Das Plattencover für eine Langspielplatte von Jimy Hendrix, entworfen von Philippe Druillet, ist eines der Exponate. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Ausstellung „Vinyl!“ in Oberhausen Die Kunst des Covers

Die Ausstellung „Vinyl!“ und der Katalog zeigen vielfältige Berührungspunkte zwischen Musik und Comic – bleiben jedoch in der Vergangenheit hängen.

Das fliegende Motorrad auf dem Cover von Meat Loafs Erfolgsalbum „Bat Out of Hell“. Udo Lindenberg in Rockerpose neben James Dean und Elvis Presley auf dem Cover seiner Platte „Rock Revue“. Das Porträt von Jethro Tulls Sänger Ian Anderson neben dem Albumtitel „Too Old to Rock’n’Roll: Too Young to Die!“ Diese Bilder kennt wohl jeder, der sich für klassische Rockmusik interessiert.

Die Ausstellung versammelt rund 200 Schallplattencover von Comic-Zeichnern. Foto: Roland Weihrauch/dpa Vergrößern
Die Ausstellung versammelt rund 200 Schallplattencover von Comic-Zeichnern. © Roland Weihrauch/dpa

Was vielen Musikfans jedoch kaum bekannt sein dürfte: Diese und zahlreiche andere Plattencover stammen von Künstlern aus der Comicszene. Eine umfangreiche Auswahl derartiger Werke zeigt ab diesem Sonntag bis zum 8. Mai die Ausstellung „Vinyl! Die Comic-Cover“ in einem Raum der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, dazu ist ein Katalog von Ausstellungskurator Eckart Sackmann erschienen.

Der 71-jährige Sammler und Literaturhistoriker legt dafür einen Schwerpunkt auf die 1960er, 70er und 80er Jahre – aktuelle Kooperationen von Comicschaffenden und Musikern bei Albencovern und anderen Projekten sucht man hier jedoch vergeblich. Die Ausstellung und auch der in Sackmanns eigenem Verlag comicplus+ veröffentlichte Katalog (112 S., 29 €) dürften daher vor allem Fans der älteren Generationen ansprechen.

Der reich bebilderte Katalog hat dennoch optisch einiges zu bieten, das man in dieser Fülle bisher kaum gesehen hat. Über viele Jahre hinweg hat Sackmann Hunderte Platten-Coverbilder aus Europa und Nordamerika zusammengetragen, dazu auch manchen im Zusammenhang mit einer Langspielplatte veröffentlichten Comic, die die vielfältigen Berührungspunkte zwischen dieser Form der Zeichenkunst und der populären Musik vor Augen führen.

Dazu zählen neben bekannten Arbeiten wie Robert Crumbs Cover für Janis Joplins Album „Cheap Thrills“ viele Entdeckungen, die teilweise nur in einzelnen Ländern veröffentlicht wurden und daher Comicfans in Deutschland bislang kaum zugänglich waren. So betätigten sich in Frankreich Größen wie Moebius, Jaques Tardi oder Philippe Druillet oder auch mal Asterix-Zeichner Albert Uderzo und Lucky-Luke-Schöpfer Morris als Cover-Künstler.

Von Richard Corben bis Gerhard Seyfried

Aus den USA sind unter anderem Arbeiten des 2020 gestorbenen Horrorcomic-Meisters Richard Corben zu sehen, zu dessen Oeuvre auch das anfangs erwähnte Meat-Loaf-Cover zählt. Es gibt Illustrationen der Italiener Hugo Pratt und Milo Manara zu entdecken, Arbeiten britischer Künstler wie „Watchmen“-Zeichner Dave Gibbons, der Jethro Tull zu dem oben genannten Cover samt Comic-Strecke im Innenteil ihres Albums verhalf, dazu etliche Fundstücke hierzulande weniger bekannter Zeichner aus anderen Ländern.

