Familienbande: Eine Szene aus dem 19. Band von „Usagi Yojimbo“. Foto: Dantes
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Comicserie „Usagi Yojimbo“ Langohriger Samurai

Stan Sakais vielgelobte Abenteuerserie „Usagi Yojimbo“ hat es nach mehreren Anläufen endlich auch auf den deutschen Markt geschafft.

Der Hase Miyamoto Usagi ist ein herrenloser Samurai, ein so genannter Ronin. Als solcher wandert die Hauptfigur der Comicreihe „Usagi Yojimbo“ durchs feudale Japan des 17. Jahrhunderts, in dem alle Personen vermenschlichte Tierfiguren sind.

Der langohrige Schwertkämpfer, dem Ehre, Loyalität und Gerechtigkeit über alles gehen, arbeitet mitunter als Leibwächter, auf Japanisch Yojimbo. Er stellt sich bereitwillig Mördern, Banditen, Kopfgeldjägern, Dämonenkriegern, Monstern und Intrigen. Dabei gewinnt er jeden unfairen Kampf und jedes Duell, woraufhin seine Widersacher ihr Leben in Totenkopf-Sprechblasen aushauchen.

Doch Usagi weiß auch die Schönheit der Natur oder das Zeremoniell einer Tasse Tee zu schätzen. Derzeit befindet er sich mit seinem Sohn Jotaro auf Reisen, der den Ronin allerdings für seinen Onkel hält – eine tragische Geschichte. Serienschöpfer Stan Sakai nutzt das für eine weitere Hommage an den Manga-Klassiker „Lone Wolf & Cub“ von Koike und Kojima.

Für „Usagi Yojimbo“ verknüpft Sakai auf einzigartige Weise Einflüsse aus Manga, Kurosawa- Filmen und Carl Barks’ Duck-Comics. Die entdeckte der 1953 in Japan geborene Autor und Zeichner auf Hawaii, wo er aufwuchs. Inzwischen lebt er in Kalifornien.

Seit 1984 schreibt, zeichnet und lettert er die zumeist schwarz-weißen Abenteuer seines Helden. 2020 erhielt Sakai einen weiteren Eisner Award für die beste fortlaufende Serie, außerdem wurde der traditionsbewusste Erzähler, der trotz Funny-Strich viel Wert auf historische Genauigkeit legt, in die Will Eisner Hall of Fame aufgenommen. Nach Auftritten in diversen Turtles-Trickserien wird der Usagi-Mythos aktuell als Netflix-Animationsserie adaptiert.

[Der aktuelle Band von „Usagi Yojimbo“ findet sich auch auf der Comic-Bestenliste 2021 der Tagesspiegel-Leser:innen - hier gibt es alle Empfehlungen.]

In Deutschland hatte es der Comic ungeachtet seiner Qualität und seines Renommees lange Zeit schwer. Carlsen veröffentlichte Mitte der 1990er ein paar Bände, in den 2000ern versuchte es der Verlag Schwarzer Turm. Zufriedenstellend war das Ergebnis nie.

Das Titelbild des aktuellen 19. Sammelbandes „Väter und Söhne“. Foto: Dantes Vergrößern
Das Titelbild des aktuellen 19. Sammelbandes „Väter und Söhne“. © Dantes

2017 nahm sich dann der neu gegründete Kleinverlag Dantes der Serie an. Man gewann das Vertrauen der Fans zurück und überzeugte die amerikanischen Lizenzgeber – der umherziehende Samurai fand ein neues Zuhause.

Inzwischen liegen bei Dantes knapp 20 Sammelbände lückenlos vor: Kürzlich wurde Band 19 veröffentlicht: „Väter und Söhne“ (Übersetzung: Jens R. Nielsen, 182 S., 18,95 €). Band 20 ist für Februar 2022 angekündigt. Dazu kommen der Jubiläumscomic „Usagi Yojimbo: Yōkai“ und das Crossover „Teenage Mutant Ninja Turtles/Usagi Yojimbo“.

Anfang 2022 erscheint der Band „Space Usagi“ mit einer rustikalen, wenngleich unterhaltsamen Science-Fiction-Interpretation. Usagi hat es am Ende also nicht bloß in den Kosmos der Turtles und ins All geschafft, sondern endlich auch auf den hiesigen Markt.

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