Bis 8. Juli: Jeden Tag ein Gruß vom Berliner Klavierfestival

Der Kleine Saal des Berliner Konzerthauses, wo üblicherweise das Klavierfestival stattfindet. Foto: Sebastian Runge
Das große Finale der Streaming-Tipps Diese Online-Empfehlungen hat unsere Kulturredaktion für die nächsten Wochen

Streaming-Tipps für Mittwoch, 27. Mai2

Klassik-Tipp

Jedes Festival entwickelt seine eigene Strategie im Umgang mit der Tatsache, dass es nicht stattfindet. Das reizende, seit Jahren vom britischen Wahlberliner und Klavierenthusiasten Barnaby Weiler im Kleinen Saal des Konzerthauses veranstaltete Berliner Klavierfestival wäre an diesem Mittwoch zu Ende gegangen. Drei der Pianistinnen und Pianisten, die aufgetreten wären - Martin Helmchen, Zlata Chochieva und Severin von Eckardstein - haben trotz der Absage einen Tag im Konzerthaus verbracht, um Teile des Konzertrepertoires aufzunehmen. Als musikalische Grüße oder, zum mit Schubert zu sprechen, als "Moments Musicaux" werden Ausschnitte aus diesen Einspielungen ab heute bis 8. Juli jeden Morgen auf der Webseite des Festivals zur Verfügung gestellt - sie sollen Freude machen und die Vorfreude auf das Klavierfestival 2021 anheizen.

Theater-Tipp

"Rückkehr nach Reims" des französischen Soziologen Didier Eribon war bei seinem Erscheinen auf Deutsch 2016 ein großer Erfolg rechts des Rheins. Eribon verwebt seine eigene Biografie und Homosexualität mit einer Untersuchung seines Herkunftsmilieus, der nordfranzösischen Arbeiterschaft, und fragt, wie es möglich sein konnte, dass die Linke diese Wählerschichten an die Rechtspopulisten vom Front National verloren hat. Der frankophile Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier brachte das Buch 2017 als Erster auf die Bühne, indem er es mit einer Rahmenhandlung umgab: Eine Synchronsprecherin (Nina Hoss) nimmt in einem Studio die Tonspur eines Films auf, in dem sich Eribon selbst auf den Weg in seine Heimatstadt Reims macht. Ein Mittschnitt der zweistündigen Aufführung wird am Mittwoch zwischen 18.30 Uhr und Mitternacht gestreamt und ist innerhalb dieses Zeitfensters jederzeit abrufbar.

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Literatur-Tipp

"Eure Heimat ist unser Alptraum" war der einprägsame Titel des Sammelbandes, den die Schriftstellerin Fatma Aydemir zusammen mit Hengameh Yaghoobifarah vor einem Jahr veröffentlicht hat. 14 Autorinnen und Autoren analysieren darin den von ihnen als rassistisch und antisemitisch verstandenen deutschen Heimatbegriff. "In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Einwohner und Einwohnerinnen als "anders" markiert, kaum schützt oder wertschätzt", heißt es auf der Webseite des Berliner Literaturhauses. Dort wird am Mittwoch um 19 Uhr Fatma Aydemir das Buch vorstellen, gemeinsam mit Mithu Sanyal und Max Czollek, die ebenfalls Beiträge verfasst haben. Anschließend diskutieren die drei live, moderiert von Marc Reugebrink.

(Zusammenstellung: uba)

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