Oper als Tempel der ernsthaftigkeit: Eine Revue von und mit Alexander Kluge

Szene aus "Berlin Telegram" von Leila Albayaty. Foto: Arsenal - Institut für Film- und Videokunst
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Donnerstag, 14. Mai

Theater-Tipp 1

Als András Dömötörs Inszenierung von "Die Pest" im November 2019 in der Box des Deutschen Theaters Premiere hatte, konnte wohl kaum einer ahnen, dass dies im Mai 2020 das Stück zur Stunde sein wird. Und zwar sowohl inhaltlich - Albert Camus' Roman fragt nach den Möglichkeiten menschlichen Handelns im Angesicht einer Pandemie - als auch formal: Mit Božidar Kocevski stand damals nur ein Darsteller auf der Bühne. Perfektes Theater für Corona-Zeiten: An diesem Donnerstag um 18 Uhr wird eine den aktuellen Umständen entsprechende Neufassung, eine so genannte Quarantäne-Variante, gestreamt (bis Freitag, 12 Uhr). Wer Kocevski schon am DT erlebt hat, etwa in Rosa von Praunheims "Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht", der weiß: Dieser enorm wandelbare Schauspieler ist eine Wucht. Die sich hoffentlich auch in der Kameraführung von Lorenz Haarmann übertragen wird.

Klassik-Tipp

Kaum gestartet, ist die kurze Online-Ausgabe des Kammermusikfestivals "Intonations" im Jüdischen Museum Berlin auch schon wieder vorbei. Zum Finale spielen heute Abend 20 Uhr zum Beispiel Festivalgründerin Elena Bashkirova und ihr Sohn Michael Barenboim Arnold Schönbergs Fantasie für Violine und Klavier. Denis Kozhukhin ist Pianist in Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 414, und als letztes Stück erklingt Brahms Klarinettentrio a-Moll op.114 mit Karl-Heinz Steffens (Klarinette), erneut Denis Kozhukhin (Klavier) und Eckart Runge, dem früheren Cellisten des Artemis Quartetts. Alles live und ohne Publikum. Wir freuen uns auf heute Abend - und nächstes Jahr.

Helene Weigel als Mutter Courage und Bertolt Brecht. Foto: Hainer Hill ©AdK Vergrößern
Helene Weigel als Mutter Courage und Bertolt Brecht. © Hainer Hill ©AdK

Theater-Tipp 2

Nach drei Tagen voller Kindertheater kommen im Nachtkritikstream ab Donnerstag die Jugendlichen zur ihrem Recht. Um 16 Uhr läuft für 48 Stunden "So lonely" nach dem Roman des schwedischen Autors Per Nilsson (14+), inszeniert am Berliner Grips Theater von Franziska Steiof. Ein 16-Jähriger zerstört nach und nach alle Gegenstände, die ihn an die unglückliche Liebe zu einem Mädchen erinnern: eine Busfahrkarte, ein Buch, ein Bettlaken. "Das Theaterstück erzählt eine Geschichte voll seliger Erfahrungen und schmerzhafter Missverständnisse, eine Geschichte, so grundsätzlich und glücklich, so schmerzhaft und prägend, wie nur die Geschichte einer ersten Liebe sein kann", heißt es dazu auf der Webseite des Grips Theaters.

Literatur-Tipp

Mitte März eröffnete Alexander Kluge seine Ausstellung "Oper. Der Tempel der Ernsthaftigkeit" im Württembergischen Kunstverein, Ergebnis seiner jahrelangen Beschäftigung mit den Produktionen der Stuttgarter Staatsoper - und musste sie am nächsten Tag coronabedingt sofort wieder schließen. Jetzt hat er auf der Webseite des Berliner Literaturhauses einen über vierstündigen Abend gestaltet, betitelt "Kultur in Zeiten von Corona. Versuch einer Revue". Kluge unterhält sich mit Hans D. Christ vom Württembergischen Kunstverein über seine Ausstellung, den Unterschied von Texten im Buch und Texten im dreidimensionalen Raum, den Betrachter als Editor und Oper als Gefäß für Emotionen, wo das Poetische und Dramatische zusammenfinden können. Außerdem gibt's einen "Philosophischen Kettenbrief" mit Helge Schneider und Yoko Tawada, Kathrin Röggla, Armin Nassehi und Asmus Trautsch unterhalten sich über "Labormäuse auf dem Raumschiff Erde". Am besten einfach mal reinschauen.

(Zusammenstellung: uba)

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