Von Dresden nach Madrid. Karl Louis Preusser „In der Dresdner Galerie“ (1881). Foto: Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
© Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Prado wird 200 Königliche Schätze in Spaniens bedeutendsten Museum

Uta M. Reindl

Der Prado in Madrid wird 200: Das bedeutendste Museum Spaniens zeigt erste Jubiläumsausstellungen.

Ganz Spanien feiert 2019 das 200. Jubiläum des Prado. In 30 Städten wird mit Sonderveranstaltungen der Gründung des mächtigsten Musentempels vor zwei Jahrhunderten gedacht. Aus dem Prado mit seinen 76 000 Werken werden rund 3244 Leihgaben in 255 Institutionen des Landes unterwegs sein. Die als zentrales Landesmuseum am 19. November 1819 eröffnete Pinakothek – zunächst ausschließlich für spanische Malerei – ist immer noch ein Hort nationaler Identität. Inzwischen umfasst die Kollektion eine stattliche Anzahl von Werken italienischer, französischer und deutscher Meister aus 400 Jahren. Seinen Namen erhielt das Museum, weil sich das Gebäude an der „Wiese“ (auf spanisch „prado“) des heiligen Hieronymus befindet.

Um das gesamte Geburtstagsjahr auszuschöpfen, glüht der Prado schon jetzt mit einer Ausstellung unter dem Titel „Der Prado 1819-2019. Ein Ort der Erinnerungen“ vor. Sie zeigt 164 Werke der Sammlung sowie 34 Leihgaben aus den USA, Frankreich, Ungarn, Großbritannien, Israel und Deutschland. Der Rundgang führt in acht Kapiteln durch die Historie der Malerei. Eingerichtet wurde der Parcours in den dicht bespielten Kabinetträumen des Anbaus von Rafael Moneo, der seit 2007 das aus dem 18. Jahrhundert stammende Hauptgebäude ergänzt.

Während des Bürgerkriegs wurde die Kunst in Sicherheit gebracht

Die königlichen Sammlungen mit Kunst aus dem 16. Jahrhundert bilden den Grundstock der Kollektion. Die spanischen Könige hatten wahre Schätze etwa von Diego Velázquez oder Francisco de Zurbarán zusammengetragen, fast ausschließlich mit religiösen Motiven. Phillip II. wollte damit im 16. Jahrhundert seine Untertanen zu Frömmigkeit erziehen. Die Anerkennung spanischer Kunst durch europäische Museen ist ein wesentliches Thema der Ausstellung. Dies wird ablesbar in Karl Louis Preussers Gemälde „In der Dresdner Galerie“ (1881), das in der Petersburger Hängung auch Beispiele spanischer Kunst zeigt. Schon vor der Verstaatlichung des Prado 1868 gab es Ankäufe von anderen Häusern wie dem Sakralmuseum Museo de Trinidad in Madrid, das Gemälde der Titanen Francisco de Goya und El Greco erwarb. Bis heute ist deren Kunst zusammen mit den Werken von Velázquez und de Zurburán Publikumsrenner. Auch für Künstler war der Prado schon früh ein Magnet. „Alice in the Mirror“ (1869) vom Briten William Merritt Chase spielt auf „Las Meninas“ von Velázquez an. Renoirs japonistisch angehauchte Blumen-Stillleben aus dem Jahr 1871 zeigt spanische Granden im Hintergrund.

Lange bevor sich der Prado Ende des 19. Jahrhunderts museologisch zu profilieren begann, etwa durch einen wissenschaftlich konzipierten monografischen Raum für Velázquez, wurde die Sammlung durch weitere Schenkungen erweitert. Dass dies eine gute Tradition blieb, demonstriert die rätselhafte Bankettszene Sandro Botticellis von 1483, die der Prado 1941 vom katalanischen Politiker Francesc Cambò erhielt.

Während des spanischen Bürgerkriegs von 1931 bis 1939 wurden die Kunstschätze zur Sicherheit an verschiedene Orte in Spanien, auch ins Ausland gebracht. An die Bombardierung des Prado erinnert in einer Vitrine das Fragment einer Brandbombe, die auf das Museum abgeworfen wurde. Für die Franco-Zeit zwischen 1939 und 1975 beschränkt sich die Ausstellung auf einen wirkungsgeschichtlichen Überblick zu modernen Künstlern, die sich von den Schätzen des Prado inspirieren ließen. Am bekanntesten ist die Picasso-Version von Goyas „Maja“. Das Original hängt im selben Raum.

Der Prado als Inspirationsquelle für Künstler

Die Radierung des Briten Richard Hamiltons von 1973 verarbeitet wiederum Velázquez’ „Las Meninas“ und Picassos Interpretation. Das spanische Künstlerteam Equipo-Crónica, auch bekannt für seine antifranquistische Kunst, porträtierte 1968 in Anspielung auf die Mai-Unruhen in Paris unter dem Titel „Der Vorraum“ eine Rittergestalt aus dem noblen Personal der Goya-Gemälde – vor einer Marmorwand an einem Sekretär sitzend, auf dem ein Schlagring liegt.

Der kleinen, feinen Jubiläumsschau gelingt mit einem trefflichen Zusammenspiel aus Original-Schriftstücken, Korrespondenzen, Urkunden und zahlreichen Kunstschätzen die wachsende Bedeutung der Sammlung durch Spenden und Leihgaben aus dem In- und Ausland zu veranschaulichen. Wer bei allem Stolz auf die Geschichte des großen Hauses die junge Kunst oder gar Kritik vermisst, dem sei die Sonderausstellung „Zwölf Fotografen“ im Hauptgebäude empfohlen. Hier präsentieren spanische Fotografen ihre ganz eigenen Ansichten von Meisterwerken der Sammlung. Und der Prado erweist sich erneut als Inspirationsquelle für Künstler.

bis 10. März, weitere Informationen unter: www.museodelprado.es

Zur Startseite