Meta-Kunst. Susie Pop fotografiert Marc Brandenburg beim Fotografien von Tabea Blumenschein, 2015. Foto: Susie Pop
© Susie Pop

Galerie Zwinger zeigt Susie Pop Schleierhaft

Lorina Speder

Susi Pop wurde mit ihren markanten Fotos zur Berliner Kunstfigur. Die Schöneberger Galerie Zwinger widmet ihr eine Schau.

„Marc Brandenburg fotografiert Tabea Blumenschein mit seinem iPhone“ heißt die Ausstellung – und genau das sieht man auf einer Leinwand von Susi Pop in der Galerie Zwinger. Das Foto wurde hier aufgenommen. Brandenburgs Gesicht ist seitlich eingefangen, seine Hand richtet das Handy auf Blumenschein, die den Blick auf eine weitere, anonyme Person richtet.

Wer die Szene festgehalten hat, ist so unbekannt wie Susi Pop. Man könne das Berliner Szene-Phänomen als Kunstperson ohne Avatar sehen, erklärt Galerist Werner Müller und nennt Susi Pop seine „Hausmarke“. Es gab sie schon, als Blumenschein für ihre Schauspielerei und ihren Gesang gefeiert wurde. Beide sind Berliner Kunstgeschichte.

Viele Werke sind Auftragsarbeiten

In den vergangenen Jahrzehnten verließ kaum ein Bild von Susi Pop das Atelier ohne die markante helle Purpurfarbe. Auch in der aktuellen Schau mit Porträts aus jüngerer Vergangenheit ist nahezu jedes Bild in Magenta gehalten. Man sieht ein Kindergesicht in Pink als Siebdruck (3200 €), und das poppige Bild einer dynamischen Szene von Kasper König und Barbara Weiss (5800 €) besticht durch das grüne Pflanzenornament, das sich als Farbkontrast über den Schnappschuss legt und ein Geheimnis zu bergen scheint. Viele der Werke sind Auftragsarbeiten. Sollte man sein eigenes Gesicht von Susi Pop bearbeiten lassen wollen, sei dies kein Problem, meint Müller. Die Aufträge gehörten zum Repertoire.

Zum Œuvre zählen aber genauso kommentierte Medienbilder mit historischer Relevanz. Müller beschreibt den Werdegang der Kunstfigur als Wellenbewegung: Mal sei das Interesse an ihr größer, mal werde es ruhiger. Die größte Aufmerksamkeit bekam sie wohl Mitte der 90er Jahre mit einem Remake von Gerhard Richters berühmtem „RAF-Zyklus“. Der Künstler hatte das Werk, das deutsche Geschichte reflektierte, an das New Yorker MoMA verkauft und so eine Debatte angestoßen. Die Hommage von Susi Pop kommentierte das Werk ebenso wie das Geschehen. Heute befindet sich das Cover mit dem Titel „Der Schnurrbart der Ulrike Meinhof“ in der Sammlung des Hamburger Bahnhofs.

Unbeschwertheit beim ernsten Sujet

Andere berühmte Szenen wurden nachgestellt, etwa aus Michelangelo Antonionis Filmklassiker „La Notte“, in der sich die emotionale Distanz zwischen dem Paar in ihren Blicken und der Körperhaltung überträgt. Momentaufnahmen wie diese unter pinkem Schleier machen deutlich, wofür Susi Pop steht: Sie vermittelt Unbeschwertheit, obwohl das hier ein ernstes Sujet ist. Die rosarote Brille über den Bildern lockert die Aufnahme auf macht alles leicht. Folgt man dem Motto „Susi Pop bin ich“, über das man in der Ausstellung immer wieder stolpert, ist das bestärkend und trägt eine Hoffnung in sich – Susi Pop kann jeder sein.

Zwinger Galerie, Mansteinstr. 5; bis 23. 3., Di–Sa 12–18 Uhr

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