Perfektionist und Interpret. Dirigent Christian Reif. Foto: Kristen Loken
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San Francisco Symphony Youth Orchestra Bruder Jakob mit feinem Kontrabass

Das Jugendorchester aus San Francisco imponiert in der Philharmonie mit Stücken von Mahler und Tschaikowsky.

Als ein prachtvoller Vorbote des Berliner Sommerfestivals Young Euro Classic, das am 19. Juli im Konzerthaus startet, kommt das San Francisco Symphony Youth Orchestra (SFSYO) in die Philharmonie. Auf Station zwischen Hamburg und Wien spielt es das Repertoire seiner elften Europatournee. Und glänzt in mächtiger Besetzung. Besonders die opulenten Streicherchöre sprechen dafür, dass Christian Reif ein Orchestererzieher von Rang ist. Die Gestik seines Dirigierens zeichnet sich durch große Klarheit aus. Und wenn er im Finale der Ersten von Gustav Mahler die Blechbläser aufstehen lässt und die Schalltrichter der Hörner in die Höhe gehen, ist „höchste Kraft“ zu erleben, die staunenswert funktioniert.

Das Orchester, das der deutsche Dirigent Reif seit 2016 leitet, besteht aus mehr als 100 Menschen im Alter von zwölf bis 21 Jahren. Es ist das Jugendorchester des San Francisco Symphony Orchestra und wird von dessen Mitgliedern unterrichtet. Anders als bei den Akademisten der Berliner Philharmoniker handelt es sich naturgemäß nicht um Musiker mit Hochschulabschluss, sondern um solche im Frühstadium der ersehnten Professionalität. Dafür dürfen sie drei bis vier Jahre im SFSYO bleiben und an Tourneen teilnehmen. Was diese Erziehung erreicht, zeigt das Konzert. Schon die pfiffigen Fanfaren zünden exakt in der Nr.1 aus „Three American Preludes“ von dem vielseitigen Meister Detlev Glanert.

Triumphierende Finalwirkung

Dann heißt es, die Schottin Nicola Benedetti in Tschaikowskys Violinkonzert zu begleiten. Mit schmissiger Bravour stürzt sie sich in die Schwierigkeiten des Soloparts, die Locken fliegen, Virtuosität ist Arbeit, die mit Verve und reiner Intonation zum Ziel führt. Und aus dem Orchester treten Flöte, Klarinette, Fagott farbig hervor. Das Publikum darf zwischen den Sätzen klatschen, was der Dirigent erlaubt, der sich am Applaus beteiligt.

Das Orchester präsentiert sich musikalisch als integrierender Klangkörper. In der Fülle liegt Kraft aber auch die Gefahr, den Eigenton der Musik Mahlers zu ersticken. Ein Flair von Dressur schwebt über den Geigen. Dem begegnet Reif, indem er die Wunder der Instrumentierung hervorhebt. Im dritten Satz eröffnet er mit den gedämpften Pauken, dem Kontrabasssolo und gebundenen Linien das ganze Panorama um „Bruder Jakob“. Denn Christian Reif ist nicht nur Perfektionist, sondern auch Interpret. Wie er nach dem Pianissimo der Trommel und Pauke „stürmisch bewegt“ loslegt, schließt gesangvolle Hörner ein. Und zielt und drängt doch auf die triumphierende Finalwirkung der Symphonie.

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