Mit Holz können Lücken schnell geschlossen werden

Das "c13" in Prenzlauer Berg. Foto: Bernd Borchardt
Urbane Architektur Trend: Immer mehr Häuser aus Holz

Während bei der Holz-Vorfertigung in trockenen Räumen viele Prozesse parallel laufen, wird beim herkömmlichen Bau nacheinander gebaut – oder nicht. Erst muss der Rohbau stehen, dem Wetter ebenso ausgesetzt wie langsamen Gewerken, wo einer auf den anderen wartet, oft improvisiert werden muss. „Jede Baustelle ist ja ein Ausnahmezustand.“ Die Holzplatten dagegen werden im Trockenen montiert, zum Teil ganze Wände inklusive Fenster – und dann vor Ort, so der Berliner Zimmermann und Architekt Benjamin Steil, „wie Lego zusammengesteckt“. Ist der Innenausbau abgeschlossen – wobei die Wände oft mit Gipskartonplatten verkleidet werden, auch aus ästhetischen Gründen, denn Wand, Boden und Decke aus Holz können erdrücken –, müssen die Bewohner nicht erst warten, bis die Feuchtigkeit aus dem Gemäuer ist.

„Das zwingt alle Beteiligten zu präziser Planung“, so Schankula, denn nachträgliche Änderungen werden sehr aufwendig. Für viele Architekten ist diese Vorplanung bis ins letzte Detail eher ungewohnt. Umso wichtiger wird die Zusammenarbeit mit erfahrenen Ingenieurbüros sowie guten Zimmerern und Sägewerken.

Deutschland, Österreich und Schweiz haben da Glück, meint Shigeru Ban. Nach Ansicht des japanischen Architekten, der viel mit Pappe und Holz baut, sind Ingenieure und Handwerker hier besonders gut ausgebildet. Bei seinem Bürohaus in Zürich für das Medienunternehmen Tamedia hat er mit dem legendären Holzbauer Hermann Blumer kooperiert. Zusammen haben sie es geschafft, die tragende Konstruktion ohne einen einzigen Nagel oder eine Schraube zusammenzustecken.

Woran es früher ebenfalls mangelte, war der Mut. Es ist kein Zufall, dass „e3“ und „3XGrün“ Baugruppenprojekte sind. Ohne diese sähe Berlin architektonisch noch viel öder aus als ohnehin mit der ganzen Schießscharten- und Investorenarchitektur im Einheitslook. Baugruppen, die keinen Profit machen müssen, sind in der Regel experimentierfreudiger, offener. Im Falle von „e3“ waren es die Bauherren, die mit der Idee eines hohen Holzbaus an die Architekten herantraten.

Jetzt, da der urbane Holzbau schick wird, interessieren sich auch Investoren dafür. Und es sind Wohnungsbaugesellschaften wie B & O in Bad Aibling oder Folkhem in Stockholm, die die Entwicklung weitertreiben.

Denn der Ansturm auf die Großstädte in aller Welt ist gewaltig, Verdichten heißt das Zauberwort. Mit Holz können Lücken schnell geschlossen werden, auch für das Aufstocken ist es bestens geeignet, ist es doch wesentlich leichter als Stahl und Beton. Und ein schlankeres Material, dünnere Wände, Decken und Dämmungen bedeuten mehr Wohnraum.

Noch sind die meisten Holzbauten teurer als vergleichbare Projekte, die Zahlen schwanken zwischen ein und zehn Prozent. „Aber das ist bei jedem Prototyp der Fall“, meint Wolfram Putz von Graft. In der Tat hat im Moment jedes größere Projekt, etwa die Holzcubes in Adlershof, noch Modellcharakter, bringt den urbanen Holzbau einen Schritt weiter. So bekommen die Architekten die Schwachstellen immer besser in den Griff: die Anfälligkeit gegenüber fließendem Wasser, Brandschutz, Schallschutz, Holzschutzmittel.

Gerade die rasante Geschwindigkeit, mit der ein Holzbau hochgezogen werden kann, prädestiniert ihn für die Stadt: Straßen werden nur kurz gesperrt, Nachbarn müssen nicht monatelang unter Baulärm leiden, Schulen und Kindergärten nicht schließen, während der Anbau errichtet wird. Holz ist der Plattenbau von heute, nur schöner, wertvoller und gesünder.

Der modulare Holzbau könnte auch eine Antwort auf die zur Zeit drängendste, dramatischste Frage sein: Wie kann man all die Flüchtlinge möglichst rasch menschenwürdig unterbringen?

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