Szene aus Katharina Thalbachs "Barbier von Sevilla" an der Deutschen Oper. Foto: Matthias Horn
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Frederik Hanssen empfiehlt Fünf Kulturtipps fürs Wochenende

Lachen in der Oper, Staunen im Museum oder Spazieren durchs Weltkulturerbe: Was man in Berlin am Samstag und Sonntag alles machen kann.

Mein perfektes Wochenende beginnt mit ausführlicher Zeitungslektüre. In der gedruckten Form natürlich! Denn beim traditionellen Format funktioniert das am Besten, was ich an Tagesspiegel, Süddeutscher und Co. so sehr schätze: der Überraschungseffekt. Wer neugierig ist, stößt beim Blättern auf lauter Geschichten und Infos, die den Horizont erweitern – und Anregungen liefern für die Gestaltung des privaten Kulturprogramms am Samstag und Sonntag. Da meine Frau meine Leidenschaft für klassische Musik nicht teilt, sind Museen, Theater- und Restaurantbesuche (gutes Essen ist Kultur!) unsere Schnittmenge für gemeinsame Aktivitäten. Weil wir uns aber nicht nur in Innenräumen bewegen wollen, machen wir gerne auch Stadtspaziergänge. Berlin ist ja ein Freiluftmuseum, hier kann man die Architekturgeschichte der letzten 150 Jahre besichtigen, in allen Bezirken, wild zusammengewürfelt. Augen auf und durch!

Drinnen oder draußen: In Berlin ist überall Kultur

Tipp 1: Mal abgesehen vom titelgebenden Dienstleister sind hier lauter starke Frauen am Werk: Katharina Thalbach hat Regie geführt bei Rossinis Meisteroper, 12 Jahre liegt die Premiere an der Deutschen Oper mittlerweile zurück, doch ihr Gagfeuerwerk zündet immer noch. Schönes, altmodisches Musiktheater mit prächtiger Ausstattung ist hier zu sehen, halb in heutiger Optik, halb als klassische Commedia dell’Arte. Lustige Nonnen und ein echter Esel kommen vor, das Duell zwischen einem roten Sportwagen und einem Traktor, die Souffleuse legt einen Striptease hin und selbst die Solist:innen geben sich hier geradezu artistisch. Vasilisa Berzhanskaya vermag als raffinierte Rosina darüber hinaus nicht nur äußerst fantasievoll mit Tönen zu jonglieren, sondern ist auch noch eine professionelle Pantomimin. Die dritte Powerfrau im Bunde sieht man zwar nicht, dafür aber kann man hören, wie souverän Yi- Chen Lin, die neue Kapellmeisterin der Deutschen Oper, das quirlige Geschehen vom Orchestergraben aus koordiniert (Samstag, 30. Oktober, 19.30 Uhr).

Frederik Hanssen ist in der Kulturredaktion für klassische Musik zuständig. Foto: Mike Wolff Vergrößern
Frederik Hanssen ist in der Kulturredaktion für klassische Musik zuständig. © Mike Wolff

Tipp 2: Wie bitte, Sie waren noch nicht in der wiedereröffneten Neuen Nationalgalerie? Dann aber nichts wie hin! Mies van der Rohes Jahrhundertbau nach sechsjähriger Sanierung wieder zu betreten, fühlt sich an wie das Nachhausekommen nach einer langen Reise. Die lichte Halle zu durchschreiten, in den Sälen auf Vertrautes und Neues zu stoßen, einen Blick in den wieder sichtbaren Direktionsbereich zu werfen und vor allem durch den Skulpturengarten zu schlendern, das ist pures Vergnügen. Architektur und Kunst in perfekter Balance!

Fassade aus der "Tuschkastensiedlung" Foto: imago Vergrößern
Fassade aus der "Tuschkastensiedlung" © imago

Tipp 3: Seit 2008 gehören sie zum Weltkulturerbe, sechs „Siedlungen der Moderne“, die im Berlin der Weimarer Zeit entstanden sind – mit dem Ziel, die einfachen Leuten raus aus den Mietskasernen zu holen, an Licht und Luft. Bekannt sind Siemensstadt und die Britzer Hufeisensiedlung, ein Ausflug aber lohnt sich auch zur Gartenstadt Falkenberg am südöstlichen Stadtrand. Bruno Taut entwarf 1912 die Anlage als modernes Dorfidyll mit bescheidenen Häuschen, deren Fassaden aber kunterbunt gestrichen sind. Schnell war ein Spitzname gefunden: „Tuschkastensiedlung“.

Frederic Jost singt in der Stimmlage Bass. Foto: Sarah Foubert Vergrößern
Frederic Jost singt in der Stimmlage Bass. © Sarah Foubert

Tipp 4: Besonders für junge Künstler:innen war die Pandemie ein Karrierekiller. Frederic Jost wollte gerade so richtig durchstarten nach seiner Zeit am Opernstudio der Berliner Staatsoper. Doch dann kamen die Lockdowns. Immerhin fand der Bundeswettbewerb Gesang statt, und der Bass konnte sich dort den Preis der drei Berliner Opernhäuser ersingen. Im Pianosalon Christophori interpretiert der 28-Jährige jetzt Schuberts „Schwanengesang“, Lieder des Briten George Butterworth sowie Viktor Ullmanns „Hafis“-Zyklus, begleitet von der Pianistin Klara Hornig (Pianosalon Christophori, Sonntag, 20 Uhr).

Humor gibt es tatsächlich auch in der Klassik

Tipp 5: Als Klaus Wallendorf 2016 seinen Abschied von den Berliner Philharmonikern nahm, verlieh im das Orchester den Ehrentitel „Hofpoet auf Lebenszeit“. Denn der Hornist hatte neben seinen musikalischen Qualitäten immer wieder auch seine verbale Virtuosität unter Beweis gestellt. Sein erstes Buch „Immer Ärger mit dem Cello“, wurde zum Kassenerfolg. Nun stellt er „Zwischen Mundstück und Mikrofon“ vor, eine Sammlung von Reden, Moderationen, Gedichten. Und ins Horn stoßen wird er an diesem Abend natürlich auch (Bar jeder Vernunft, Sonntag, 20 Uhr).

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