Das Titelbild des Ausstellungskatalogs. Foto: comicplus+ Vergrößern
Das Titelbild des Ausstellungskatalogs. © comicplus+

Auch deutsche Musiker setzten bei ihren Albencovern immer wieder auf Comic-Künstler: Neben Udo Lindenberg, dessen anfangs erwähnte Platte eine Illustration des in den 1970er Jahren als Comicschöpfer tätigen Zeichners Alfred von Meysenbug ziert, finden sich hier Arbeiten von Gerhard Seyfried für ein Album der Kabaretttruppe „Die drei Tornados“ oder von Schwarwel, der längere Zeit eng mit der Band Die Ärzte zusammenarbeitete.

[Noch bis zum 16.1. ist in der Ludwiggalerie auch die sehr sehenswerte Ausstellung „Unveröffentlicht - die Comicszene packt aus“ zu sehen, mehr dazu hier.]

Der Katalogtext wird der umfassenden Sammlung allerdings nur zum Teil gerecht. Er beginnt mit einer langatmigen Nacherzählung der Geschichte der Tonträger vom Vinyl zum Musik-Streaming, gefolgt von einem Abriss der Geschichte der Comics in Deutschland seit den 1950er Jahren.

Die Gegenwart wird weitgehend ausspart

Das eigentliche Thema, die hier versammelten Albencover und ihre Entstehungsgeschichten, wird dafür in den eher anekdotisch gehaltenen Textpassagen oft nur angedeutet, bei vielen Platten gibt es neben dem Bild kaum weiterführende Informationen. Dazu kommt, dass die Sammlung die Gegenwart weitgehend ausspart. Dabei gäbe es auch im 21. Jahrhundert vielfältige Kooperationen von Comicschaffenden mit Musikerinnern und Musikern zu entdecken.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt regelmäßig Comicausstellungen. Foto: Lars von Törne Vergrößern
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt regelmäßig Comicausstellungen. © Lars von Törne

Dazu zählen international zum Beispiel die Albencover für die Rapperin Little Simz des auch als Comic-Künstler tätigen Illustrators McKay Felt, die langjährige Kooperation der Band Gorillaz mit dem Künstler Jamie Hewlett, die Cover- und CD-Innenillustrationen des kanadischen Comiczeichners Seth für die Musikern Aimee Mann oder das bemerkenswerte Cover der Band Wilco aus der Feder des Meisters des makabren Kurzcomics, Joan Cornellà.

Die Liste weiterer aktueller Beispiele vor allem aus Nordamerika ließe sich noch lange fortsetzen, unter anderem mit Coverarbeiten von Bill Sienkiewicz („Elektra Assassin“) für die Rapper Kid Cudi („Man on the Moon: The End of Day“), T.I. („Trouble Man: Heavy is the Head“) und andere Musiker. Oder einer im Marvel-Stil gezeichneten Illustration von Chris Bachalo („Amazing Spider-Man“, „Uncanny X-Men“ u.a.) für „Wu-Massacre“, eine Zusammenarbeit von drei Musikern der Gruppe Wu-Tang Clan. Oder den von 60er-Jahre-Superheldencomics inspirierten Arbeiten des Illustrators LAmour Supreme, der in den 90er Jahren unter seinem Geburtsnamen Joel Orbeta auch eigene Comics veröffentlicht und in den vergangenen Jahren vor allem durch Albencover für die Hip-Hop-Gruppe Czarface auf sich aufmerksam gemacht hat.

Auch hierzulande gäbe es aktuell einiges zu entdecken, von den Coverillustrationen des Berliner Zeichners Mawil für Musiker wie Sven van Thom über die Illustrationen von „Didi & Stulle“-Zeichner Fil für seine eigenen Comedy-Musik-CDs bis hin zu Arne Jyschs Kooperation bei Covermotiven und animierten Comic-Sequenzen mit der Berliner Band Moderat. Die Zeit der Comic-Cover ist, anders als es diese Ausstellung und der Katalog vermitteln, noch lange nicht zu Ende.

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