Federico Colli wurde 1988 in Brescia geboren. Foto: Thomas Woland
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Pianist Federico Colli in Berlin So klar kann Mondschein klingen

In der Bechstein-Reihe des Berliner Konzerthauses beeindruckt der Italiener Federico Colli durch seine Detailverliebtheit.

Es eilt ihm der Ruf voraus, dass er sich seine Interpretationen „fantasievoll und tiefgründig“ erschließt. Und tatsächlich bietet Federico Colli in der Bechstein-Reihe des Konzerthauses mit acht Scarlatti-Sonaten einen Einstieg der Überraschungen. Da überwiegen in seiner Zusammenstellung aus den über 500 Cembalowerken des zur Klassik drängenden Barockmeisters die melancholischen, introvertierten Stücke, erscheinen selbst die rascheren, vitaleren Werke in fein perlendes Piano zurückgenommen.

In diesem Panorama des Leisen entfaltet Colli subtile Anschlagskünste, verzögert, dehnt, schafft Spannungspausen, um Scarlattis Nuancenreichtum, seine kühnen harmonischen Wendungen und Stimmungsumschwünge noch plastischer herauszustellen.

Collis Ansatz der absoluten Klarheit und Transparenz, der kleinteiligen, von der barocken Klangrede herrührenden Gestaltung überzeugt ausgerechnet da am meisten, wo es „romantisch“ wird: Beethovens so häufig zum Schmachtfetzen verkitschte – am besten mit Violine! - oder zum Todesdrama aufgeladene „Mondscheinsonate“ nimmt er gerade im ersten Satz wohltuend fließend, ohne aufdringliche Dynamisierung, wahrt auch im Presto agitato die feinziselierte Durchhörbarkeit.

Bei Haydn setzt Colli ganz aufs feinperlige Piano

Bachs mächtige d-Moll-Chaconne in der Klavierfassung von Ferruccio Busoni kann er ebenso in meditativem Pianissimo verharren lassen wie in äußerstem Kontrast dramatisch vorantreiben – eindrucksvoll, wenn der junge Gewinner des Salzburger Mozart- und des hochrenommierten Leeds-Wettbewerbs seine technischen Fähigkeiten einmal voll ausreizt, wie in den orgelhaften Oktavkaskaden zum Schluss.

Zum Problem wird seine detailverliebte Werkbefragung allerdings in Haydns großer Es-Dur-Sonate: nach kraftvollem Beginn dominiert das feinperlige Piano, in zügig genommenen Zweiunddreißigstel-Passagen zweifellos imponierend, doch im ständigen Absinken in überdehnte Pausen vor Überraschungsmomenten stockt der musikalische Fluss.

Was bei Scarlatti noch aus der Struktur selbst herauslesbar war, lässt die von Haydn groß angelegte Form zerbrechen. Und auch Mozarts Variationen über „Salve tu Domine“ von Paisiello erscheinen zu sehr auf „schöne Stellen“ reduziert, unter denen die Moll-Variation allerdings in plötzlich aufkommender klanglicher und emotionaler Wärme fast schockiert.

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