Weltraumarchitektur: Eine Seite aus „Auf einem Sonnenstrahl“. Foto: Reprodukt
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Science-Fiction-Comic „Auf einem Sonnenstrahl“ Auf der Suche nach der großen Liebe im Weltall

Barbara Buchholz

Die US-Comicautorin Tillie Walden erzählt in „Auf einem Sonnenstrahl“ eine emotionsgeladene Science-Fiction-Abenteuer-Liebesgeschichte.

Mia, frisch gebackene Absolventin eines exklusiven Internats, kommt neu an Bord des Raumschiffs Aktis. Dessen Crew reist durchs All, um zerfallene Weltraumarchitektur zu restaurieren. Mia trifft auf ein eingeschworenes Team: die schüchterne Kapitänin Charlotte und ihre zupackende Gattin Alma, die vorlaute Jugendliche Jules und die schweigende nonbinäre Person Elliot öffnen sich ihr mehr oder weniger schnell.

Mia wächst in ihre neuen Aufgaben und ihre Wahlfamilie hinein, doch etwas lässt ihr keine Ruhe: Sie kann ihre große Liebe Grace nicht vergessen, der sie fünf Jahre zuvor im ersten Internatsjahr begegnet ist, die die Schule aber abrupt verlassen musste.

Tillie Walden erzählt Mias Geschichte in geschickt montierten Zeitsprüngen und legt nach und nach offen, wie sie verknüpft ist mit dem Schicksal der gesamten Crew der Aktis (der Name des Schiffs, so wird erklärt, ist altgriechisch für „Sonnenstrahl“).

„Auf einem Sonnenstrahl“ (aus dem Englischen von Barbara König, Handlettering von Olav Korth, Reprodukt, 544 S., 29 €) also führt Mias Suche nach Grace das Team schließlich auf eine gefährliche Mission in einen abgeriegelten Teil der Galaxie. Auf dieser Reise wird jedes Mitglied mit ganz persönlichen Geistern der Vergangenheit konfrontiert.

Von außen wirkt der Comic „Auf einem Sonnenstrahl“ geradezu kühl: Auf dem Cover blinken winzige türkisfarbene und weiße Sterne im schwarzen Weltall, ein blasses, schwarzhaariges Mädchen schaut aus dem Fenster eines mit Ornamenten verzierten Raumschiffs und sieht dabei traurig aus.

Eine weitere Szene aus „Auf einem Sonnenstrahl“. Foto: Reprodukt Vergrößern
Eine weitere Szene aus „Auf einem Sonnenstrahl“. © Reprodukt

Doch dann entfaltet sich auf den Seiten des Buchs rasch eine packende, emotionsgeladene Science-Fiction-Abenteuer- und Liebesgeschichte. Sie ist in düsteren, aber kraftvollen Farben gezeichnet und trifft direkt ins Herz.

Waldens Strich ist weich und locker, Lichteinfall und Kontraste schaffen besondere Stimmungen und die Figuren – allesamt weiblich oder queer – sind sehr empfindsam wiedergegeben.

In „Pirouetten“ erzählte sie von ihrer Jugend auf dem Eis und ihrem Coming Out

Die Texanerin Tillie Walden erzählte in ihrem ersten auf Deutsch erschienenen Comic „Pirouetten“ mit sparsamem, lockerem Strich, in zartem Aquarell, kräftigen Farbakzenten und luftigem Weißraum von ihrer Kindheit und Jugend als Eiskunstläuferin, von ihrem Coming-Out und ihrer Emanzipation.

Das Titelbild des besprochenen Buches. Foto: Reprodukt Vergrößern
Das Titelbild des besprochenen Buches. © Reprodukt

Walden erhielt dafür 2018 mit Anfang 20 einen Eisner-Award – und für ihren jüngsten Comic „West, West Texas“ 2020 einen weiteren.

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„Auf einem Sonnenstrahl“ ist vor den beiden entstanden, Tillie Walden hat ihn ursprünglich als Webcomic veröffentlicht und war damit 2017 für einen Eisner-Award nominiert.

Der wunderschöne Science-Fiction-Comic ist nicht nur eine spannende Geschichte über das Heranwachsen und eine abenteuerliche Reise. Er lädt außerdem ein, sich auf den Seiten mit immer neuen Panelaufteilungen, üppigen Splashpages und pointierten Dialogen in bizarren und verschnörkelten Fantasiewelten zu verlieren.

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