Objekt der Recherche. Auch der Privatsender Sat 1 konnte kein missbräuchliches noch strafbares Verhalten von Regisseur und Autor Dieter Wedel ausfindig machen Foto: dpa
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Dieter Wedel - war das was? #MeToo wird #TvToo

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Der Umgang des Fernsehsystems mit #MeToo ist fragwürdig und taugt für #TvToo. Ein Kommentar

Aktendeckel zu, #MeToo tot? Sat1 macht vor, wie auch anderen die deutschen Fernsehsender mit der Causa umgehen. Der Untersuchungsfokus wird ganz klein gestellt, indem nur Produktionen von und mit Dieter Wedel auf missbräuchliches, wenn nicht strafbares Verhalten untersucht werden. Der NDR, das ZDF, die Produktionsfirma Bavaria und Sat1 haben gefahndet – und nichts, aber auch gar nichts gefunden. Privatsender Sat 1 will noch nicht mal den Abschlussbericht veröffentlichen, Nachfragen werden mit Missachtung gestraft.
Was „MeToo“ und das deutsche Fernsehen angeht, bleiben bisher nur der Saarländische Rundfunk (Wedel) und der WDR (Gebhard Henke) in den Suchfiltern hängen. Der Westdeutsche Rundfunk muss geradezu als leuchtendes Beispiel gepriesen werden, hier hat Intendant Tom Buhrow die frühere ÖTV-Vorsitzende Monika Wulff-Mathies mit einer umfassenden Klärung der Vorgänge im größten ARD-Sender beauftragt. In der Causa Wedel will die Staatsanwaltschaft München weitere Monate ermitteln.

Systemfrage wurde nicht gestellt

Kein Endergebnis, ein Zwischenstand: Die Fernsehsender haben sich auf wenige Protagonisten konzentriert, die Systemfrage haben sie nicht gestellt. In ihrer Furcht (vulgo: Feigheit) kamen ihnen Wedel und Henke gerade recht. Hurra, zwei Täter, hurra, nur wenige Opfer, die sich geäußert haben. Wer verfolgt, wie #Metoo“ durch das US-Kreativbusiness rast, der kann sich nur wundern, mit welchem Anstand zwischen den Geschlechtern gearbeitet, mit welchem Respekt die Hierarchie von oben nach unten gehandelt hat, mit welcher Feinfühligkeit künstlerische Konflikte ausdiskutiert wurden.
So war es nicht, auch wenn die Sender diesen Eindruck schinden wollen. Da waren allein die Übel- und Einzeltäter Dieter Wedel und Gebhard Henke, sie sind identifiziert und aus dem System geschmissen worden. Die Tragödie, auch für die betroffenen Frauen, wird zur Farce, wer beobachtet, wie Wedel und Henke von den Sendern vergessen gemacht werden. #Metoo“ und das deutsche Fernsehen, das ist die gewollte Verwechslung von systemischer Aufklärung mit individueller Säuberung.

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