die Deutschen eine Last – und hat Sprengkraft für die Regierung. Ein Kommentar.

Kann es noch ernster als ernst werden? Diese Frage muss man stellen, angesichts der Zuspitzung der Lage in und um die Ukraine. Und das nicht nur verbal, sondern real. In der Ukraine selbst, jeden Tag. Aber in anderen Maßen auch bei denen, die der Ukraine beistehen, darunter in Deutschland.

Der Krieg, den Russland führt, ist nämlich militärisch und ökonomisch zugleich. Da hat der oberste Regierungserklärer Robert Habeck mal wieder recht. Nur müssen deshalb jetzt Antworten gefunden werden; Antworten für heute und morgen, denn im übertragenen Sinn ist der Winter auch schon bald da.

Will heißen: Schon zu Beginn des russischen Vernichtungsfeldzugs hat die Bundesregierung die Gasversorgung in den Blick genommen, und zwar in Person von Wirtschaftsminister Habeck. Der hat im März die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen – und jetzt den Alarmzustand.

Das macht er natürlich nicht allein, ein Krisenstab schaut jeden Tag auf die Lage, die wird immer angespannter. Wo doch Russland die Gaszufuhr drosselt; das wirkt wie eine Schlinge, die Wladimir Putin und seine Kamarilla zuziehen.

Drosseln, um die größte Volkswirtschaft Europas zu erdrosseln – so könnte man es zusammenfassen. Das einen Angriff zu nennen, mit Energie als Waffe, ist nicht zu hoch gegriffen.

Wer kann die Mehrkosten klaglos tragen?

Klar ist: Geringere Mengen treiben die Preise. Und steigen die Preise, wächst die Angst. Nicht nur in der Industrie, sondern überall. Dabei ist doch das Grundversprechen der Ampel-Koalition verbunden mit diesem einen Wort: Sicherheit. Das gilt militärisch wie materiell. Die Sache sieht aber arg aus, und sie wird sich nicht ändern, mindestens vorerst nicht – nicht ohne ein Wunder an Einsicht. Glaubt das eine:r?

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Die Gasspeicher müssen voll, nicht halbvoll sein, damit wir einigermaßen durch den Winter kommen, ansonsten droht eine richtig schwere Krise. Arbeitsplätze en masse werden ohne Energiesicherheit gefährdet, und daheim Frieren für den Frieden, womöglich noch gesetzlich verordnet, ist bestimmt keine Lösung, die überzeugt oder Begeisterung auslöst. Im Gegenteil. Der Mieterbund sähe darin den „völlig falschen Weg“ – und der steht für Millionen, für ein Volk der Mieter.

Noch mehr Kosten, wer soll, wer kann die klaglos tragen? Zumal hier eins zum anderen kommt. Die Teuerung bei acht Prozent, eine Inflationsrate, die Deutschland seit der Wiedervereinigung noch nie hatte, tut ihr Übriges. Und alles geht ins Geld, ans eigene Geld, das merkt jede:r.

Es geht an den Geldbeutel

Je länger der Krieg wütet, umso stärker steigen die Energiepreise, zuletzt in einem Monat im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent. Dazu noch die Folgen der vermaledeiten Corona-Pandemie, die gerne vergessen werden – eine brandgefährliche politisch-gesellschaftliche Mischung. Schon vergessen? Nahrungsmittel sind auch viel teurer geworden, um mehr als elf Prozent.

Wie Sie Energie sparen können und welche Alternativen es zu Gas gibt

Nun wird dazu auf die Entlastungspakete der Regierung verwiesen, die für Haushalte, also die privaten, und für Unternehmen den Preisanstieg mildern sollen. Das stimmt auch alles, bloß müssen die erst einmal ihre Wirkung entfalten. Und ob die Inflationsrate damit gestoppt wird – das weiß der Himmel. Die Ökonomen sind uneinig.

Dass in dieser Situation Habeck die Menschen in Deutschland aufs Neue zum Energiesparen aufruft, ist verständlich. Aber es wirkt irgendwie hilflos, obwohl der Minister zugleich betont, dass Deutschland in der Machtprobe mit Putin nicht wehrlos sei. Das will man ihm schon gerne glauben.

Trotzdem kann es nicht schaden, eine konzertierte Aktion zu starten, jetzt, sofort: einen Energiegipfel, als Antwort auf russische Gasdrosselungen. Das wird ja nicht deswegen falsch, weil es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert. Da muss alles erwogen werden. Vorurteilsfrei. Und wenn es die Verlängerung der Laufzeiten von drei Atomkraftwerken ist. Putin führt den Krieg auch ökonomisch.

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