Ausgezeichnet: Judith State, die Hauptdarstellerin von "Monsters." (mitte) und die Produzenten Claudiu Mitcu und Carla Fotea. Foto: Sven Darmer
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Bester Film im Berlinale-Forum „Monsters.“ aus Rumänien gewinnt Preis der Tagesspiegel-Leserjury

Eine Frau, ein Mann – eine Ehe in drei Akten: Die Tagesspiegel-Leserjury gibt ihren Preis für den besten Film im Forum an „Monsters.“ aus Rumänien.

Ein stilles, eindringliches Kammerspiel, das die Kraft eines Gesellschaftsporträts entwickelt: Der diesjährige Preis der Tagesspiegel-Leserjury für den besten Film im Forum geht an „Monsters.“ von Marius Olteanu aus Rumänien. Nach mehreren Jahren, in denen Dokumentarfilme ausgezeichnet wurden, gewinnt damit erstmals wieder ein Spielfilm.

Das Regiedebüt des 1979 in Bukarest geborenen Autors und Regisseurs umkreist in drei Akten ein Paar, dessen Ehe zu zerbrechen droht. Im ersten Teil kehrt Dana (Judith State) von einer Dienstreise zurück und verbringt die Nacht im Taxi, statt in die gemeinsame Wohnung zurückzukehren. Der zweite Teil folgt Andrei (Christian Popa), der sich in der gleichen Zeit über ein Dating-Portal mit einem Mann verabredet; im dritten Akt treffen die beiden in ihrer Wohnung aufeinander. Die Art, wie Olteanu dabei auch die Gesellschaft porträtiert, ruft einem das Motto der 69. Berlinale ins Gedächtnis, „Das Private ist das Politische“.

Drei Produktionen schafften es in die Endauswahl

Die neun Leserjurorinnen und -juroren begründen ihre Entscheidung damit, dass der Regisseur, „die Vielschichtigkeit einer Beziehung“ zeige, „die durch eine normative Gesellschaft großem Druck ausgesetzt ist. Dana und Andrei stellen sich dem selbstbestimmt entgegen. Mit gleichzeitig starken und zarten Bildern kommen wir ihnen als Zuschauende emotional nah“.

Bei der Preisverleihung der unabhängigen Jurys am Samstagmittag nahmen Hauptdarstellerin Judith State und die Produzenten Claudiu Mitcu und Carla Fotea die Auszeichnung entgegen, sie waren deshalb eigens kurzfristig aus Bukarest zurückgekehrt. Leser-Preise sind Publikumspreise: Die drei freuten sich sehr, dass die Chancen, neben dem rumänischen Filmstart auch internationale Verleiher zu finden, sich mit der Auszeichnung verbessern. Oleanu, der bisher vier Kurzfilme drehte, konnte leider nicht wieder nach Berlin kommen.

Die Jury wiederum bedauerte es, dass der neuntägige Film-Marathon mit den 31 Weltpremieren des Forums nun schon vorbei ist. Bei der Auswahl gingen die Mitglieder zunächst unterschiedlich ans Werk. Einige „sortierten“ die Filme nach Kategorien und vergaben anschließend Sterne, andere verließen sich auf ihr Bauchgefühl. Vor allem wurde diskutiert und argumentiert, dabei waren immer wieder auch die Qualitätskriterien Thema. Die eine findet es bemerkenswert, wenn Aufmerksamkeit durch Technik erzeugt wird, ein anderer möchte mit einem positiven Gefühl aus dem Kino gehen, wieder andere achten besonders auf die Verflechtung der Erzählstränge – oder auf die Musik. Drei Produktionen schafften es in die Endauswahl, bis Olteanu als Sieger feststand.

Voller Details und Metaphern

„Monsters.“ vereine Vieles in sich, betont Daniela Richter: eine Liebesgeschichte, das Thema Alltag in Rumänien, die Genderproblematik, zwei großartige Darsteller und viele tolle Bilder. Die Spannung werde die gesamte Zeit gehalten, findet Daniela Ishorst, auch dann, wenn auf den ersten Blick nicht viel auf der Leinwand geschieht. Roman Clawien schätzt das Wagnis, das „Monsters.“ eingeht. Das Drama stecke voller Details und Metaphern, jeder Zuschauer könne etwas anderes entdecken, ist sich die Jury sicher.

„Monsters.“ wird auf weiteren Festivals zu sehen sein, in Rumänien kommt der Film im August in die Kinos. Vielleicht zeigt bald ja ein deutscher Verleih Interesse – nicht zuletzt dank dem Preis der Tagesspiegel-Leserjury.

hed/Tsp

Vorführung des Preisträger-Films in Anwesenheit der Hauptdarstellerin, der Produzenten und der Leserjury: 17.2., 19.30 Uhr (Cinemaxx 4)

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