Wie eine Mondfinsternis. Die einfache Form dieser Lampe bringt erstaunliche Effekte hervor. Foto: Eclipse/Tilen Sepic
© Eclipse/Tilen Sepic

Modernes Design aus Slowenien Die Zukunft des Wohnens

Produktdesign hat in Slowenien eine lange Tradition, die weit über die Kühlschränke von Gornje hinausgehen. In Berlin werden neue Entwürfe gezeigt.

Eigentlich ist es ein einfacher Holzreif, der an einen Haken an der Wand hängt. Zum Ereignis wird er durch das eingearbeitete LED-Licht. Licht und Schatten schaffen um den dünne Reif die Anmutung einer Mondfinsternis, je nachdem, wie das Licht gedämmt wird. Eclipse ist ein gutes Beispiel für modernes slowenisches Design, das in der Ausstellung „The Future of Living“ im Rahmen der Berlin Design Week in der Potsdamer Straße gezeigt wird.
Dafür hat die Hutdesignerin Fiona Bennett extra ihren Laden ausgeräumt, der nicht passender für eine Ausstellung unter Coronabedingungen sein könnte. Schon durch die großen Schaufenster bekommt man einen guten Eindruck, was slowenisches Design auszeichnet: Funktion mit Schönheit zu verbinden, altes Handwerk neu zu interpretieren. So wie im Weinschrank von Vulgaris Woodcut, dessen Türen mit einem Holzschnitt verziert sind. Die Motive fertigt die Designerin Nina Kozeji auf Papier, erst nach der Bestellung werden sie in das Kirschholz geschnitten.
Das Weinregal Helga wiederum sieht aus, wie aus alten Keramik-Heizelementen neu zusammengefügt. Man kann es beliebig erweitern, so dass es auch als wabenförmiger Raumteiler funktioniert. Ausgedacht hat sich Helga das Architekturbüro Sadar + Vuga, eines der bekanntesten Sloweniens.

Der Weinschrank ist mit traditionellen Holzschnitzereien verziert, die modern umgesetzt wurden. Foto: Vulgaris Wood Vergrößern
Der Weinschrank ist mit traditionellen Holzschnitzereien verziert, die modern umgesetzt wurden. © Vulgaris Wood

Die rund 45 Objekte hat das Center za kreativnost (Zentrum für Kreativität) ausgewählt, das zum Designmuseum in Ljubljana gehört. Dass es in der der slowenischen Hauptstadt ein solches Zentrum für Kreativität gibt, macht durchaus Sinn. Denn Architektur und Produktdesign haben in Slowenien eine lange Tradition, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Damals wurden in dem kleinen Land Produkte für Jugoslawien gestaltet und hergestellt, die wenig später zu einem wichtigen Exportgut in die ganze Welt wurden.
Architekten wie Niko Kralj und Saša Janez Mächtig begründeten mit ihren Entwürfen den internationalen Ruf Sloweniens.
Mächtig ist bis heute Professor für Industrial Design an der Kunstakademie der Universität Ljubljana und hat Generationen von Designerinnen und Designern beeinflusst.

Das Weinregal Helga kann auch zum Raumteiler werden. Foto: Sadar+Vuga Vergrößern
Das Weinregal Helga kann auch zum Raumteiler werden. © Sadar+Vuga

Seit zwei Jahren steht einer seiner bekanntesten Entwürfe in einem Berliner Hinterhof: ein Kiosk aus Kunststoff mit runden Kanten und bunten Farben, der bis 1990 überall in Jugoslawien und auch in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei stand.
Die lange Tradition hat auch noch einen anderen Grund. Mehr als 60 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt, Holz gibt es also genug, es wird für viele der Produkte verwendet. In den 90er Jahren wurden viele Firmen geschlossen, der Ruf war ramponiert.

Die Wasserflaschen sind von einem Geflecht aus Roggenstroh und Maisblättern umhüllt. Darja Malesic nutzt altes Handwerk für neue Objekte. Foto: Darja Malesic Vergrößern
Die Wasserflaschen sind von einem Geflecht aus Roggenstroh und Maisblättern umhüllt. Darja Malesic nutzt altes Handwerk für neue Objekte. © Darja Malesic

Auch deshalb gibt es nun das Zentrum für Kreativität, das junge Designer unterstützt, ihre Produkte zur Marktreife zu entwickeln und auf der ganzen Welt sichtbar zu machen. Und es gab noch mehr staatliche Unterstützung: Auch das slowenische Auswärtige Amt und das slowenische Kulturzentrum Berlin waren beteiligt. Nach Berlin wandert die Ausstellung weiter nach Budapest, Paris, London bis nach China.

Die Ausstellung „Future of Living“ findet im Rahmen der Designweek statt, die dieses Mal online und offline stattfindet. Bis zum 6. Juni, Potsdamer Straße 81-83, Tiergarten.

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