Top Service. Edith bekommt ein Gesichtskleid gereicht. Foto: Sven Ihlenfeld
© Sven Ihlenfeld

Berliner Kleinkunstbühnen spielen wieder Maske mit Wurstzange

Es werden wieder Shows gespielt: Hygienecomedy im Kreuzberger BKA-Theater. Und auf anderen Bühnen geht es auch wieder los.

Wie lautet die Nies-Etikette in Corona-Zeiten? Genau: ins Taschentuch oder die Armbeuge. Das Comedyduo Biggy van Blond und Edith Schröder jedoch legt sie anders aus: „Nies’ doch nicht in dein Glas, Edith, sondern in den Schritt!“

Das ist nur eine der hilfreichen Regeln, die den Leuten nach fünf Monaten Abstinenz in Sachen Liveamüsement die Scheu vor dem geschlossenen Raum nehmen soll. Zu sehen in dem jetzt veröffentlichten Hygiene-Clip, den Hausgeist Ades Zabel alias Edith Schröder für das Kreuzberger BKA-Theater gedreht hat.

Da tapert Edith brav die Treppen in den 5. Stock hoch, weil nur eine – Biggy! – in den Fahrstuhl darf. Und weil Edith die Maske vergessen hat, bekommt sie am „Hygiene-Point“ vor dem Theatersaal per Wurstzange ein Gesichtskleid angereicht.

Der für die sozialen Netzwerke bestimmte Clip ist eine der wackeren Ideen, mit denen das BKA als Vorreiter der Berliner Kleinkunst seit März um Publikum kämpft. Mit ihrem schon eine Woche nach dem Lockdown gestarteten Streamingangebot konnten sie immerhin 50 000 Euro einnehmen, erzählt Theaterchef Uwe Berger.

Die nächsten Berliner Kleinkunstbühnen tun es dem BKA nach

Sie waren auch die ersten in der Stadt, die sich trauten, nach knapp fünf Monaten wieder Shows zu spielen. Seit Ende Juli läuft das Wiedereröffnungs-Festival „Im BKA brennt noch Licht“. Erst mit wenigen Saalgästen beim Livestream, seit Anfang August in regulären Shows vor auflagengemäß kleinem Publikum.

So wie das dieser Tage auch wieder im Mehringhoftheater, dem Quatsch Comedy Club und dem Comedy Club Kookaburra losgeht. Den nächsten Berliner Kleinkunstbühnen, die dem BKA folgen.

Ebenso wichtig wie das Programm, das an diesem Donnerstag aus „40 Jahre Nasenmalerei“ des Cartoonisten Ralf König besteht, sei das Vertrauen der Besucher in die Hygiene, hat Uwe Berger festgestellt. Deswegen tasten sie sich in vorsichtigen Schritten von 40 über 60 bis zur neuen Maximalauslastung von gut 90 Personen vor.

Das funktioniert. Verglichen mit dem Gewusel auf dem Mehringdamm zwischen Mustafas Gemüsedöner und Curry 36, fühlt man sich im BKA sicher wie in Ediths Schoß.

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