Andris Poga, Dirigent aus Lettland. Foto: Deinarts
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DSO mit Prokofjew und Schostakowitsch Musik der Heimat

Niemand geht unbewegt aus einem solchen Konzert: Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt Prokofjew und Schostakowitsch.

Der armenische Geiger Sergey Khachatryan, brillanter Solist des zweiten Violinkonzerts von Prokofjew, spielt als Zugabe „eine kleine Melodie aus meiner Heimat“. Es klingt wie eine melancholische Erinnerung an die alte Musiktradition Armeniens, ein Lied in verhaltenem Ton.

Der lettische Dirigent Andris Poga hält die Partitur der vierten Symphonie von Schostakowitsch in die Höhe, die er mit dem Deutschen Symphonie-Orchester aufgeführt hat. So lenkt er in der Philharmonie den Beifall für eine äußerst eindringliche Wiedergabe auf das Werk selbst. Niemand geht unbewegt aus einem solchen Konzert in dieser Zeit des brutalen Krieges gegen die Ukraine.

Sehnsucht klingt schon aus dem ersten Thema

Der Weltbürger Sergei Prokofjew schrieb das zweite Violinkonzert, bevor er von Paris nach Moskau zurückkehrte. Um diese Rückkehr 1936 in das Land des Stalin-Terrors ist viel gerätselt worden. „Die Luft der Fremde bekommt meiner Inspiration nicht, weil ich Russe bin.“ So klingt die Sehnsucht nach der Heimat schon aus dem liedhaften ersten Thema, das die Solovioline unbegleitet intoniert.

Die Komposition ist gleichsam ein Reisedokument, komponiert in Paris, in Woronesch und uraufgeführt 1935 in Madrid. Sie geht romantisierend auf das Wesen des Soloinstruments ein, dessen Reichtum Khachatryan mit seiner Virtuosität entfaltet. Inspiriert von dem glühenden Ernst des Solisten begleitet das Orchester mit deutlichem Engagement.

Auch das DSO feiert Andris Poga

Dass der Dirigent Andris Poga nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Mitgliedern des Deutschen Symphonie-Orchesters einhellig gefeiert wird, unterstreicht die bemerkenswerte Harmonie ihres Zusammenspiels zumal in der Schostakowitsch-Symphonie. Dieses Werk zog der Komponist 1936 in Leningrad während der bereits andauernden Proben zurück. Sicherlich aus politischem Grund. Es besteht aus grellem Aufschrei und Fugenwesen, das an Flucht erinnert, ferner einer Vielfalt musikalischer Charaktere, rührender Mahler-Nähe und theatralischen Momenten, um am Ende aus der Apotheose auszubrechen in ein nachdenkliches Verklingen.

Poga dirigiert mit einer Präzision, die aus innerem Antrieb kommt. Die Instrumentation blüht. Aus dem Riesenorchester (sechs Flöten, sechs Pauken, zwei Tuben) ragt mit wechselndem Ausdruck das Solofagott hervor, vielleicht als ein Symbol Schostakowitschs. Karoline Zurl spielt es mit solcher Intensität, dass sie am Ende im Mittelpunkt von Ovationen steht wie eine Königin des Abends.

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