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Dunst, Smog und der Rauch aus Schornsteinen hängt über der Innenstadt von Mailand.

© dpa/Claudio Furlan

Strengere Grenzwerte für Schadstoffe in der EU: Bürger sollen Anspruch auf Entschädigung bekommen

Dreckige Luft führt Untersuchungen zufolge zu vielen verfrühten Todesfällen. Um Menschen besser zu schützen, sollen nun Grenzwerte verschärft werden. Zwei Schadstoffe gelten als besonders gefährlich.

Im Kampf gegen Luftverschmutzung sollen in der EU künftig strengere Grenz- und Zielwerte für verschiedene Schadstoffe gelten. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder verständigten sich am Dienstagabend auf neue Obergrenzen unter anderem für Feinstaub, Stickstoffdioxid (NO2) und Schwefeldioxid (SO2), wie das Europaparlament mitteilte. Auch die belgische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte eine Einigung. Diese muss noch offiziell von den EU-Staaten und vom Parlament gebilligt werden. In den meisten Fällen ist das aber Formsache.

Mit den neuen Regeln solle sichergestellt werden, dass die Luftverschmutzung in Europa die menschliche Gesundheit nicht schädige, teilte das Parlament mit. Bürger sollen Anspruch auf Entschädigung bekommen, wenn sie wegen nicht eingehaltener Grenzwerte krank werden. Für bestimmte Feinstaubpartikel sowie Schwefeldioxid sollen die Grenzwerte halbiert werden. Beide Schadstoffe hätten einen besonders großen Einfluss auf die Gesundheit, so das Europaparlament.

253.000
Todesfälle führt die EU-Umweltagentur (EEA) für das Jahr 2021 auf erhöhte Feinstaubbelastung zurück.

Die neuen Regeln sollen die Weichen stellen für den Aktionsplan für „Null Schadstoffe“ in Luft, Wasser und Boden der EU-Kommission. Den hatte sie 2021 vorgestellt. Trotz beachtlicher Fortschritte in der EU im Laufe der letzten Jahrzehnte würden die Gesundheit und die Umwelt durch Schadstoffe nach wie vor schwer beeinträchtigt, hatte es geheißen.

Schlechte Luft bleibt nach Einschätzung der EU-Umweltagentur EEA das größte von Umweltbedingungen ausgehende Gesundheitsrisiko. Nach jüngsten Zahlen gab es im Jahr 2021 rund 253 000 Todesfälle in der EU, die im Zusammenhang mit Feinstaubwerten über den empfohlenen Grenzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) standen.

Der CDU-Politiker und Vorsitzende des Agrarausschusses im EU-Parlament, Norbert Lins, kritisierte die Einigung. Neue Maßnahmen, die sich insbesondere auf den Straßenverkehr und die Landwirtschaft auswirkten, gingen zu weit, teilte er mit. Er befürchtet etwa Fahrverboten oder den Stopp von Bauprojekten.

Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken sprach davon, es sei eine gemeinsame Verantwortung, dass Luft für alle sicher sei. „Die Auswirkungen der Luftverschmutzung sind am drastischsten bei den europäischen Bürgern der Arbeiterklasse, die nicht einfach in die Vororte ziehen oder sich Luftfilter leisten können“, so Wölken. (dpa)

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