Dem Konzept Hippie-Kommune verpflichtet: Die amerikanische Indie-Band Other Lives. Foto: dpa
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Fiona Apple, Brendan Benson, Other Lives Die Pop-Alben der Woche im Soundcheck

Jeden Freitag ab 21 Uhr stellen vier Popkritiker/innen auf Radio Eins die Alben der Woche vor. Diesmal mit Fiona Apple, Brendan Benson, Other Lives und Austra. 

Other Lives: For Their Love (PIAS)

Das Konzept der Hippie-Kommune ist ein altbekannter Pop-Topos, dem sich auch die amerikanische Indie-Band Other Lives verpflichtet fühlt. Die elektronischen Bezüge sind auf deren viertem Album zugunsten eines warmen, analogen Klangbilds gewichen, das durch epische Streicherbögen erweitert wurde. Aufgenommen wurde im Rahmen gemeiner Jam-Sessions in einem Nurdachhaus. So ergab sich ein kollektiver Geist, dessen Flair immer wieder an Lee Hazlewood, die Doors oder Spaghettiwestern-Soundtracks erinnert. Der existenzialistische Gestus dieser Musik korrespondiert trefflich mit der Zeit, in der wir leben. Torsten Groß, Moderator

Fiona Apple: Fetch The Bolt Cutters (Epic)

Man weiß nicht, was einen auf Fiona Apples fünftem Album nachhaltiger fasziniert: die Musik, die trotz spartanischer Instrumentierung mit Gitarre, Piano und stampfenden, filigranen oder knöchern klöppelnden Percussions so wuchtig klingt wie eine Urgewalt – oder Lyrik und Performance der Wahl-Kalifornierin. Denn Apple singt ihre explizit politischen Texte über kleine Aggressionen und rohe Gewalt nicht einfach – sie knurrt, wehklagt und ätzt, lebt sie aus bis zum Maximum. Julia Lorenz, Musikjournalistin

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Brendan Benson: Dear Life (Third Man)

Bei den Raconteurs ist Brendan Benson für die Melodien zuständig, Co-Bandmitglied Jack White hält hohe Stücke auf das Songwriting des Powerpoppers. Bensons Solokarriere war hingegen zuletzt ein wenig ausgetrudelt, das Niveau seines grandiosen zweiten Albums „Lapalco“ (2002) erreichte er nicht mehr. „Dear Life“ soll nun ein Neustart sein: Benson hat fast alles alleine geschrieben, eingespielt und produziert – und doch erinnern viele Momente an den abenteuerlichen Rocksound von Jack White, auf dessen Label Third Man diese Platte erscheint. André Boße, Musikjournalist

Austra: Hirudin (Domino Records)

Hirudin ist ein gerinnungshemmender Wirkstoff im Speichel von Blutegeln, weswegen die parasitären Tierchen zur Therapie eingesetzt werden. Für die kanadische New-Wave-Band Austra eine Analogie zur Selbstheilung nach toxischen Beziehungen. Thematisierte Sängerin Katie Stelmanis auf dem Vorgängeralbum noch Utopien und politische Machtstrukturen, wendet sie den Blick nun auf die inneren Kämpfe. Ihre klassisch ausgebildete Opernstimme wird dabei von Kinderchören und gewohnt hymnenhaftem Synthie-Pop gerahmt. Hannes Soltau, Tagesspiegel

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