Das Sinfonieorchester der TU und FU bei der Probe. Foto: Amadine Pfeifer
© Amadine Pfeifer

Collegium Musicum Berlin Mitreißende Energie

Tye Maurice Thomas

Tolle Stimmung in der Philharmonie: Unter der Leitung von Donka Miteva spielt das Collegium Musicum Werke von Mozart und Mussorgsky.

Wie sehr manche Werke ihre Berühmtheit dem Beitrag späterer Generationen verdanken, ist beim Konzert des Collegium Musicum in der Philharmonie zu erleben. Unter Donka Mitevas souveräner und kraftvoller Leitung erklingen Modest Mussorgskis 1874 komponierte „Bilder einer Ausstellung“ - in der Orchestrierung der ursprünglichen Klavierfassung von Maurice Ravel aus dem Jahr 1922 - sowie Mozarts Requiem-Fragment in einer 2018 veröffentlichten Vervollständigung durch den Komponisten Michael Ostrzyga. 

Im ersten Teil verwandelt das Orchester, bestehend aus Studierenden von FU und TU, Mussorgskis Musik in präzise, schillernde Klangtableaus, deren Energie – wie im „Ochsenkarren“ oder der wunderbar grimmigen „Hütte der Baba-Jaga“ -  körperlich spürbar wird. Besonders die Bläser*innen begeistern durch hervorragende Intonation und Virtuosität: großartig die Saxophonsolistin und der Solotrompeter bei Mussorgski sowie, im Requiem, die Posaunist*innen.

Das "neue" Mozart-Requiem hält manche Überraschung bereit

Ihren kraftvollen Zugriff setzt Dirigentin Donka Miteva auch bei Mozart fort, wobei die durchweg schnell gewählten Tempi gelegentlich etwas atemlos wirken. Ostrzygas Bearbeitung, ein Auftragswerk der Harvard University, sorgt für so manche Überraschung. Die auf einer Skizze Mozarts basierende „Amen“-Fuge im „Lacrimosa“ oder das unverhofft in Moll beginnende „Sanctus“ zeigen, wie Musik im Dialog von Vergangenheit und Gegenwart lebendig bleiben kann. Der dicht gedrängte Chor besticht dabei durch Klangfülle und präzise Artikulation, wogegen das Solistenquartett klanglich etwas blass bleibt.

In der fast ausverkauften Philharmonie ist von pandemiebedingter oder sonstiger Zurückhaltung nichts mehr zu spüren, die Stimmung ist großartig. Auch Profi-Orchestern wäre ein so junges und buntes Publikum sowie ein so hoher Frauenanteil sehr zu wünschen – und stets solcher Jubel am Ende.

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