Krise als Chance für ein anderes Sozialsystem? Ein Gespräch mit Juso-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert im Berliner Ensemble

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos. Foto: Gregor Fischer/dpa
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Mittwoch, 10. Juni

Diskussions-Tipp

Sind Krisen eine Chance für Veränderungen, die ansonsten in der Trägheit des Systems nie möglich gewesen wären? Oder ist es Irrsinn, gerade in Zeiten größter Unsicherheit Reformen durchzuführen? Darüber spricht Gastgeber Sebastian Friedrich am Mittwoch um 20 Uhr mit dem Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert und der Journalistin Nina Scholz in der Livestream-Reihe "Bündnisse bilden" des Berliner Ensembles. In der Ankündigung heißt es unter anderem: "Die aktuelle Krise zeigt, wie angreifbar und verletzlich unsere Wirtschafts- und Sozialsysteme sind. Sie lässt aber auch unverhofft längst aufgegebene, utopische Versprechen und Möglichkeiten aufscheinen, etwa das bedingungslose Grundeinkommen. Wer sind Bündnispartnerinnen in einem Kampf für eine gerechte Gesellschaft, die alle Bürger gleich schützt und schätzt? Sind Reformen in einem kollabierenden System überhaupt zielführend? Braucht es eine ,Stunde Null'? Und wenn ja, wie sähe sie aus? Wer gestaltet sie?"

Theater-Tipp

Zum Spielzeitabschluss streamt das Maxim Gorki Theater ab heute 18 Uhr für 48 Stunden die Inszenierungen dreier Stücke von Sibylle Berg, die aufeinander aufbauen. In "Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen" (2014 zum Stück des Jahres gewählt) steht eine junge Frau im Mittelpunkt - und ihre Orientierungslosigkeit zwischen Online-Dating, Fitnesswahn und Shoppingexzessen. Zehn Jahre später ist "Und dann kam Mirna" angesiedelt, alle Protagonistinnen sind inzwischen Mitte 30. "Sie haben Kinder bekommen, Trennungen hinter sich und schlagen sich mit der schmerzhaften Einsicht herum, dass sie ,nur ein kleines mittelmäßiges Leben' haben werden", so das Gorki. In "Nach uns das All - Das innere Team kennt keine Pause" schließlich hebt die Anti-Heldin ins Kosmische ab und will sich von Europa, wo Nationalismus und Faschismus triumphieren, im Rahmen einer Reality Show auf den Mars katapultieren lassen.

Interaktive Karte

Literatur-Tipp

In einer Pandemie kommen plötzlich große Teile der Bevölkerung in Kontakt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Art, wie sie gewonnen werden. Dass Wissenschaftsgeschichte aber auch sonst populär ist und literarisch fruchtbar gemacht werden kann, wissen wir spätestens seit Daniel Kehlmann. Auf der Webseite des Literarischen Colloquiums Berlin sprechen am Mittwoch um 19 Uhr unter dem Titel "In den Echos der Archive Christopher Kloeble und Urmilla Deshpande miteinander (auf Englisch, Moderation: Anna Jäger). Die Romane der beiden basieren auf sehr unterschiedliche Weise auf Archivmaterial, das von kolonialer Ausbeutung und Rassismus erzählt. "Welche Räume der Sprache, Imagination und Perspektive lassen sich im Schreiben aus Archiven heraus eröffnen, die Gewalt dokumentieren? Wie die Stille im Schreiben hörbar machen? An welche Grenzen stößt das kritische Hinterfragen der Aneignung und Überlieferung von Wissen?", so das LCB.

(Zusammenstellung: uba)

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