Margarete Jahny, Erich Müller, Kännchen aus dem Service „Rationell“, 1970, VEB Vereinigte Porzellanwerke Colditz. Foto: Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Gunter Binsack
© Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Gunter Binsack

Dresdner Ausstellung: Deutsches Design Trabbi und Käfer Seit' an Seit'

Die Dresdner Museen haben endlich wieder auf. Im Lipsiusbau trifft in einer Ausstellung Design aus Ost und West aufeinander.

Endlich sind die sächsischen Museen wieder geöffnet. Sie haben mittlerweile den zweiten Lockdown hinter sich. In Dresden erregen auf der Brühlschen Terrasse Plakate für eine Ausstellung die Aufmerksamkeit: „Deutsches Design 1949-1989“ mit dem Untertitel „Zwei Länder, eine Geschichte“. Das macht stutzig: eine Geschichte?

Drinnen im so genannten Lipsius-Bau mischen sich die Altersgruppen. Ältere Besucher mögen in der Mehrheit sein, solche, die mit der von den Jahreszahlen umrissenen Epoche eigene Erinnerungen verbinden; doch jüngere bis ganz junge sind ebenso wissbegierig.

Es geht um die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen, wie sie sich in Bundesrepublik und DDR entwickelt hat. Die Ausstellung (bis 20. 2.) untermauert mit vielen klug gewählten Beispielen, dass dies nicht nur parallel, sondern geradezu im Gleichtakt geschah. Nicht, dass die Unterschiede eingeebnet würden. Vielmehr sind „Ost“ und „West“ im Ausstellungsaufbau geschieden, auf getrennten Podesten im Hauptraum und Vitrinen und Stellagen in den Kabinetten.

Parallel-Prinzip in der Gestaltung

Und doch wird insinuiert, dass die Gestalter – oder in West-Sprache Designer – stets zur gleichen Zeit Gleiches geschaffen hätten. In Plastik, als Plastik angesagt war – in der DDR eine Zeitlang zur Zukunftsindustrie schlechthin ausgerufen –, in Holz, als Holz wieder bevorzugt wurde; modular, wenn die Ökonomie des Seriellen propagiert wurde, verspielt, wenn kleine Fluchten aus dem Alltag möglich waren.

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So ungefähr geht das Parallel-Prinzip auf. Und selbst bei der Autoproduktion, dieser gesamtdeutschen Königsdisziplin, steht der Gleichförmigkeit des Ost-„Trabi“ die Unverwüstlichkeit des West-„Käfers“ zur Seite.

Ausstellungsansicht „Deutsches Design 1949 – 1989“ im Lipsiusbau in Dresden.. Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz Vergrößern
Ausstellungsansicht „Deutsches Design 1949 – 1989“ im Lipsiusbau in Dresden.. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz

Was man an Neuigkeiten im Westen beim Schaufensterbummel erspähen konnte, war im Osten am ehesten auf der alle fünf Jahre stattfinden „Kunstausstellung der DDR“ in Dresden zu erleben: deren Abteilung „Industrielle Formgebung“ zog die Massen an. Sie wollten wenigstens sehen, was die bemerkenswert kreativen Gestalter ihres Landes erschufen, wenn es denn schon nicht produziert wurde oder womöglich nur „für den Export“.

Objekte für den „Palast der Republik“

Das eben ist der Unterschied: Im einen Land entschieden mutige Unternehmer wie Philipp Rosenthal, was in den Handel kam, im anderen konnte auch ein „Rat für Formgebung“ nicht an den Planvorgaben rütteln. Gewiss, es gab Erfolgsgeschichten auch „drüben“, etwa die zeitlos schönen Möbel der Deutschen Werkstätten Hellerau. Umgekehrt besaß auch nicht jeder West-Haushalt ein Radio von „Braun“ oder gar die Metallregale von Dieter Rams.

Eine eigene Ecke der Ausstellung ist Objekten für den „Palast der Republik“ gewidmet. Da leuchten Hinweisschilder zum „Spree-Bowling“ oder dem „Jugendtreff“. Darunter jeweils ein zweites Leuchtkästchen: „Überfüllt“. Das Problem der mangelnden Kapazitäten – es war das ewige Menetekel der DDR-Gestaltung.

Um diesen kleinen, am Ende aber entscheidenden Unterschied zwischen Ost und West macht die Ausstellung einen höflichen Bogen, ihrer anheimelnden These von der einen Geschichte zuliebe. Es waren denn doch eher zwei.

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