Hans Markert Foto: privat
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Was Stiftungen leisten Ein Markstein fürs Leben

Eine kleine Stiftung widmet sich erfolgreich der Bildungsförderung für junge und sozial benachteiligte Menschen – und sucht ehrenamtliche Mitstreiter*innen.

Das Recht aller Kinder und Jugendlichen auf gleiche Chancen gilt auch in Deutschland nur eingeschränkt, hat der frühere Lehrer Hans Markert schon vor vielen Jahren festgestellt. Er selbst stammt aus armen Verhältnissen mit vielen Entbehrungen, erzählt er. Seine 2011 gegründete Stiftung Markstein widmet sich deshalb der Bildungsförderung für junge Menschen mit sozialen Nachteilen.  Mit den Zinserträgen aus dem Kapitalstock der Stiftung von einer Million Euro werden seitdem diverse Programme finanziert, um Kindern und Jugendlichen den Start in ein erfolgreiches Leben zu erleichtern. 2019 standen dafür 47.000 Euro zur Verfügung, das Corona-Jahr hat auch die Zinserträge auf 33.000 Euro zurückgehen lassen – unter den kleinen Stiftungen steht die Stiftung Markstein damit übrigens nicht alleine. Nur durch eine persönliche Spende des Stifters von 10.000 Euro konnte das Vorjahresniveau gehalten werden. Denn das Geld wurde durchaus gebraucht. In der Pandemie gab es zwar weniger Aktivitäten in den geförderten Schulen und Musikschulen, dafür aber andere Anforderungen: So kaufte die Stiftung etwa 100 Laptops für bedürftige Schüler*innen in Partnerschulen. 

Zwischen Seefahrt und Lehrer-Karriere

Die Stiftung bemüht sich seit ihrem Start, ohne Verwaltungskosten auszukommen. Sie unterhält daher weder eine Geschäftsstelle noch beschäftigt sie Personal. Markerts Wohnung in der Menzelstraße ist zugleich Stiftungsbüro; hier treffen sich auch  der Vorstand und das Kuratorium. Alle Aufgaben werden ausschließlich ehrenamtlich wahrgenommen – vor allem ermöglicht auch durch den hohen persönlichen Einsatz des jetzt 80-jährigen Hans Markert. Der arbeitet immer noch 20 bis 30 Stunden in der Woche für seine Stiftung. Markert kennt das Leben von vielen Seiten: Er fuhr zur See und war Kohlenschlepper, bevor er studierte. Das Vermögen besteht aus einem in den 70er Jahren gekauftem und weitgehend selbst sanierten Wohnhaus und gut angelegten Kapitalanlagen, erzählt Hans Markert, der einst Vorsitzender des Bezirkslehrerausschusses Tempelhof war und auch vier Jahre lang in Entwicklungsprojekten in Afrika und Südamerika arbeitete. Dafür drängte der damalige Beamte den Berliner Schulsenator zu einer damals rechtlich nicht vorgesehen Freistellung – und wurde so der Erfinder des Sabbaticals im Berliner Schulwesens.
Bei der Arbeit der Stiftung geht es insbesondere um die Programme wie „Schüler helfen Schülern“, „Papa/Mama, komm spiel mit mir“ oder der besonderen Musikerziehung.  Die Stiftung benötigt dafür dringend weitere ehrenamtliche Unterstützer, um die Arbeit auszubauen. „Wir werben keine Spenden ein, weil es dafür bezahltes  Personal braucht und dies Geld dann zur Förderung fehlt“, sagt Hans Markert: „Wir benötigen aber Menschen, die Zeit spenden wollen.“ Er sagt das auch in Hinblick auf den unvermeidlichen Generationswechsel – ein Problem, dass übrigens auch viele andere kleine Stiftungen haben, die nach dem Ableben der Initiatoren in Schwierigkeiten geraten.    
Das Programm „Papa/Mama, komm spiel mit mir“ reagiert darauf, dass viele Eltern überfordert mit der Aufgabe, ihren Kindern genügend Anregungen beim spielerischen Ausprobieren der eigenen Fähigkeiten zu geben, zum Teil, weil sie es selbst in früher Kindheit nicht hinreichend erlebt haben. Mit dem Programm, bei dem die Eltern aktiv mit einbezogen werden, sollen Entwicklungsstörungen und Sozialisationsdefizite verhindert werden. 

Gezielte Förderprogramme

Die Stiftung unterstützt daneben einkommensschwache Familien mit Zuschüssen die musikalische Ausbildung der Kinder an Musikschulen und ermöglicht Schüler*innen aus schwierigen finanziellen und sozialen Verhältnissen die Teilnahme an kostenpflichten Angeboten und Projekten in Schulorchestern, etwa bei Orchesterreisen oder der Beschaffung von Instrumenten.
Das Programm „Schüler helfen Schülern“ setzt darauf, dass gerade nur wenig ältere Mitschüler, die gleichzeitig Vorbilder sind, häufig besser motivieren können als Erwachsene. Die Stiftung übernimmt die Kosten für Schüler aus sozial schwierigen Verhältnissen und bezuschusst die „Schüler-Lehrer“ mit einem Taschengeld, das Anreiz und Belohnung zugleich sein soll. Sie erwerben zudem soziale Kompetenz. Organisiert wird das Programm etwa für Migrantenkinder, vor allem mit türkischem Hintergrund. Bei jungen Geflüchteten werden auch Integrationsmaßnahmen außerhalb eines direkten Unterrichtsbezugs gefördert. Integration findet schneller statt, wenn die Neulinge einen „Schüler-Lehrer“ zur Seite haben, der ihnen zusätzliche Kontakte ermöglicht, die Sprache sowie landesübliche Alltagssituationen vermittelt und möglicherweise auch zu einem neuen Freund wird.

Im Oktober 2020 fand zum dritten Mal an der Gottfried-Keller-Schule in Charlottenburg mit Unterstützung der Stiftung ein einwöchiges Mathe-Camp für 37 Schüler*innen statt, und im September wurden ärmere Schüler*innen des Goethe-Gymnasiums bei der Jazz-Kooperative und der Orchesterakademie unterstützt.

Ein neues Projekt leistet Hilfen für geflüchtete minderjährige Jugendliche in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein ZAKI. Inzwischen gut integrierte junge Flüchtlinge mit ähnlichen Fluchterfahrungen sollen unbegleiteten Neu-Flüchtlingen als „Lotsen“ zur Seite stehen, sich hier besser zurechtzufinden. Es wird angestrebt, ein Team von Lotsen aus jungen Flüchtlingen aus Afghanistan und dem arabischen Raum zusammenzustellen. Sie erhalten als Anerkennung Ehrenamtspauschalen, die von der Stiftung bezahlt werden. 

Die Stiftung freut sich sehr über weitere ehrenamtliche Helfer, um die Verwendung der Mittel zu begleiten und Kontakt zu Schulen und Musikschulen zu halten. Wenn Sie Lust haben, mitzumachen: Alle Informationen erhalten Sie hier: https://www.stiftung-markstein.de/

Das ist ein Text aus dem Newsletter Ehrensache: Der Tagesspiegel würdigt mit Deutschlands erstem Ehrenamts-Newsletter all jene Menschen, die aktiv dabei mithelfen, dass Berlin lebenswert ist und liebenswert bleibt – kostenlos und jederzeit kündbar. Melden Sie sich an unter: https://ehrensache.tagesspiegel.de

 

 

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