Oswald schöpft Verdacht

Suchprogramm. Im Internet gibt es Dutzende Partnervermittlungsseiten. Für jegliche Neigung, jedes Alter, sofort erreichbar. Foto: Mascha Brichta/p-a/dpa
Glaube, Liebe, Romance Scam Wie Online-Betrüger arbeiten

Jetzt schöpfte Oswald Verdacht. Er ist ein Mann, der die Liebe sucht, das ja. Aber er ist alles andere als naiv. Er sprach auch mit einem Freund über die Sache. Dem Freund war’s sofort klar: Du musst zur Polizei gehen! Der Freund hatte gut reden. Er sehnte sich nicht nach Andrey.

Oswald, 12. Mai: Jedermann warnt mich davor, Geld nach Russland zu schicken – an einen Menschen, von dem ich nur die E-Mail-Adresse weiß (Wie kommst du überhaupt an die E-Mail- Adresse schmidt.wolf@yahoo.com? Du lebst doch in Russland!!!) Es geht mir nicht um das Geld, das ich verlieren würde, sondern um das Gefühl, betrogen worden zu sein, obwohl ich es hätte besser wissen müssen … Lass dich küssen, streicheln und umarmen …

Tatsächlich ging Oswald zur Polizei – und er hatte ein schlechtes Gewissen dabei. Durfte er Andrey so misstrauen? Die Polizisten warnten ihn. Er solle auf keinen Fall Geld bezahlen. Sie überprüften auch die Mail-Adresse: schmidt.wolf@yahoo.com. Sie haben eine Datenbank mit bekannt gewordenen Scammer-Adressen. Wie glücklich Oswald war, als sie ihm sagten, dass es zu dieser Adresse keinen Treffer gab. Sein Andrey musste echt sein!

Und dann noch Andreys strenge Antwort, ein kommunikatives Lehrstück:

Andrey, 12. Mai: Mir kränkend, dass bei dir die Zweifeln erschienen sind … Ich bin überzeugt, dass du betrügen wirst du wirst mich verraten! Deshalb habe ich mich entschieden, zu dir zu fahren! Du sollst die Bank besuchen und, die Mittel durch das System moneygram auf meinen Namen schicken … Unsere Träume sollen wird sich in die Realität verwandeln.

Selbstverständlich wollte Oswald niemanden verletzen, geschweige denn betrügen. Zwei Tage später sandte er das Geld nach Russland.

Andrey, 14. Mai: Jetzt wird unser Treffen schnell. Uns wir einander an den Händen zu fassen und, aus dem Flughafen hinauszugehen. Und später wir in dein Schloss der Liebe zu fahren.

Der Weg ins Schloss der Liebe schien jedoch verbaut. Zwei Tage später schrieb Andrey aus Moskau: Jetzt die wichtigste Neuheit. Mir traurig, dir darüber zu sagen … Gesetzmäßig soll ich in deinem Land 2700 euro mithaben. Der Mitarbeiter des Zolldienstes mir mitzuteilen, dass ich die minimale Zahl der Mittel für den Aufenthalt in Deutschland in Höhe von 30 euro/im Tag brauche.

Oswald, 16. Mai: Ich habe keine 2700 Euro. Ich bin sehr traurig und weiß auch nicht, was wir jetzt machen sollen.

Andrey, 16. Mai: Im Flughafen Tegel ich, dein Geld zurück zurückzugeben. Du verstehst mich? Ich bin fertig, vom Schmerz zu schluchzen!

Oswald hatte wirklich nicht so viel Geld. Er lebt von 850 Euro im Monat. Angesichts der 2700 Euro kamen ihm – bei aller Liebe – neue Zweifel.

Oswald, 20. Mai: Lieber Andrey, ich habe mich nicht gemeldet, weil ich inzwischen nicht mehr daran glaube, dass es dich wirklich gibt … Ich werde dir k e i n Geld mehr schicken. Unter keinen Umständen. Ich habe mich so sehr auf dich gefreut, und ich bin zu alt, um solche Enttäuschungen einfach wegzustecken. Verstehst du mich? Viele Grüße

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