Schon die „Dau“-Mauer? Nein, eine gewöhnliche Baustelle Unter den Linden, wo das Projekt entstehen soll. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß protestiert gegen „Dau“

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„Dau“ würde die Verbrechen der DDR banalisieren, so Bürgerrechtler Weiß. Eine Entscheidung über das Projekt soll Ende des Monats fallen.

Kultursenator Klaus Lederer ist dafür, der Regierende Bürgermeister Michael Müller will es wohl auch immer noch, und von Kulturstaatsministerin Monika Grütters hört man ebenfalls nichts Gegenteiliges. Doch so richtig will sich niemand in der Politik für das „Dau“-Projekt öffentlich einsetzen.

Die Veranstalter haben ihre Pläne deutlich reduziert. Nun soll ein um die Hälfte verkleinertes Areal in Mitte um das Kronprinzenpalais eingemauert werden, für den Erlebnisparcours zum Thema Freiheit und Diktatur. Am 12. Oktober wollen die „Dau“-Organisatoren, die sich in ihrem Berliner Hauptquartier im Palais am Festungsgraben mit Wachmännern verschanzen, ihr Programm starten.

Sofern die Berliner Behörden die Sache genehmigen. Fragen der Sicherheit, der Verkehrslenkung und des Denkmalschutzes müssen geklärt werden. Das größte Problem dabei scheint die knappe Zeit zu sein. Die Beamten fühlen sich überlastet und unter Druck gesetzt. Die Entscheidung soll am 28. September fallen. Eine Verlegung auf das kommende Jahr haben die „Dau“-Planer und die mit ihnen assoziierten Berliner Festspiele abgelehnt.

Die Schrecken der Mauer sind nicht nachzuvollziehen

Indessen regt sich scharfer Protest. In einem offenen Brief an Grütters und Müller schreibt Konrad Weiß, DDR-Bürgerrechtler und früheres Mitglied des Bundestags: „Der Gedanke, dass ein Stück Berlin neuerlich von einer Mauer geschändet wird, und sei es auch nur für einige Tage, ist für mich unerträglich. Ich denke, dass dies viele, die in der DDR oder in Ostberlin gelebt haben, so empfinden werden. (...) Versuchen Sie sich doch bitte in die Gefühle jener zu versetzen, die jahrzehntelang von dieser Mauer eingesperrt gelebt haben oder den Versuch, ihr zu entkommen, bitter bezahlt haben. Oder deren Angehörige oder Freunde an der Mauer ermordet wurden. Den Schrecken der Mauer werden Nachgeborene oder Menschen, die nicht hier gelebt haben, nie wirklich nachvollziehen können, auch nicht durch dieses Spektakel, das Herr Khrzhanovsky und seine russischen Geldgeber uns aufdrängen wollen. Dieses Projekt ist keine künstlerische Provokation, sondern banalisiert die kommunistischen Verbrechen, auch die der ehemaligen Sowjetunion in Ostberlin und in der DDR. Und es versucht, den heroischen Fall der Mauer, diesen großartigen Moment der deutschen Geschichte, beliebig zu machen und zu entwerten. (...) Die Unternehmungen von Herrn Khrzhanovsky tendieren dazu, Menschen völlig zu vereinnahmen und für seine Zwecke gefügig zu machen. Welche neuen Erkenntnisse über den Menschen, seine Ängste und Schwächen, soll dieses Sozialexperiment, daß er ,Dau Freiheit’ nennt, denn tatsächlich bringen?“

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Natürlich wird es Menschen geben, die sich ein ,Visum’ für sein Mauerland kaufen und sich für alles nur Denkbare gebrauchen und benutzen lassen. Aber sie werden die Schrecken einer Diktatur dennoch nicht nachvollziehen können. Sie werden auch den Wert unserer Demokratie nicht neu erfahren und neu schätzen lernen. (...) Ich habe seinerzeit als Mitglied des Deutschen Bundestages Christos Reichstagsverhüllung aus ganzem Herzen unterstützt, weil sein Werk einen neuen Blick auf die deutsche Geschichte ermöglicht und eine neue Dimension in der politischen Debatte eröffnet hat. Das Projekt von Khrzhanovsky hingegen ist destruktiv und demagogisch. Es wird unserem Land nicht dienen, sondern schaden. Ich bitte Sie, die Umsetzung des Projektes in Berlin nicht zuzulassen.“ Tsp

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