Zwei Ponys konnten von der Tierrettung Essen Freitagnacht aus den Fluten gerettet werden. Foto: Tierrettung Essen e.V.
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Tiere leiden unter dem Hochwasser Auch Rehe, Hunde und Ponys kämpfen in den Fluten

Auch Tiere wurden zu Opfern des Hochwassers. In Trier gelang den Helfern eine besondere Evakuierungsaktion. Mehr als 60 Haustiere konnten sie retten.

Überschwemmte Straßen, Felder und Wälder: Der Lebensraum vieler Tierarten ist vom Hochwasser zerstört und fordert auch etliche Opfer unter den Tieren. Ebenso sind Tierschutzvereine, Tierheime und Tierhalter in den Hochwasserregionen schwer betroffen. 

Der Deutsche Tierschutzbund äußerte sich am Freitag bestürzt über das Ausmaß des verheerenden Unwetters. Er befürchtet, dass die Tierheime und Tierfreunde vor gewaltigen, derzeit noch kaum absehbaren Herausforderungen stehen würden. 

In Trier startete die Feuerwehr gestern eine besondere Evakuierungsaktion. Aus dem überschwemmten Stadtteil Ehrang brachte sie in der Nacht zum Freitag mehr als 60 Haustiere in Sicherheit. Tierbesitzer, die am Donnerstag wegen der Flut schnell ihre Häuser verlassen mussten, hätten um ihre zurückgelassenen Haustiere gebangt, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitag in Trier.

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„Ich kann das total gut nachvollziehen, weil es ein Tier ist, das man einfach gerne hat und das zum Leben gehört“, so Dreyer. Feuerwehrleute hätten eine Liste erstellt und seien dann mit Gummistiefeln in die entsprechenden Häuser gegangen, um die Tiere zu holen, teilte der Sprecher der Stadt mit. Teils sei auch ein Radlader eingesetzt worden.

Hunde, Katzen und andere Vierbeiner seien nun im Tierheim Trier-Zewen vorübergehend untergebracht. Die rheinland-pfälzische Regierungschefin sagte zu der Rettungsaktion: „Es ist schon wichtig für die Menschen, dass sie einfach auch sehen, dass auch auf ihre ganz persönlichen Belange geschaut wird.“ 

Ponys aus den Fluten gerettet 

Auch die Tierrettung Essen wies bereits gestern auf ihrer Facebookseite darauf hin, dass sich Tierbesitzer jederzeit an die Leitstelle in Essen wenden könnten, sollten Haus- oder Nutztiere aufgrund der Wassermassen eingeschlossen sein und evakuiert oder gerettet werden müssen. Sie rückten zu mehrfachen Einsätzen aus.

Geglückte Rettungsaktion: Ein Rehkitz konnte aus den Fluten befreit werden. Foto: Feuerwehr Essen Vergrößern
Geglückte Rettungsaktion: Ein Rehkitz konnte aus den Fluten befreit werden. © Feuerwehr Essen

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag alarmierte beispielsweise eine besorgte Ponyhalterin in Linnich, Kreis Düren, die Tierrettung Essen. Gegen Mitternacht bat sie um Evakuierung ihrer im Hochwasser bauchhoch eingeschlossenen neun Ponys. Gegen drei Uhr morgens konnten zwei Ponys auf der knapp einen Kilometer entfernten Koppel gesichtet und gesichert an Land gebracht werden. 

Die starke Strömung machte es den Tierrettern danach nicht mehr möglich, weitere Ponys von der überfluteten Koppel zu retten. Die übrigen sieben Ponys hätten sich jedoch auf eine Anhöhe selbst retten können, wo sie zu dem Zeitpunkt sicher waren.

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Hans-Joachim Erbel, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, äußerte sich schockiert zu den vorherrschenden Zuständen: „Die Berichte und die Bilder, die wir aus den Überschwemmungsgebieten bekommen, sind erschütternd. Weggerissene Stallgebäude, ertrunkene Pferde: Die Not ist groß. Und wir wollen helfen.“ Zahlreiche Hilferufe würden die Pferdesport- und Zuchtverbände derzeit erreichen. 

Auch Wildtiere in größter Not 

Wie der Deutsche Tierschutzbund mitteilte, seien auch viele Wildtiere in großer Not. Aktuell gebe es viele Jungtiere, die sich nicht oder nicht schnell genug in Sicherheit bringen können. Betroffen seien neben Kleintieren wie Kaninchen, Hasen und Jungvögeln auch größere Arten wie Rehe.

Das zeigt auch ein Fall der Feuerwehr Essen: Auf dem Weg zu einem Einsatz im Biergarten an der Ruhr bemerkten Kameraden ein Rehkitz, das kraftlos gegen das Wasser kämpfte. „Es wurde von den Wassermassen gegen einen Zaun gedrückt“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstag. Nach der Rettung wurde das Reh mit Folie abgedeckt, um ein Auskühlen zu verhindern. 

Der Tierschutzbund bittet Spaziergänger und Hundebesitzer, sich nach Möglichkeit vom Wasser und den Ufern fernhalten, weil die Versteckmöglichkeiten dort für die Wildtiere kleiner geworden oder gar nicht mehr existent sind. Das könne dazu führen, dass Rehe oder andere Wildtiere panisch ins Wasser flüchten und je nach Strömung und Umgebung letztlich ertrinken, obwohl sie eigentlich gut schwimmen können. 

Zoos und Tiergehege ebenfalls betroffen 

Die Wassermassen bahnten sich seit Mittwoch auch den Weg in die Tiergehege und Zoos der Hochwasserregionen. Im Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Köln standen die Tiere knietief im Wasser: Als hätte uns nicht Corona schon genug zugesetzt! Das Unwetter gestern hat das gesamte Gelände geflutet. Gott sei Dank konnten wir alle Tiere in Sicherheit bringen!“, heißt es auf deren Facebookseite.

Der Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Köln wurde am Mittwoch von den Fluten überrascht. Foto: Erlebnisbauernhof Getrudenhof Vergrößern
Der Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Köln wurde am Mittwoch von den Fluten überrascht. © Erlebnisbauernhof Getrudenhof

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, teilte mit, dass einige Tierheime in betroffenen Regionen wegen Stromausfällen nicht erreichbar seien. „Klar ist: Nach dem vergangenen Jahr trifft diese Flut unsere Tierheime, die durch die Corona-Pandemie zum großen Teil ihre finanziellen Rücklagen aufzehren mussten und aktuell mit den Folgen des Haustierbooms zu kämpfen haben, umso härter.“ 

Der Deutsche Tierschutzbund würde nun als Dachverband alles in der Macht stehende tun, um bestmöglich zu helfen zu können. Zudem hoffe man auf die Unterstützung von Tierfreunden im ganzen Land. „Die Solidarität und Hilfsbereitschaft, die wir unter Tierfreunden bereits erleben können, bewegt uns sehr“, sagte Schröder weiter. 

Tierheime, die weniger von der Flutkatastrophe betroffen sind, starteten bereits kurzfristig Hilfsaktionen und bieten anderen Tierheimen sowie evakuierten Tierhaltern an, ihre Vierbeiner vorübergehend aufzunehmen. (mit dpa) 

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