Künftig nur noch im Pay-TV: Sky und Dazn teilen sich die Champions League nach einem komplizierten System auf. Foto: A. Gebert/dpa
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Champions League Die Königsklasse wird zum Studienfach

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Auf Fußball-Fans kommen schwere Zeiten zu: Bei der Aufteilung der Champions League scheinen selbst Sky und Dazn noch nicht voll durchzublicken.

„Bei der Champions League muss man ab der nächsten Saison studiert haben“, sagte Carsten Schmidt, der Vorstandschef von Sky Deutschland, laut Mediendienst dwdl. Jetzt hat er ein wenig davon verraten, wie der Pay-TV-Sender von der Saison 2018/19 an mit den komplizierten Übertragungsrechten beim Fußball-Wettbewerb der europäischen Spitzenvereine umgehen wird. Weil sich Sky künftig die Spiele der Königsklasse mit dem Sport-Streamingdienst Dazn teilen muss, gilt die Studiumspflicht sowohl für die Plattformen als auch für deren Kunden. Und nach den spärlichen Informationen, die von Sky und Dazn bislang mitgeteilt wurden, haben die Unternehmen gerade erst mit dem Studium begonnen.

Immerhin zwei Dinge sind sicher: Im Free-TV wird die Uefa Champions League (CL) nur noch dann gezeigt, wenn ein deutscher Verein im Endspiel steht. Bei Sky muss kein Abonnent ein Tor verpassen, weil der Sender in der Konferenz alle Entscheidungen zeigen kann. Bei Dazn gibt es keine Konferenz-Sendung. Dafür wird der Streamingdienst mehr Einzelspiele in voller Länge zeigen, auch solche mit deutscher Beteiligung.

Bereits kurz nach der Vergabe der CL-Rechte im vergangenen Sommer waren Details über die mögliche Aufteilung durchgesickert. Nach diesen Plänen würde Sky sämtliche Konferenzen und insgesamt 34 Einzelspiele übertragen. Dazn erhielte insgesamt 104 Einzelspiele und keine Konferenz. Offiziell bestätigt wurden die Informationen nicht, aber auch nicht dementiert. Auch jetzt vertrösten die beiden Unternehmen ihre Kunden auf später. Man habe sich auf eine gemeinsame Vorstellung des Programm geeinigt, hieß es bei Dazn auf Nachfrage.

Die Tücken der Details

Wie kompliziert es werden kann, zeigen die weiteren, ebenfalls unbestätigten Informationen. In der Gruppenphase der Champions League soll sich Sky neun Mal die wichtigsten Vorrundenspiele aussuchen dürfen. In den K.-o.-Runden lägen die Vorteile dagegen eher bei Dazn, das in den Achtel- und Viertelfinals demnach alle Hinrundenbegegnungen als Einzelspiel zeigen dürfte. Bei den Rückspielen der Achtel- und Viertelfinalpartien hätte Sky erneut ein Vorgriffsrecht. Die Halbfinalbegegnungen und das Endspiel könnten beide Sender zeigen, das Endspiel muss laut Rundfunkstaatsvertrag zusätzlich im Free-TV gezeigt werden.

Sky gab sich am Donnerstag jedenfalls zuversichtlich, den eigenen Kunden ein attraktives Angebot machen zu können: „Keiner zeigt mehr Einzelspiele mit deutscher Beteiligung als Sky live und in voller Länge“, hatte Schmidt versprochen. Bei gleicher Gelegenheit hatte er zudem mitgeteilt, dass Sky künftig auf die Formel-1-Liveberichterstattung verzichtet.

Am Online-Streamingdienst Dazn kommen die Fußballfans in Deutschland und Österreich von der Saison 2018/2019 dennoch kaum vorbei. Der Abo-Dienst hatte sich auch die Übertragungsrechte an der Uefa Europa League für die kommenden drei Spielzeiten gesichert. Dazn zeigt alle 205 Begegnungen live, 190 davon exklusiv. Weitere 15 Spiele hat die RTL-Gruppe erworben und wird sie im Free-TV zeigen. „Damit ist Dazn die einzige Plattform in Deutschland und Österreich, die ausführliche Liveübertragungen der zwei wichtigsten europäischen Fußball-Vereinswettbewerbe zeigen wird“, hatte Dazn-Chef James Rushton gesagt.

Sky Sportsbars und Dazn-Kneipen

Eine wichtige Frage für die Abonnenten von Dazn ist allerdings, ob der Monatspreis von 9,99 Euro zu halten ist. Es sei zwar nichts in Stein gemeißelt, aber es gebe unverändert keine Pläne für eine Preiserhöhung, sagte Dazn-Sprecher Matthias Folkmann dem Tagesspiegel. Vielmehr werden sich die Fußballfans die bei Dazn laufenden Begegnungen von Champions und Europa League möglicherweise bereits mit dem Beginn der neuen Saison bei einem Kneipenbesuch ansehen können, so wie jetzt bei Sky mit den Sportsbars. „Das ist ein ganz großes Thema, weil wir mit Beginn der Saison 2018/19 den Gastronomen eine solche Lösung anbieten wollen“, sagte Folkmann. Auch diese Details folgen jedoch erst später. Kurt Sagatz

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